Hier geht es zum vorherigen Teil: "Die Krise als Chance Teil 2: Vorbereitung - Sie brauchen ein Konzept!"

Von der Krise zur Chance

Das sind die wichtigsten Grundlagen, die sie zum Überleben Ihres Unternehmens vorplanen müssen. Aber wer sagt denn, dass es dabeibleiben muss? Wo Verlierer sind, gibt es auch immer Gewinner. Je größer die Risiken und Verwerfungen, desto größer die Chancen für jene, die in der Lage sind, sie zu nutzen. „In der Lage sein“ heißt in unserem Fall, die Situation zu verstehen, einen Schlachtplan bereit und die nötigen Mittel im Zugriff zu haben.

Ich möchte Ihnen exemplarisch zwei Männer vorstellen, die genau das getan haben. Sie haben in der größten Wirtschaftskatastrophe der letzten hundert Jahre – in der tausende Firmen pleitegingen, in der Millionen Menschen alles verloren haben – ein Imperium aufgebaut. Ich möchte beide keineswegs glorifizieren, es sind beides höchst umstrittene Gestalten der Zeitgeschichte. Man kann auch berechtigt darüber streiten, ob es ethisch angemessen ist, von einer Krise zu profitieren. Der Begriff „Krisengewinnler“ ist klar belegt.

Aber ist er nicht von jenen erfunden, die zu den Krisenverlierern gehörten? Ist es wirklich sinnvoll, wenn man in der Lage ist, einer Krise aus dem Weg zu gehen und eine Krise sogar zu einer Chance zu machen, dies nicht zu tun und aufgrund einer fragwürdigen Auslegung von Solidarität lieber mit in den Strudel zu steigen? Wäre es nicht viel sinnvoller, das Beste aus der Situation zu machen, und wenn es gelingt, dabei erfolgreich zu sein, diesen Erfolg zu nutzen, um anderen im eigenen Umfeld wieder auf die Beine zu helfen, statt mit ihnen gemeinsam im Schlamm zu sitzen und zu jammern?

Konkreter: Ihre Firma hat wegen guter Vorplanung keine oder wenige Mitarbeiter entlassen müssen und hat die zweijährige Wirtschaftskrise mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Sie haben sich in der Krise durch Übernahmen gestrauchelter Mitbewerber, Ankäufe von verramschten Gebrauchtmaschinen und Hinzugewinnung neuer Kunden, deren alte Lieferanten nicht mehr liefern konnten, sehr gut verstärkt. Nun, am Ende der Krise, können Sie sofort neue Mitarbeiter von der Straße holen, Sie können mithelfen, den ganzen Laden wiederaufzubauen, und Sie können das Ihre tun, den Menschen in Ihrer Umgebung zu helfen, soweit es Ihnen möglich ist – und das ist sicher mehr, als Ihnen möglich wäre, wenn Sie mit untergangen wären.

Sicher sind Sie schon öfter geflogen. Erinnern Sie sich an die Anweisungen der Crew vor dem Start: „Im Falle eines Druckabfalls fallen automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke. Ziehen Sie die Maske ganz zu sich heran und drücken Sie sie fest auf Mund und Nase. Helfen Sie DANACH Kindern und hilfsbedürftigen Menschen.“ Wer selbst ohnmächtig ist, kann anderen nicht mehr helfen.

Doch zurück zu den beiden Herren, die ihr Glück in der Krise nach 1929 machten. Da wäre zunächst Mr. Joseph P. Kennedy. Der Mann ist Ihnen unbekannt? Nun, seinen Sohn kennen Sie gewiss. Das ist kein anderer als der ehemalige amerikanische Präsident John F. Kennedy, bekannt als ein wunderbarer Gentleman, der aus einer der glamourösesten Dynastien des amerikanischen Geld- und Politikadels stammte. Doch der Gründer dieser Familienlegende war aus ganz anderem Holz geschnitzt. “Joe“, wie er genannt wurde, war eine schillernde Persönlichkeit, der bis heute allerlei fragwürdige Geschäfte wie Alkoholschmuggel und Mafiaverbindungen nachgesagt werden, die er später auch zur Unterstützung der Präsidentschaft seines Sohnes John Fitzgerald eingesetzt haben soll.i Wie dem auch sei, ihm war es gelungen, bis zum Beginn der Wirtschaftskrise ein kleines Vermögen von geschätzten vier Millionen US-Dollar zu erwirtschaften. Aber das ganz große Vermögen machte er erst in den Jahren der Wirtschaftskrise. Er hatte seine Aktien rechtzeitig vor dem Crash verkauft. Einer Anekdote nach wollte ein Schuhputzjunge ihm auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie Ratschläge geben, was für ihn der letzte Anlass gewesen sei, sein Geld komplett aus dem Markt zu ziehen.

