Während nach dem Sturz Muammar Gaddafis in Libyen nun – ähnlich wie nach dem Sturz Saddams im Irak – der Bürgerkrieg tobt, hat der Westen im Hinblick auf Ägypten gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Nach dem gewaltsamen Sturz der aus demokratischen Wahlen als stärkste Kraft hervorgehenden Muslimbrüder durch das ägyptische Militär, half im Jahr 2013 wohl auch eine unsichtbare Hand dabei, den aktuellen Staatspräsidenten Abdel al-Sisi auf dem Kairoer „Thron“ der Macht zu installieren.

In einem Exklusivinterview gegenüber Fox News teilte al-Sisi mit, dass er sich eine größere Rolle der Vereinigten Staaten im Kampf gegen ISIS-Kräfte erhoffe, die nicht nur im Irak und in Syrien an Stärke gewonnen haben, sondern auch die nordafrikanischen Staaten in ihrer Existenz bedrohen. Nun, was hat sich seitens eines Mubarak-ähnlichen und über Nacht in Kairo installierten Vasallen der USA und des Westens auch anderes erwarten lassen?

Al-Sisi kritisiert US-Außenpolitik

Sowohl in Ägypten wie auch in Tunesien wird man mit bangen Blicken auf die eskalierende Lage im Nachbarstaat Libyen blicken, der nun zum nächsten “failed state” in der Region zu avancieren droht. Laut al-Sisi müssten die Vereinigten Staaten Ägypten dabei helfen, eine „arabische Eingreiftruppe“ auf die Beine zu stellen und diese auch entsprechend auszurüsten und zu bewaffnen.

Diese Eingreiftruppe müsse vor allem im Kampf gegen den Islamischen Staat und ähnliche Gruppen zur Verfügung stehen. Al-Sisi ließ es sich nicht nehmen, Kritik an der Außenpolitik Washingtons durchblicken zu lassen. Denn laut des ägyptischen Staatspräsidenten müssten die militärischen Kräfte in seiner Region gestärkt werden, um extremistische Gruppen wie ISIS zu stoppen.

Diese Aussage ist allein schon deshalb interessant, weil sich al-Sisi selbst nur mittels des ägyptischen Militärs und im Zuge eines Staatstreichs an die Macht geputscht hatte, um nun in die Fußstapfen des im Lande allseits verhassten – jedoch ehedem durch die USA und den Westen gestützten – Diktators Hosni Mubarak zu treten. Laut al-Sisi täten die Amerikaner für Ägypten zu wenig.

Die Amerikaner hätten Ägypten zwar über Dekaden zur Seite gestanden, doch finanzielle Unterstützung und militärische Hilfe seien im Angesicht der heutigen Lage in Nordafrika wichtiger als jemals zuvor. Damit sprach al-Sisi die gestoppten Waffenlieferungen seitens der US-Regierung relativ offen an. Diese Entscheidung habe in der ägyptischen Öffentlichkeit zur der negativen Sichtweise geführt, dass die USA nicht mehr an der Seite des Landes stünden.

Libyens Bürgerkrieg kann auch Ägypten erreichen

An dieser Stelle fragt sich, in welcher Weise al-Sisi die ägyptische Öffentlichkeit definiert. Mehr als 50% der Bevölkerung, die weiterhin zu den mit Gewalt gestürzten und in den Untergrund abgetauchten Muslimbrüdern neigen, sehen dies sehr wahrscheinlich ganz anders. Gerade dieser Aspekt macht die Lage in den Staaten Nordafrikas so brenzlig, da der Libyens Bürgerkrieg auch ganz schnell auf Ägypten überspringen könnte.

Washington scheut zurzeit vor allem davor zurück, Ägyptens politische Führung mit F-16 Kampffliegern, verschiedenen Panzern und Raketensystemen auszurüsten. Diese Maßnahmen dienen sehr wahrscheinlich nur dazu, um den Schein zu wahren, nachdem es im Jahr 2013 zum Putsch gegen Ägyptens gewählten Staatspräsidenten Mursi gekommen war. Doch wer genau hinblickt, erkennt, dass das Pentagon im Dezember letzten Jahres zumindest schon einmal zehn Apache-Kampfhubschrauber nach Ägypten lieferte, um die dortigen Vasallen ein wenig zu besänftigen.  

Trotz allem verlieh al-Sisi seinen Ansichten Nachdruck, indem er – nach den Führungsqualitäten der Vereinigten Staaten in der Region befragt – erwiderte, dass dies „eine sehr schwierige Frage“ sei. Ägypten hat sich selbst bereits in den Bürgerkrieg im Nachbarland Libyen verwickelt, indem es nach der Enthauptung von 21 ägyptischen Christen durch ISIS-Kämpfer zu Luftangriffen auf libysche Ziele gekommen war.

"Höchst komplexe Beziehungen"

Diese Luftattacken wurden durch Washington wiederum scharf kritisiert. Wie es seitens eines Pentagon-Sprechers damals öffentlich hieß, bestünden zwischen den USA und Ägypten zurzeit „höchst komplexe Beziehungen“, was immer man unter dieser Aussage auch verstehen mag. Wie sich al-Sisi eine arabische Eingreiftruppe vorstellt, hat er vorweislich schon einmal zum Besten gegeben.

Selbstverständlich sollen sich hier alle reaktionären und dem Westen nahe stehenden Kräfte des Orients miteinander verbünden, somit Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Kuwait sowie die Emirate. Der Terror, der durch islamistische Kräfte wie ISIS ausgeübt werde, sei schließlich nicht mehr nur eine Bedrohung für den Nahen und Mittleren Osten, sondern für die gesamte Welt, so al-Sisi.

Wie sich die Dinge weiterentwickeln werden, wird sich spätestens nach dem 12. März zeigen, wenn US-Außenminister John Kerry zum Staatsbesuch in Ägypten erwartet wird...