Meine Ziele haben sich im Verlauf meines Lebens geändert, und ich empfände es als langweilig, wenn ich heute schon genau wüsste, welche Ziele ich mir in den kommenden Jahren und Jahrzehnten setzen werde.“, mit diesen Worten endet die Biographie von Rainer Zitelmann, welche im vergangenem Jahr unter dem Titel“ Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu“ erschien.

In seinen bisherigen sechs Lebensjahrzehnten, aufgewachsen  in einer evangelischen Pfarrersfamilie, hineingewachsen in das Wirtschaftswunder - in Frankfurt am Main, wurde er früh politisiert, entwickelte sich zum gläubigen Maoisten, und wandelte sich bis heute zum Millionär und überzeugten Anhänger der Marktwirtschaft.

In der Zwischenzeit vollzog sich Zitelmanns beruflicher Aufstieg, indem er sich als Historiker von internationalem Prestige, Verlagsleiter, Journalist, Bodybuilder und Immobilienmillionär auf der sprichwörtlichen Karriereleiter fortbewegte und zwar nach oben. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Hitler, war die Ursache für seinen ideologischen Abschied vom Maoismus, ja vom Marxismus überhaupt, wie Zitelmann freimütig bekennt.

Im Laufe meiner Forschungen entdeckte ich, dass Hitler sich viel intensiver  mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen auseinandergesetzt hatte, als bisher vermutet. Es gab ja das Hitler-Bild vom fanatischen „Teppichbeißer“, der auf eine irrationale Weise die Massen hypnotisiert habe. Dieses Bild war offenbar falsch.

Und falsch war auch das marxistische Bild von Hitler als Kapitalistenknecht. Im Gegenteil. Er teilte viele antikapitalistische  Ansichten der Linken, und seine Vorstellungen waren in mancher Hinsicht eher links als rechts, wie ich in meiner Doktorarbeit belegte. Dies war einerseits eine wichtige wissenschaftliche Erkenntnis trug aber auch dazu bei, dass ich mich politisch von meinen früheren linken Ideen zunehmend entfernte.

Mitte der 1990er Jahre, der Versuch sich im politischen Spektrum rechts der Mitte, aber demokratisch, zu positionieren, ging schief,  beherzigte er den Rat seines Freundes Peter Gauweiler: “Querköpfe so wie Sie und ich müssen ordentlich Geld verdienen, um frei unsere Meinung vertreten zu können.“

Zitelmann wechselte in die Immobilienbranche, agierte außerordentlich erfolgreich, basierend auf den Weisheiten seines Vorbildes Warren Buffet, anlässlich dessen 80. Geburtstages er vor einigen Jahren schrieb: “Buffetts Weg ist ein Beispiel dafür, dass selbst die erfolgreichsten Menschen immer wieder vor große Prüfungen gestellt werden, deren Ausgang manchmal alles gefährden kann, was sie bis dahin erreicht haben.

Mit 59, also in einem Alter in dem andere ihren Ruhestand planen, begann Zitelmann noch einmal ganz von vorne, verkaufte seine Firma und schrieb seine zweite Doktorarbeit, die wenig später unter dem Titel“ Die Psychologie der Superreichen“ als Buch erschien.

Inzwischen hat Rainer Zitelmann jene finanzielle Unabhängigkeit erreicht, zu der ihm Peter Gauweiler einst riet. In der NZZ war kürzlich zu lesen: “Seitdem tut Zitelmann nur noch das, was ihm Spaß macht: Bücher über das Erfolgsgeheimnis von Superreichen schreiben, Bodybuilding, Vorträge halten. Früher hatte er Alkoholprobleme. Heute ist er süchtig nach Polit-Talkshows. Geld ist ein objektivierbarer Maßstab seines Erfolgs.

Seit einiger Zeit kommentiert Zitelmann das politische Zeitgeschehen wieder regelmäßig, selten spöttisch, meistens kritisch. Trotz gegenteiliger Behauptungen hält er von der AfD nicht viel. Er sieht sich als Liberaler, ist Mitglied der FDP.

Was ist der rote Faden in seinem Leben, was verbindet ihn heute noch mit dem jungen Mao-Anhänger von einst? Vielleicht die Lust daran, gegen den Strom zu schwimmen. Seine Biografie, kurzweilig, in einem flotten Schreibstil verfasst, ist weniger ein Ratgeber um reich zu werden. Vielmehr ein faszinierender Einblick in das interessante Leben eines Mannes, mit einer spannenden und erfolgreichen Berufslaufbahn.

Dieses Werk ist daher inspirierend und vermittelt außerdem ein wichtiges Kapitel deutscher Zeitgeschichte, auch und gerade wenn man nicht alle seine Thesen teilen möchte, im Rahmen dieser bundesrepublikanischen Biographie.

Spannend bleibt die Frage, in welche Richtung sich sein Ehrgeiz und sein Engagement in Zukunft richten werden. Aktuell befasst sich Zitelmann mit dem Thema Diskriminierung einer Minderheit, mit der Minderheit der Reichen, die er erkannt zu haben glaubt.

„Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu“ Mein Leben als Historiker, Journalist und Investor, Dr. Dr. Rainer Zitelmann

•  FinanzBuch Verlag (8. Mai 2017)
•  Sprache: Deutsch
•  ISBN-10: 3959720319
•  ISBN-13: 978-3959720311