Der Yen hat die Marke 100 zum USD gestern also nach unten durchbrochen. In den letzten Interviews ging es nicht nur darum, wann und ob das passieren wird, sondern auch darum, wie die daraus resultierenden Konsequenzen aussehen könnten. Eine sich beschleunigende Flucht aus dem Yen, die wohl mit Ausbruch einer nationalen Schuldenkrise verbunden wäre, rückt näher. Abgesehen davon, dass eine Währungskrise die Handels- und Boykottpolitik der japanischen Nachbarn noch verschärfen dürfte. Kyle Bass bekräftigte gestern erneut seine Aussage, dass Japan "insolvent" ist.

Es lässt sich feststellen, dass Marktakteure wie Kyle Bass oder Andy Xie die auf Japan zukommenden Ereignisse bereits zu einem frühen Zeitpunkt antizipierten. Die Japaner haben sich im Herbst letzten Jahres mit großer Mehrheit eine Regierung gewählt, die den Bankrott des Landes mit Siebenmeilenstiefeln offensichtlich werden lässt. Auf Basis von Bilanztricksereien und einer Öffnung der Geldschleusen lässt sich die Realität eben nicht mehr wegwischen, sondern sie wird im Gegenteil immer offenbarer. Wie Peter Babucke im zuletzt geführten Gespräch ausführte, müssen die im Inland von 95% auf bereits 92% gefallenen Anlagepositionen in japanischen Staatsanleihen (JGBs) nur auf rund 80% sinken, bis es in Japan zu einer veritablen Staatskrise kommen wird.

Und diese Staatskrise könnte auf Basis eines sich beschleunigenden Yen-Verfalls deutlich schneller an die Tür klopfen, als es manchem lieb sein mag. Wie Kyle Bass erklärte, dessen so genannter „Witwenmacher“ Trade in den letzten drei Jahren internationale Aufmerksamkeit hervorrief, sei der Anfang vom finanziellen Ende für Japan nicht mehr weit entfernt. Laut eigener Aussage bestehe unter Banken und Handelshäusern immer weniger Bereitschaft, den Counterpart zu Shortwetten auf einen starken Verfall der japanischen Bondkurse einzunehmen.

Im gestrigen Handel durchbrach der Yen nach anfänglichen Gewinnen plötzlich die magische Marke von 100 zum USD.



Über diese Entwicklung braucht man sich keineswegs zu wundern. Denn es wird nicht ausreichen, die Finanzmärkte allein auf Basis von Bilanzierungstricks und der Verschleierung einer Insolvenz über das Anwerfen der elektronischen Notenbankpresse hinters Licht zu führen. Um nochmals auf die in den letzten beiden Gesprächen getätigten Aussagen von Peter Babucke und Alasdair MacLeod zurück zu kommen, sei wohl mit einem weiteren starken Yen-Rutsch zu rechnen, falls die seit mehreren Wochen attackierte Marke von 100 zum USD nicht halten sollte. Und dies ist ja nun gestern geschehen. Mit weiteren Abgaben in den Bereich ¥115 bis ¥125 ist nun wohl zu rechnen.

Im Fall Japans bereitet vor allem die Demographie-Entwicklung enorme Sorgen, da die Bevölkerung immer älter wird. Die Sozialsysteme geraten dadurch aus den Fugen, einer immer größeren Anzahl von Rentnern steht eine immer geringere Anzahl von Einzahlern gegenüber. Ein Problem, mit dem sich auch die westlichen Industrieländer auseinandersetzen müssen. Hinzu kommt, dass Japan allein in diesem Jahr ¥213 Billionen an ausstehenden Staatsanleihen rollieren muss. Es kommt also nicht von ungefähr, dass die Bank of Japan ihr Anleiheprogramm auf ¥75 Billionen pro Jahr expandierte.

Wie im Gespräch mit Peter Babucke gemutmaßt: die wieder einkehrende Ruhe an der Zinsfront könnte lediglich die Ruhe vor dem Sturm gewesen sein. Japans 10-jährige nun bei mehr als 0,7% - bei 2% bricht in Japan eine veritable Staatskrise aus.

Doch nicht nur Kyle Bass ist ultrashort im Sektor der japanischen Staatsanleihen positioniert. Auf der am Mittwoch in New York abgehaltenen Ira Sohn Investorenkonferenz zeigten sich viele Teilnehmer pessimistisch mit Blick auf die aktuellen Bondmarktkurse. Die langfristigen Bondpreise der gesamten westlichen Welt würden nicht auf Basis der unterliegenden Realität gehandelt, wie es hieß. Ganz im Gegenteil spiegelten die aktuellen Bondkurse die Risiken von möglicherweise schon bald ausbrechenden Schuldenkrisen in keiner Weise wider. Hinzu käme, dass die Märkte längst erkannt hätten, dass die außerbilanziell anfallenden Verbindlichkeiten der meisten Regierungen in den westlichen Industrieländern die reale Staatsschuld auf bis zu 500% des BIPs hievten. Es sei geradezu naiv anzunehmen, dass diese Probleme nicht irgendwann zu immensen Marktverwerfungen führen werden.   

Mit Blick auf Japan wird es wahrscheinlich auch nicht mehr lange dauern, bis die Anrainerstaaten die Daumenschrauben gegenüber Tokio weiter anziehen. Fällt der Yen vollends durch die Luke, wird es sicher nicht mehr lange dauern, bis sich die gegen Japan gerichteten Handels- und Boykottaktionen seitens China, Südkorea, Taiwan und anderer Länder der Region intensivieren werden. Nicht nur die finanziellen, sondern auch die politischen Spannungen werden in der Region stark zunehmen. Nicht ausgeschlossen, dass Japans abzusehender Staatsbankrott die Region vor eine neue Währungskrise samt eines sich anschließenden Krieges stellen könnte – und wenn der Grund auch noch so trivial wie der chinesisch-japanische Disput über die Sengaku Inseln sein sollte.