Kapitel 5: Denken wie ein Unternehmer

Viele machen es bereits richtig: Sie denken an andere. Ich dagegen muss mich dauernd ermahnen, nicht immer nur an mich selbst zu denken. Den ganzen Tag versuche ich zu tun, was mir nützt. Hauptsache, ich bekomme, was ich will. So dumm bin ich jeden Tag.

Umgekehrt zu denken, wäre viel besser: Was anderen nützt, wird auch mir nützen. Ja, früher oder später, auf die eine oder andere Weise. Wenn ich etwas tue, was anderen nützt, werde ich gebraucht. Sehr nüchtern ausgedrückt werde ich ein Player in ihrem Nutzenkalkül. Somit sind andere auch bereit, mir etwas zu geben. Es klingt wie eine kalte Analyse, aber darin offenbart sich: Alles hängt miteinander zusammen, keiner ist isoliert.

Der große Moralphilosoph Adam Smith ist vor über 200 Jahren auf einen genialen Gedanken gekommen: Egoismus führt zu Altruismus – von ganz allein. Weil jeder an seinen eigenen Vorteil denkt, leistet er auch etwas für andere. Er muss sich überlegen, wofür die Leute bereit sind, zu zahlen. Diese wiederum zahlen freiwillig nur für das, was ihnen ihrer eigenen Meinung nach nützt. Also schließt sich der Kreis. Die ganze moderne Volkswirtschaftslehre geht zurück auf Adam Smith.

Ist es nicht schön, wenn man etwas Sinnvolles für andere tun kann, und dabei zugleich wertvoll für andere wird? Das Berufs- und Geschäftsleben funktioniert genau so. Es gibt eine Denkart, die sehr auf den Austausch mit anderen fixiert ist. Sie führt zu Handlungen, die einen hohen Nutzen stiften, als sinnvoll empfunden werden und viel Geld einbringen: die Art des echten Unternehmers.

Um wie ein Unternehmer zu denken, müssen Sie keiner sein. Auch als Angestellter können Sie sich des unternehmerischen Denkens bedienen. Ihr Arbeitgeber wird Sie dafür lieben (wenn nicht, wechseln Sie ihn aus!).

Der Unternehmerblick hilft Ihnen beim Management all Ihrer Vermögensarten. Er zielt auf den größtmöglichen Nutzen für andere, ohne dabei das eigene Vermögen zu schmälern, sondern es im Gegenteil zu vergrößern. Der Unternehmerblick sucht nach Möglichkeiten, anderen zu helfen und dabei zu wachsen.

Die meisten Menschen denken kaum wie ein Unternehmer. Das steht ihnen bei ihrer Vermögensentwicklung im Weg.

Ich kenne jemanden, den ich geradezu für seinen Egoismus bewundere. Er glaubt, dass ihm alles zustünde, und nimmt es sich einfach. Wenn ein Kunde vor ihm sitzt, denkt er: Wie bekomme ich das Maximum an Geld aus ihm heraus? In seinem Beruf sieht er verständlicherweise keinen tieferen Sinn.

Ein anderer will die Welt mit seinem Tun verbessern und achtet dabei weder auf seine Zeit noch auf sein Geld. Er merkt gar nicht, dass er ständig versucht, gleich der ganzen Welt seine Vorstellungen von „besser“ aufzudrücken. Er versteht nicht, warum andere andere Ideale haben als er selbst. Sein Beruf ermöglicht ihm nur ein knappes Auskommen. Dieser Mensch ist noch egoistischer als der erste, denn der erste muss wenigstens an den anderen denken, um für sich das meiste aus ihm rauszuholen. Dieser Zweite aber will dem anderen am meisten geben und ist dabei doch am wenigsten bei ihm.