Diese nun freien Mittel investierte er am schlimmsten Punkt der Krise, als es alle möglichen Sachwerte zu Ramschpreisen gab. Immobilien und eben auch wieder Aktien.ii Der amerikanische Aktienmarkt erholte sich, nachdem das Tief im Sommer 1932 mit gerade noch 40 Punkten auf dem Dow-Jones-Index erreicht war, sehr schnell und stand bereits ein Jahr später wieder bei 100. Die große Depression hielt an, aber die Aktienmärkte gingen zusammen mit neuen Maßnahmen der Regierung und der Notenbank weiter nach oben. Ende 1936 erreichte der Dow Jones ein Zwischenhoch von knapp 200 Punkten. Eine Verfünffachung der Kurse in acht Jahren. Joseph P. Kennedy war es gelungen, seine vier Millionen US-Dollar in dieser Krise nicht nur zu behalten, sondern daraus 180 Millionen US-Dollar zu machen. Das war die Grundlage für eine ganze amerikanische Finanz- und Politikerdynastie, die bis heute mystisch verklärt gefeiert wird. Ohne die Krise wäre diese Familiendynastie so vermutlich nie entstanden. Die einen verlieren alles, doch andere, die die Situation verstehen und klug agieren, können hier die Grundlage für ein Vermögen schaffen.

Was kann man von Joseph P.s Geschichte abseits seiner fragwürdigen Geschäfte, von denen wir uns bitte immer und konsequent fernhalten, lernen? Rechtzeitig sein Geld aus den Aktienmärkten abziehen, wenn die Seismographen ausschlagen!

Cash Is King! Wer dann, wenn alle – egal zu welchem Preis – verkaufen müssen, Geld hat, um zu kaufen, ist der Gewinner des nachfolgenden Aufschwungs.

Time Is Money! In dieser Krise musste alles extrem schnell gehen. Die Aktien mussten binnen Wochen verkauft sein, es war keine Zeit, den Markt eben mal ein paar Monate zu beobachten. Es gab auch nur ein ganz kurzes Zeitfenster extrem tiefer Kurse, bevor der Markt sich wieder deutlich erholte.

Obwohl die Aktienkurse sich binnen fünf Jahren nach ihrem Tief fast verfünffacht hatten, sollte es noch 25 weitere Jahre dauern, bis die einstigen Höchststände von 1929 wieder erreicht waren. Dies sei als Warnung angemerkt für die Freunde der ETFs und Durchhalteparolen vom Schlage: „Man muss einen Kursrückgang nur aussitzen, das erholt sich wieder.“ Und auch nach diesen 25 weiteren Jahren hatte man gerade einmal sein eingezahltes Geld zurück. Die Inflation ist dabei nicht einmal berücksichtigt. Ein Markt, der von hundert um neunzig auf zehn Prozent fällt, muss sich verneunfachen, um wieder beim alten Kurs zu stehen. Ein sehr langer Weg.

