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Meine ganz persönliche Arche

Daher halte ich meine Strategie für die ideale Hybridstrategie. Ich bin voll in Aktien der besten Unternehmen investiert und profitiere von den möglichen Anstiegen der Zukunft, solange es keinen Crash gibt, ebenso wie alle anderen. Kommt der Crash, zieht die Absicherungsstrategie, und ich habe die Chance, das ganz große Geschäft zu machen, ohne meine Existenz zu riskieren. Grundsätzlich kann eine solche Absicherungsstrategie jeder machen, aber der Zugang zu den Future-Märkten ist für Privatleute ausgesprochen schwierig und ist nur sehr erfahrenen Börseninvestoren möglich, da diese Märkte auch mit hohen Risiken verbunden sind, wenn man unsachgemäß vorgeht. Der Privatmann hat die Möglichkeit, diese Absicherungsstrategie mittels Optionsscheinen nachzubauen, was aber nur bedingt möglich ist und starke Nachteile gegenüber den Future-Kontrakten hat.

Da mir dieser Umstand bewusst ist und ich selbst vor diesem Problem stand, habe ich 2015 meine eigene „Arche Noah“ gebaut. Ich habe einen eigenen Aktienfonds aufgelegt, der exakt diese Strategie professionell umsetzt. In diesem Aktienfonds habe ich den Großteil meiner liquiden Mittel investiert, er ist aber bewusst als Publikumsfonds aufgelegt, damit jeder Anleger, der vor dem gleichen Problem steht und eine Lösung sucht, die Möglichkeit hat, sich hier ebenfalls zu beteiligen und einen Teil seines Geldes hier anzulegen. Ich habe eine Weile überlegt, ob ich diesen Fonds hier im Buch überhaupt erwähnen soll, da mir klar ist, dass ich mich dem Vorwurf aussetzen werde: „Der will mit dem Buch ja nur Werbung für seinen Fonds machen.

Aber ich habe diesen Fonds genau aus diesem Grund aufgelegt, um mir und allen, die nach einer ähnlichen „Arche“ suchen und es selbst nicht können, die Möglichkeit zu geben, ihr Geld gut anzulegen und zugleich für eine Sintflut gerüstet zu sein. Da wäre es geradezu verrückt und verantwortungslos, wenn ich Ihnen als Leser dieses Buches diese Möglichkeit vorenthalten würde. Gleichzeit gehört es aber auch zu dieser Verantwortung, Ihnen ganz klar zu sagen: Auch ich kann nichts garantieren. Es mag die verrücktesten Entwicklungen und Wirren geben, bei denen auch die beste Arche nichts nutzt. Hundertprozentige Sicherheiten gibt es in keinem Moment des Lebens, für nichts. Man kann immer nur Strategien entwickeln, die für die meisten Entwicklungsstränge – und vor allem für jene, die man am wahrscheinlichsten hält – geeignet sind. So habe ich meine Arche gebaut. Sie ist für gute Zeiten ebenso gebaut wie für schweres Wetter, aber es wird immer Situationen geben, die man nicht testen konnte.

Darüber hinaus ist es mir extrem wichtig, dass Sie niemals etwas tun, das Sie nicht absolut verstanden haben und von dem Sie nicht wirklich selbst überzeugt sind. Daher bitte ich Sie, falls Sie überlegen, an Bord zugehen, dass Sie sich in aller Ruhe und sehr genau alle Details ansehen und überlegen, ob das für Sie und Ihre Überlegungen und Strategien passt. Es gibt nie die eine Lösung, die für alle Menschen mit ihren unterschiedlichen Erwartungen und Bedürfnissen passt. Sie finden alle Informationen zu meinem Fonds – meiner „Arche“ – auf www.dirk-mueller-fonds.de.

Gehen Sie bitte nicht an Bord, nur weil sie mir schon irgendwie vertrauen. Prüfen Sie genau, ob es wirklich zu Ihnen passt. Die Arche ist auch nicht in jeder Situation allen anderen Booten überlegen.

Wir hatten erst im April 2015 unseren Stapellauf und danach ganz unterschiedliche Entwicklungen. Gleich nach dem Start des Fonds gingen die Märkte auf Talfahrt. Der Dax verlor binnen eines Jahres knapp dreißig Prozent. Mein Fonds hatte in der Spitze knapp zehn Prozent verloren und war danach komplett abgesichert. Die Arche hatte sich im ersten Sturm bewährt. Wir bekamen großen Zuspruch, den ich aber bereits damals gedämpft habe; es werde auch andere Marktphasen geben, in denen wir durch unsere Strategie etwas zurückbleiben würden.

