Allein im laufenden Jahr werden in Festlandchina etwa US$ 810 Milliarden aus ehedem durch Anbieter von so genannten „Wealth Management Plänen“ emittierten Schulden fällig. Nicht nur australische, sondern auch europäische, amerikanische und Hongkonger Banken haben sich dazu verleiten lassen, an den im globalen Vergleich hohen Zinsdifferenzen im Hinblick auf zu vergebende Darlehen an Festlandchina zu partizipieren. Hier schließt sich der Kreis, da einmal mehr die fatalen Auswirkungen und gesetzten Fehlanreize aus der Nullzinspolitik der westlichen Zentralbanken ersichtlich werden.

In einem heute Morgen publizierten Bericht auf der Seite des Sydney Morning Herald hieß es, dass Australiens Bankensektor durch die Ratingagentur Standard and Poor´s als einer der fünf weltweit sichersten eingeschätzt worden sei. Steigende Gewinne und ein Rückgang der faulen Schulden trügen an dieser Entwicklung laut S&P großen Anteil. In diesem Beitrag soll es unter anderem darum gehen, ob diese Einschätzung der Realität gerecht wird.

Nicht umsonst weist der Bericht von S&P auch auf die Gefahren hin, die in Australiens Bankensektor schlummern, und die sich anhand eines potenziell rückläufigen Immobilienmarkts, einer harten Landung von Chinas Wirtschaft und einer Verschärfung der Bankenregulierung manifestieren. Allerdings spielt S&P die daraus resultierenden Risiken herunter, so dass es mir ratsam erscheint, einige Steinchen einmal umzudrehen.

Erst vor Kurzem wies Sean Darby, Aktienstratege bei Jeffries, auf die großen Gefahren hin, die sich aus einer immensen Kreditexpansion Hongkongs an Festlandchina ableiteten. Obwohl Hongkong technisch gesehen als Teil Chinas betrachtet wird, ist es in Bezug auf sein ökonomisches System und seine Währung ein ausländischer (Stadt-)Staat, und sollte aus diesem Grunde auch als Auslandkreditgeber angesehen werden.

Wie schon in vorherigen Berichten zu China/Hongkong ausgeführt, leiten sich die Anreize, die die Entscheidungen der Hongkonger Banker stark beeinflussen, aus der Geldpolitik der amerikanischen Federal Reserve ab. Diese Tatsache resultiert allein schon aus dem Umstand, dass der Außenwert des Hongkong Dollars an den US-Dollar angekoppelt ist. Laut Darbys Analysen sind die durch Hongkonger Banken an Darlehensnehmer in Festlandchina in den letzten Jahren vergebenen Kredite förmlich explodiert. Folgende Grafik visualisiert diese Entwicklung:

Erweitert man diesen Indikator um die Gesamtkreditvergabe unter amerikanischen, europäischen und australischen Banken an Festlandchina, so entsteht auf Basis folgender Bloomberg-Grafik und laut Analyse Darbys folgendes Gesamtbild:

Zu der oben abgebildeten Grafik folgen hier die nackten Zahlen im Einzelnen:

Danach erreichen die unter westlichen Banken ausstehenden Gesamtkredite an Festlandchina einen Betrag von knapp 710 Milliarden US-Dollar. Wie aus der oben abgebildeten Tabelle schön hervorgeht, waren die australischen Banken erst relativ spät mit von der Partie, ließen sich jedoch nicht lumpen, um gegenüber ihren globalen Konkurrenten so schnell wie möglich aufzuholen. Dafür spricht der fulminante Anstieg von 230% der an Festlandchina vergebenen Kredite seit dem Jahr 2011.

Vielleicht wird nun auch noch ersichtlicher, warum das Schicksal Australiens derart mit der ökonomischen Entwicklung in China verbunden ist. Nicht nur ein auslaufender Boom im Mineninvestitionszyklus, eine rückläufige Rohstoffnachfrage aus Festlandchina, eine sich forcierende Deindustrialisierung auf dem fünften Kontinent sowie eine potenziell platzende Häuserblase bedrohen Australiens heimische Wirtschaft. Vielmehr erweisen sich seine Banken als die wohl größte Achillesferse.

Wer sich die obigen Grafiken anschaut, erkennt, dass dies auch auf Europas, Amerikas und Hongkongs Banken zutrifft. Doch Australien könnte sich – neben Hongkong – als der Ort in der Welt erweisen, auf den eine in Festlandchina ausbrechende Finanzkrise zuerst überzugreifen droht. Hinzu kommt, dass Australiens Bankensystem viel zu abhängig von kurzfristigen Finanzierungsquellen ist.

Und genau aus diesem Aspekt resultiert eine weitere Achillesferse. Zwar geht aus den obigen Angaben nichts zu den Laufzeiten der vergebenen Kredite an Darlehensnehmer in Festlandchina hervor. Allerdings ist aufgrund von Erfahrungswerten aus der Bankenkrise im Jahr 2008 damit zu rechnen, dass die an Festlandchina vergebenen Darlehen teils weitaus längere Laufzeiten aufweisen dürften als die zu diesem Zweck – bei europäischen oder amerikanischen Instituten – aufgenommenen Refinanzierungskredite.

Als problematisch wird sich dieser Umstand vor allem dann erweisen, falls es im Asien/Pazifikraum zum Ausbruch einer Finanzkrise kommen sollte. Denn die durch australische Banken an Darlehensnehmer in Festlandchina vergebenen Kredite belaufen sich immerhin auf fast 10% des australischen Bruttoinlandsprodukts. Nicht nur australische, sondern auch europäische, amerikanische und Hongkonger Banken haben sich dazu verleiten lassen, an den im globalen Vergleich hohen Zinsdifferenzen im Hinblick auf zu vergebende Darlehen in Festlandchina zu partizipieren.

Und hier schließt sich der Kreis, weil einmal mehr die fatalen Auswirkungen und gesetzten Fehlanreize aus der Nullzinspolitik der führenden westlichen Zentralbanken ersichtlich werden. Allein im laufenden Jahr werden in Festlandchina etwa 810 Milliarden US-Dollar aus ehedem durch Anbieter von so genannten „Wealth Management Plänen“ emittierten Schulden fällig. Schon jetzt fällt es – wie zuvor berichtet – einzelnen Trusts und den dahinterstehenden Banken schwer, Kundenansprüche aus diesen „Wealth Management Plänen“ auszuzahlen.

Preisfrage ist, wie groß die Ansteckungsgefahren für westliche Industrieländerbanken und Hongkonger Institute sein werden, wenn die Ausfallgefahren mit einer Flut von schnell wachsenden Krediten zunehmen, die schlichtweg faul sind. Und wie würde sich eine solche Krise in Chinas Schattenbankensektor auf die Schwellenländer auswirken, die schon zum aktuellen Zeitpunkt unter einer teils hohen Kapitalflucht samt abstürzenden Währungen leiden, und die mit dem Rücken zur Wand stehen?!!