Wie verschaffe ich meinem Gegenüber aus seiner Sicht den größten Nutzen, ohne selber zu verlieren? Das wäre die richtige Frage für einen Unternehmer. Dann kommt Geld von ganz allein. Ohne dass man denken müsste: „Wie bekomme ich das Maximum aus ihm heraus?“

Man schafft entweder einen großen Nutzen für wenige oder einen kleinen Nutzen für viele. Entweder häufig einen kleinen Nutzen oder selten einen großen. In der Summe spielt das keine Rolle. Aus den beiden Werten Anzahl und Menge ergibt sich der Gesamtnutzen. Und diesen gilt es zu maximieren.

Wer mehr Geld verdienen oder mehr Sinn stiften will, hat zwei Möglichkeiten: Entweder er erhöht die Anzahl der Nutznießer oder er vertieft den Nutzen für die einzelnen Nutznießer. Sie können also zehn Menschen 100 Euro schenken oder einem Menschen 1000 Euro. Das Nutzendelta ist gleich. Aber halt, wenn Sie 1000 Euro einfach verschenkten, hätten Sie Ihrem eigenen Vermögen geschadet. Was andere gewinnen würden, hätten Sie verloren. Damit wäre in der Summe nichts gewonnen. Sie hätten damit nichts erschaffen, keinen neuen Nutzen.

Unternehmerisch zu denken heißt, Nutzen schaffen, ohne das Eigene Vermögen zu schmälern. Dazu müssen Sie aus Ihrem Vermögen heraus neuen Nutzen erzeugen. Das geht durch intelligenten Einsatz Ihrer Mittel und Fähigkeiten. Sie überlegen sich,  wie Sie anderen durch Ihr spezielles Vermögen am meisten nutzen können.

Das führt zu einer sehr einfachen Empfehlung: Tun Sie die Dinge, die zugleich a) andern nutzen, b) Sie gut können, und c) andere nicht gut können. Der dritte Punkt ist ein entscheidender Zusatz, denn wenn Sie nur die Dinge unternehmen, die anderen nützen und die Sie gut können, sind Sie zwar gut und nützlich, aber verzichtbar. Ihre Tätigkeit bringt Ihnen dann nicht nur wenig Geld ein, sondern erzeugt auch wenig Sinn, denn schließlich könnte sie auch ein anderer tun. Machen Sie deshalb etwas, das Sie besser als andere können oder das Sie als Erster von allen zu tun wagen. Das stiftet den einmaligen Nutzen, für den andere Sie schätzen und bezahlen. Und das gibt Ihnen ein gutes Gefühl. Denn ohne Sie liefe das gar nicht. Sie sind einmalig!

Vieles ist interessant. Als Unternehmer lassen Sie aber das meiste davon! Entweder weil es anderen nicht nützt, oder weil andere es besser können. Ich komme aus Steele. Das Wappen der früheren Ruhrgebietsstadt sind drei Kreise, die sich in der Mitte treffen. So wie in Abbildung 37. Und so ist es auch mit erfolgreichen Unternehmern: Sie konzentrieren sich auf die Leistungen, die alle drei Bedingungen erfüllen. Sie sind konsequent.

Die drei Kreise sind umgedreht auch das Familienwappen der Familie Krupp, und sie wurden so zum Symbol der deutschen Schwerindustrie. Bei Krupp stehen sie für nahtlose Eisenbahnreifen, mit denen der Aufstieg des Essener Unternehmens als führender Konzern im 19. Jahrhundert begann, und die sogar in Nordamerika zur Durchquerung des berühmten Wilden Westens eingesetzt wurden. Machen Sie die drei Kreise zum Symbol für Ihr eigenes Unternehmertum. Denken Sie an sie, wenn es um die Verwendung Ihrer Zeit und Ihres Geldes geht!

So nutzen Sie die Inhalte dieses Abschnitts für Ihren Vermögensaufbau:

  1. Denken Sie wie ein Unternehmer: Maximieren Sie den Nutzen für andere, ohne dabei Ihr Vermögen zu verbrauchen!
  2. Unternehmen Sie etwas, für das Sie durch Ihren Wagemut, Ihre Position und Ihre Talente prädestiniert sind!

ROBERT VELTEN
Mehr als Reichtum
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Verlag Wiley-VCH