Guten Tag meine Damen und Herren,

bereits der Montag begrüßte uns mit tiefroten Zahlen bei knapp 9.200 Punkten im DAX. Der Trend nach unten setzte sich damit weiter fort, nachdem die 9.500er Marke und damit auch die 200-Tage-Linie per Wochenschluss der Vorwoche bereits massiv unterschritten wurde. Auch kurzfristige Unterstützungen konnten den Einbruch nicht stoppen, so dass sich die Talfahrt weiter mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dem letzten Bollwerk bei 8.900 Punkten nähern dürfte. Auch wenn wir noch weit von einem „Crash“ entfernt sind, von dem man ab einem Kursverlust von 20 oder mehr Prozent spricht, stehen die Börsenampeln zunächst weiter auf Dunkelrot. Sollte der Bereich 8.900 bis 9.000 Punkte nicht halten, wäre das Risiko auf weitere 1.000 bis 2.000 Punkte nach unten sehr hoch. Begründungen für den Kursrückgang finden Sie in allen Gazetten zuhauf. Argentiniens Pleite, Portugals Banco Espirito Santo, die Ukraine-Krise, der Nahost-Konflikt oder die Ausschreitungen in Libyen. Suchen Sie sich etwas aus. Die Nachrichten sind alle nicht neu. All diese Entwicklungen sind seit Monaten bekannt. In den einschlägigen Medien kommen nun auch wieder die „Crashgurus“ zu Wort. Die Daueroptimisten, die den DAX vor kurzem noch bei 10.000 plus x sahen sind hingegen nicht mehr vertreten. Dabei liegen beide Extreme falsch. Die eigentliche Begründung lautet schlichtweg: „Börse“. Die Kurse sind nun sehr lange gut gelaufen. Wir berichteten Ihnen bereits, dass die institutionellen Investoren angefangen haben ihre Anlagen zurückziehen. Die Börse lebt vom Auf und Ab. Rückgänge sind dabei genauso wichtig wie Kurssteigerungen. Wichtig ist, dass man dabei mit der richtigen Strategie am Markt agiert. Bei 9.800 Punkten hatten wir davor gewarnt die Sorglosigkeit am Markt, die im VDAX-NEW abgebildet wird, ernst zu nehmen und Ihr Depot gegen geringe Gebühren vor Kursrückgängen abzusichern. Wäre der Kurs weiter gestiegen, wären Sie weiterhin voll dabei gewesen. Bei einem Rückgang, wie wir ihn jetzt sehen, können Sie weiterhin ganz entspannt zusehen, wie die Kurse weiter purzeln. Je tiefer der Kurs fällt, desto besser für Sie, denn neue Kaufgelegenheiten winken, sobald sich ein neuer Boden ausbildet. Ihre Kursverluste bei den Aktien werden durch die Kursgewinne der Absicherungsoptionen ausgeglichen. Viele interessante Unternehmen, in die ich gerne investiert hätte waren bereits recht hoch bewertet. Jetzt steigen die Chancen, diese Unternehmen wieder zu einer fairen Bewertung, oder vielleicht sogar unterbewertet erwerben zu können. Sie sehen, mit der richtigen Strategie, können Sie sich auch bei fallenden Kursen profitieren. Bei unserer Strategie ist die Absicherung allerdings elementar und darf nicht vernachlässigt werden. Jetzt lautet die Devise allerdings zunächst Abwarten. Der gute Anleger freut sich über steigende Kurse genauso wie über fallende. Nur der Unbedarfte schaut mit Schockstarre auf fallende Kurse und knetet die Hände. Es macht weder Spaß noch Sinn Aktien nur deshalb zu kaufen, weil alles andere NOCH teurer ist. Aktien kauft man nur weil sie günstig bewertet sind. Mit etwas Glück bleibt es am Aktienmarkt bei der aktuellen Korrektur bis etwa 9000 Punkte. Aber die Gefahr eines weiteren schnellen Abverkaufs ist gegeben.