Der andere bekannte Krisenprofiteur war Aristoteles Onassis, dessen Vermögen bis heute an die Geschichten vom antiken König Midas erinnert. Doch Ari hat keineswegs mit einem goldenen Löffel im Mund begonnen. Im griechisch-türkischen Krieg verließ er als Sechzehnjähriger mit einem Pappkoffer und sechzig US-Dollar seine griechische Heimat in Richtung England. Dort schuftete er sich vom Hotelpagen über andere kleine Tätigkeiten langsam nach oben, bis er seine ersten kleinen eigenen Geschäfte machen konnte. Mit dem Import von mildem Tabak für die englischen Ladys verdiente er seine ersten größeren Summen. Aber auch für ihn war die Wirtschaftskrise der Moment, in dem er mit den vorhandenen liquiden Mitteln die Einkäufe tätigen konnte, die ihn dann zum größten Reeder des letzten Jahrhunderts machten. Als die Weltwirtschaft am Boden lag, hatte Onassis den Mut und die liquiden Mittel, um 1931 sechs Frachtschiffe aus der Konkursmasse eines kanadischen Reeders für die verhältnismäßig lächerliche Summe von 120.000 US-Dollar zu erwerben. Der eigentliche Wert der Schiffe lag vor der Krise beim Hundertfachen dieses Preises. Und diese Schiffe waren in den folgenden Jahren die Grundlage für seinen märchenhaften Aufstieg.

Auch hier waren es wieder die gleichen wichtigen Punkte:

Cash Is King! Er war es, der Geld hatte, als alle anderen dringend welches brauchten.

Time Is Money! Er hat sofort zugeschlagen und die Schiffe gekauft. Das bedeutet, dass er sich schon zuvor einen Plan zurechtgelegt hatte. WAS kaufe ich, wenn es soweit ist? Er hat nicht erst, als ihm zufällig der Versteigerungskatalog in die Hände fiel, darüber nachgedacht, was man denn mit sechs Schiffen machen könnte und was man denn so braucht, um sie zu betreiben. Diese Pläne lagen alle längst für den Tag X in der Schublade.

Sie sollen jetzt natürlich nicht zwingend ins Alkohol- oder Reeder- Geschäft einsteigen. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Fachgebiete. Wo kennen Sie sich aus? Wo möchten Sie sich auskennen – arbeiten Sie sich ein. Legen Sie sich einen Schlachtplan zurecht, den Sie minutiös abarbeiten können, sobald die Situation eintritt. In was will ich investieren, was ist mein weiterer Plan? Habe ich genug Ressourcen, um die neuen Investitionen über die noch andauernde schwierige Phase zu betreiben und zu entwickeln?

Wenn all das geklärt ist und die Krise tatsächlich eintritt, kommt der schwierigste Moment, der am Ende darüber entscheidet, ob Sie Erfolg haben oder nicht: der Mut, es tatsächlich zu tun. Versetzen Sie sich bereits vorher im Rahmen der Planung immer wieder gedanklich in diese hochemotionale Situation. Die Medien spielen verrückt. Banken brechen zusammen, Massenarbeitslosigkeit wird zum akuten Thema. Unternehmen brechen zusammen. Um Sie herum Weltuntergangsstimmung. Jeder sagt: „Das war’s! Das erholt sich nie wieder.“ Und die düstersten Prognosen für die nächsten Jahre machen die Runde. Das war zu jeder Krise so, das wird bei der nächsten Krise so sein.

Haben Sie jetzt den Mut, entgegen all dieser Stimmung das genaue Gegenteil dessen zu tun, was Ihnen alle raten, und gegen Ihre eigene Angst und Unsicherheit zu handeln? Vermutlich nicht, wenn Sie nicht vorher in ruhigen Zeiten einen Plan erstellt hätten, den Sie jetzt wie eine Regieanweisung abarbeiten und dabei nicht auf die Idee kommen, ihn jetzt über den Haufen zu werfen. Jetzt gilt es, nicht nur ein klein bisschen zu investieren, sondern möglichst groß im Rahmen des Planes einzusteigen. Wenn es Gold regnet, dann stell Eimer vor die Tür und keinen Fingerhut.

Dieser letzte Aspekt, in der größten Panik den Mut und den Überblick zu bewahren, unterscheidet Kennedy und Onassis von Millionen anderer, die trotz gleicher Möglichkeiten ihre Chancen nicht genutzt haben.

ihttp://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8716989.html; https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag4412.html; Peter Collier/David Horowitz, The Kennedys: An American Drama. New York: Summit Books, 1984.

iihttps://www.celebritynetworth.com/richest-businessmen/business-executives/joseph-kennedy-net-worth/