Für langfristige Ansparprozesse ist die Aktie, richtig eingesetzt, kaum zu schlagen. Das zeigt einmal mehr die soeben veröffentlichte Statistik der Hessischen Landesbank über das Abschneiden der verschiedenen Assetklassen in den letzten sieben Jahren. Doch ist natürlich der angebotene Zeitraum von sieben Jahren für wirklich langfristige Sparvorgänge eigentlich schon wieder recht kurz. Aber immerhin, es ist für die heutige Argumentation schon ein Anfang, ein Einstieg, der dann später noch durch wesentlich längere Zeitreihen ergänzt werden soll.

In dieser beigefügten Siebenjahres-Statistik sind zum Beispiel die offenen Immobilienfonds nur im hinteren Feld zu finden. Anders hingegen die Gruppe Aktien Deutschland. Einmal auf dem 1. Platz und vier mal auf Platz zwei. Die rote Laterne halten Aktien nur 2011 mit einer Negativperformance von 14,7 Prozent. Es ist eben eine Alte Erfahrung, dass Aktien schon mal deutliche Schwankungen aufweisen, die sich aber bei einer längerfristigen Anlage und vor allem durch ein regelmäßiges Ansparen in Aktien (cost averaging) stark nivellieren. Bei niedrigen Kursen wird dann eben automatisch für die Regelsparbeträge mehr an Aktiensubstanz eingekauft.

Kosten dürfen nicht zu Renditekillern werden

Doch sollten diese Wertschwankungen auch daran erinnern, dass, wie immer bei der Geldanlage, Risikostreuung oberstes Gebot ist. Also werden nicht einzelne Aktien erworben, sondern z.B. breit gestreute und gute Fonds; aber eben nur sehr kostengünstige Fonds (bei ebenfalls kostengünstigen Finanzinstituten), damit nicht regelmäßig anfallende Kosten und Gebühren sich als langfristige Renditekiller herausstellen.

„Altersvorsorge gelingt nur mit Aktien“...

Der siebenjährige Beobachtungszeitraum der Helaba ist natürlich für einen Blick auf eines unserer drängendsten volkswirtschaftlichen Probleme, die Altervorsorge in breiten Kreisen der Bevölkerung, viel zu kurz. Schauen wir also einmal auf die Ergebnisse wesentlich längerer, kontinuierlicher Ansparprozesse in Aktien, wie sie z.B. der BVI Bundesverband Investment (www.bvi.de) anbietet. Und diese Zahlen sind nach wie vor immer wieder erstaunlich gut.

Es geht hierbei um monatliche Einzahlungen des Sparers von 100 Euro, wobei alle Kosten incl. der Ausgabeaufschläge berücksichtigt sind. Nicht berücksichtigt sind allerdings die im Laufe der Jahre auf die anfallenden Erträge aus dem Investment möglicherweise anfallenden fälligen Einkommensteuern, die der jeweilige Sparer entrichten muss. Spitzenreiter bleiben wie immer in den letzten Jahren die Aktienfonds Deutschland. Wobei gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen Niedrigstzinsen die von den Fonds erwirtschafteten durchschnittlichen Jahresrenditen erstaunlich sind. Im 35-Jahres-Zeitraum zum Beispiel sind bei monatlichen Einzahlungen von 100 Euro insgesamt 42.000 Euro vom Sparer aufgebracht worden, sein Ergebnis liegt aber bei stolzen 184.474 Euro. Dabei gibt es für Sparer natürlich keine Garantie, dass die Fonds auch in Zukunft entsprechende Ergebnisse erwirtschaften. Doch spricht vieles dafür, dass ähnliche Ergebnisse auch in Zukunft erwirtschaftet werden können.

...und nur im Kollektiv

Allerdings wäre hier in Bezug auf das Thema Altersvorsorge noch ein „aber“ anzufügen. Denn Altersvorsorge geht wegen der vielen Unwägbarkeiten im Leben jedes Einzelnen (Krankheit, Arbeitslosigkeit etc.) zuverlässig nur im Kollektiv, wo ein Ausfallen des Einen durch die kontinuierlichen Leistungen der anderen aufgefangen werden. Also muss der Staat entsprechende Vehikel bauen und anbieten, in denen die Vorteile der Aktienanlage für das gesamte Kollektiv und damit jeden Einzelnen erreichbar werden. Hier sind einige der bestehenden Hindernisse aus dem Weg zu schaffen. (vergl. meinen Beitrag zum Interview mit Professor Rürup auf Cashkurs vom 25.8.2014 „Gezielte Altersvorsorge geht nur im Kollektiv“).

Dazu ein Beispiel. Ein Familienvater startet seine zusätzliche Altersvorsorge auf Aktien(-Fonds)-Basis mit 35 Jahren. Die Rente gibt es dann später (frühestens) mit 70 Jahren. Er hat also 35 Jahre Zeit, zusätzlich etwas für die Altersvorsorge zu tun. Die zwischenzeitlich anfallenden Einkommensteuern einmal nicht einkalkuliert, zumal diese je nach Einkommen äußerst unterschiedlich ausfallen, erwarten ihn nach 35 Jahren für seine 100 Euro monatlicher Einzahlung rund 184.000 Euro. Bei 200 Euro Einzahlung sind es schon.... und so weiter. Und hier sind eben seitens des Staates Konstruktionsformen zu entwickeln, die die vom Sparer angestrebte Altersvorsorge bis zu seinem Lebensende garantieren.

Jährliche Performance nach Assetklassen*, %

*CRB-Rohstoffindex, iBoxx-Anleiheindizes, DAX, EuroSTOXX50, FTSE EPRA/NAREIT Immobilienaktienindex Eurozone, Helaba OIF-Index

Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research