Unterdessen gibt es einmal mehr Neuigkeiten um die Deutsche Bank. Mal wieder steht das Geldhaus im Fokus der Ermittlungen. Diesmal meldet die BaFin sich im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal zu Wort. Beim Libor-Skandal ging es um die Manipulation der Zinssätze, die in London ermittelt werden und zu denen sich Banken ihre Zinssätze gegeneinander verrechnen. Weltweit beruft man sich bei der Berechnung sehr vieler Kredite auf die Höhe des Libors. Bei der Manipulation hatte die Deutsche Bank nachweislich ihre Finger im Spiel. Damals war der jetzige Vorstand Anshu Jain Chef des Investmentbankings. Die BaFin bezweifelt nun, dass der Vorstand Unkenntnis über die Manipulationen haben konnte und ermittelt gegen den erweiterten Vorstand. Wir behalten die Entwicklungen für Sie im Auge.

China ist und bleibt einer der interessantesten Märkte auf unserem Erdball. Zum einen liefert das Land noch viel Aufholpotential und damit Absatzchancen, zum anderen bestimmt dort noch immer der Staat die grundlegende Marschrichtung vor und greift gerne immer wieder in marktwirtschaftliche Vorgänge ein. Geschäfte machen in China ist kein leichtes Brot, auch wenn alle daran teilhaben wollen. Diese Erfahrung müssen aktuell auch wieder verstärkt die deutschen Autobauer spüren. Nachdem vor kurzem bereits große Händler unter Druck der chinesischen Behörde Preise für Ersatzteile senken mussten, wird nun gegen Daimler ermittelt. Auch hört man jüngst von Strafen gegen Audi und Chrysler. China will weiterhin die heimische Industrie stärken und ausländischen Unternehmen nicht gänzlich die Geschäfte überlassen. Auch sollen damit Anreize geschaffen werden, dass ausländische Unternehmen stärker mit chinesischen Firmen kooperieren. Auch hier bleiben die weiteren Entwicklungen spannend zu beobachten. 

Anfang der Woche bei der Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Beginns des 1. Weltkrieges präsentierten sich Deutschland und Frankreich vertreten durch Bundespräsident Joachim Gauck und dem französischem Staatsoberhaupt François Hollande einig und in freundschaftlichem Miteinander. Die Bilder gingen um die Welt und symbolisieren die Basis für gegenseitiges Verständnis und eine friedliche Verbundenheit. Nie wieder solle es dazu kommen, dass sich die Geschichte in ähnlicher Form wiederholt. Umso skurriler muten vor diesem Hintergrund die jüngsten Entwicklungen um die Ukraine-Krise an, die inzwischen die Bezeichnung fast nicht mehr verdient hat. West gegen Ost würde die Konfliktsituation wahrlich besser beschreiben. Die Nato fordert eine erhöhte Abwehrbereitschaft gegen Russland und erklärt Moskau mehr oder weniger zum Feind. Putin lässt hingegen 100 Flugzeuge an der ukrainischen Grenze Luftmanöver fliegen. Dabei kommt es immer wieder zu neuen Konfrontationen, die genug Sprengstoff bieten, um mit einem falschen Knopfdruck neues Chaos heraufzubeschwören. Auch das Verhältnis zwischen China und den USA spannt sich nach leichtem Säbelrasseln im Ostchinesischen Meer immer weiter an. China testet Raketen, die Nuklearsprengköpfe bis in die Staaten tragen könnten und verdeutlicht damit die Gefahr, in die sich Washington begibt, wenn sie sich China zum Feind machen. Dabei treibt man auch die zwei Atommächte China und Russland immer weiter zueinander und fördert die Blockbildung, die man bisher als erledigt betrachtet hatte.

Wir sind inzwischen 100 Jahre weiter als 1914, aber scheinbar nur auf der Zeitleiste. Hoffen wir, dass unsere Nachkommen im Jahr 2114 nicht bei der nächsten Gedenkfeier sentimental auf Bilder späterer Staatsoberhäupter blicken und sich denken, lasst es uns nicht noch einmal so weit kommen. Noch ist es nicht soweit den Kopf hängen zu lassen, auch wenn man momentan vergeblich Deeskalationsversuche von Ost oder West sucht.

Ich wünsche Ihnen ein schönes und hoffentlich sonniges sowie friedliches Wochenende,

Herzlichst

Ihr Dirk Müller