Nun standen bald die amerikanische Wahl und kurz darauf die französische Wahl bevor. Niemand gab einen Pfifferling drauf, dass Trump Präsident würde. Ich hatte jedoch nach guten Gesprächen mit dem Schweizer Professor Straubhaar und dessen ausgezeichneter Analyse, wie man Wahlumfragen interpretieren müsse, die Überzeugung erlangt, dass sowohl der Brexit eintreten als auch Trump Präsident werden würde. Ich sollte mit beidem recht behalten. Noch vor der Wahl war die einhellige Meinung, dass Trump niemals Präsident werden würde – und wenn doch, dass dann die Börsen einstürzen würden.

Nach fünfundzwanzig Jahren an der Börse war mir jedoch eines klar: Ich kann zwar mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit sagen, dass Trump Präsident wird, aber ich kann nicht sagen, wie die Börsen darauf reagieren werden. Alles war in diesem Falle möglich. Da ich ungerne Glückspiele mit meinem Geld, und erst recht nicht mit dem anvertrauten Geld der Mitanleger, spiele, habe ich mich entschlossen, die Absicherungen über die Wahlen hinaus – die mögliche Le Pen-Wahl stand auch noch im Raum – aufrechtzuerhalten. Wohlwissend, dass dies bedeutet, nach unten nichts zu riskieren, aber auch bei einem heftigen Schub nach oben nicht dabei zu sein. Trump wurde Präsident, und siehe da, es kam keineswegs zum Einbruch an den Börsen. Die Börsen feierten den neuen Präsidenten, allen vorweg die Aktien von Goldman Sachs, JP Morgan, Bank of America und die übrigen Wall Street-Warriors. Binnen weniger Wochen stiegen JP Morgan um 36 Prozent, Goldman Sachs um 43 Prozent und Bank of America um über sechzig Prozent und zogen den Gesamtmarkt mit. Da ich zum einen ganz bewusst nicht in Aktien von Banken investiere, weil ich deren Risiko im Falle eines Crashs als besonders hoch einschätze – wir erinnern uns an Lehman Brothers –, und zum zweiten meine Absicherungen noch aktiv hatte, haben wir diese Aufwärtsbewegung nur zum Teil mitgemacht. In dieser Phase blieben wir hinter der Entwicklung des Gesamtmarktes zurück.

Nach der Wahl des französischen Präsidenten habe ich die Absicherungen wieder gelöst und konnte wieder aufholen. Besonders in der schwachen Phase, als die Märkte im Februar 2018 unter Druck kamen, konnten wir die Verluste wieder minimal halten und waren in Gesamtjahr 2017 wieder besser als der Markt. Ich schreibe das etwas ausführlicher, um Ihnen zu zeigen, dass der Fonds seine Stärken, aber auch seine Schwächen hat. Wir sind nach oben hin wieder langsamer dabei, eine schwere Arche ist eben kein kleines Schnellboot. Die Vorteile zeigen sich vor allem bei schwerer See. Somit sollte klar sein, dass der Fonds nicht für jeden gleichermaßen geeignet ist.

Wer volles Risiko mit voller Chance sucht, für den ist das nicht das richtige Boot. Wem Sicherheit wichtiger ist als maximale und schnelle Rendite, der kann sich das ansehen. Mir ist sehr wichtig, dass Sie nur dort an Bord gehen, wo Sie sich wirklich wohl fühlen, nachdem Sie es ausgiebig geprüft haben, ob es zu Ihnen und Ihren Vorstellungen passt. Auch ich kann erst am Ende zweier vollständiger Börsenzyklen sagen, ob es ein gutes Schiff war. Eine komplette Hausse und eine komplette Baisse. Erst danach zeigt sich, ob der Saldo ein Erfolg war. Alles dazwischen rechtfertigt kein Urteil. Wer einen Biathlon läuft, mag nicht der beste Schütze, aber ein sehr guter Läufer sein und holt dennoch die Goldmedaille. Das Gesamtergebnis entscheidet, nicht die Einzeldisziplin. So ist es auch bei den Geldanlagen. Es ist leicht, im steigenden Markt Geld zu verdienen. Wenn man dann aber im fallenden wieder alles verliert, hat man nicht gut gearbeitet.

Wenn Sie lieber selbst aktiv werden wollen und Ihre eigenen Aktien aussuchen wollen, müssen Sie einiges beachten.