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Groß oder klein?

Zunächst steht die Frage, sollen wir uns auf große oder eher kleine Unternehmen konzentrieren? Diese Frage ist schnell beantwortet. In einer plutokratischen Welt setzen diejenigen die Regeln, die über die größten Vermögen und die größten Konzerne verfügen. Die Konsequenz daraus beobachten wir direkt und können es jetzt auch einordnen. Es ist kein Zufall, dass es immer verrücktere und stärkere Regulierungs- und Bürokratieauflagen gibt.i Keine Branche, die nicht über dynamisch steigenden Verwaltungsaufwand zur Einhaltung aller nur denkbaren Berichts- und sonstigen bürokratischen Pflichten klagt. Die großen Konzerne haben ein direktes Interesse daran und unterstützen die Politik darin, immer neue Anforderungen und Normierungen zu stellen. Ein großer Konzern kann aufgrund seiner schieren Größe diese zusätzlichen Verwaltungsaufgaben problemlos von einer der vielen Abteilungen miterledigen lassen. Für den kleinen oder mittelständischen Betrieb bedeutet es aber eine Mehrarbeit, die er mit seinem meist überschaubaren Personalstamm kaum leisten kann. Er muss zusätzliche Mitarbeiter für die Verwaltung einstellen oder eben selbst am Wochenende noch mehr seiner Zeit dafür opfern.

Dadurch sinken seine Margen, und ab einem bestimmten Punkt ist seine Überlebensfähigkeit in Frage gestellt. Mit jedem mittelständischen Konkurrenten, der verschwindet, steigt der Umsatzanteil des konkurrierenden Konzerns, der die Administration als deutlich kleineren Posten mitlaufen lassen kann. In sämtlichen Bereichen werden die Regeln mehr zugunsten der Konzerne und zum Nachteil der kleinen Unternehmen verändert. Die Steuergesetzgebung in der Europäischen Union ist hier ein Paradebeispiel. Durch komplexe Steuerstrukturen ist es Konzernen wie Starbucks möglich, ihre europaweiten Geschäfte so zu verschachteln, dass sie am Ende faktisch keine Steuern zahlen. Trotz Milliardenumsatz und Gewinn zahlt Starbucks kaum Steuern.ii Ein Bäckerladen mit Kaffeeausschank nebenan zahlt den vollen Steuersatz. Klar, bleibt bei Starbucks da ein prozentual größerer Posten für alle möglichen Werbemaßnahmen, und somit spielt es auch keine Rolle, wer den besseren Kaffee hat. Es gewinnt der, der das größte Werbebudget hat. Steuern sind ein elementarer Faktor, und je größer und internationaler ein Konzern ist, umso leichter fällt es ihm, diese zu vermeiden. Die angeblichen Bemühungen der Politik, das einzudämmen, fallen auffallend halbherzig aus.

Für die nächste Krise ist ebenfalls alles vorbereitet, um wiederum den großen Haien die kleinen Fische ins Maul zu treiben. Die EZB hat still und leise beschlossen, jederzeit nicht nur Staatsanleihen, sondern auch Anleihen von Konzernen, auch am Primärmarkt aufkaufen zu dürfen. Was so harmlos klingt, ist eine unverschämte Subventionierung großer Konzerne zum Schaden ihrer kleinen und mittelständischen Konkurrenten und zeigt, mit welcher Frechheit die Plutokratie inzwischen agieren kann, ohne eingebremst zu werden oder Widerstand zu erfahren. Bisher haben die großen Konzerne keinerlei Probleme, sich Geld zu niedrigen Zinsen zu leihen. Dennoch kauft die EZB bereits heute Anleihen dieser Konzerne auf und drückt somit die Zinskosten für diese Unternehmen noch tiefer. Das geht so weit, dass die EZB sogar Anleihen von Konzernen wie dem internationalen Bierbrauer Anheuser-Busch aufkauft und das Unternehmen somit subventioniert. Die konkurrierenden Kleinbrauereien, zum Beispiel eine familiengeführte Brauerei wie Welde in Plankstadt, sind auf die Gunst der örtlichen Banken angewiesen und müssen für Investitionskredite deutlich höhere Zinsen zahlen als Anheuser-Busch für das Geld der EZB. Somit verschafft die europäische Zentralbank internationalen Konzernen einen weiteren direkten Wettbewerbsvorteil vor den europäischen Mittelstandsbetrieben.iii

Die Zinsen für große Konzerne werden ins Lächerliche gedrückt. Der Chemiekonzern Henkel zahlte zwischenzeitlich einen negativen Zins für seine Anleihen. Er bekam Geld fürs Schuldenmachen. Welcher mittelständische Betrieb hat ähnliche Konditionen bei seiner Hausbank? Die EZB hat inzwischen auch Anleihen von Coca-Cola oder Caterpillar gekauft. Seit Juni 2016 hat die EZB im Schnitt für sieben Milliarden Euro Anleihen von Konzernen gekauft. Pro Monat! Es ist bereits jetzt absehbar, was in einer Liquiditätskrise passieren würde. Wie 2008 würde der Kapitalmarkt einfrieren. Kaum jemand würde sich gegenseitig Geld leihen. Glücklich, wer jetzt an die Gelder der Zentralbanken herankommt. Die großen Bankhäuser, aber auch die Konzerne haben jetzt diese Möglichkeit. Sie können über Nacht neue Milliardenanleihen begeben und direkt an die EZB verkaufen. Ihre mittelständischen Konkurrenten haben diese Möglichkeit nicht. Es ist leicht vorhersehbar, welche Konsequenz das haben wird. In dieser Krise sind die Konzerne in der Lage, ihre in Schwierigkeiten steckenden mittelständischen Konkurrenten aufzukaufen oder vollständig an die Wand zu drücken. Die Folge ist eine massive Konzentration des Geschäfts in nahezu allen Wirtschaftsbereichen auf wenige große Spieler. „The Winner takes it all.“

Wir sehen, die gesamte Wirtschaftspolitik ist entgegen der Sonntagsreden auf den Marktplätzen („Der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft“) faktisch auf das genaue Gegenteil ausgerichtet. Maximale Machtkonzentration auf wenige große Konzerne, die ihren jeweiligen Wirtschaftsraum dominieren. Das ist nicht schön, das ist nicht vorteilhaft und erst recht nicht wünschenswert. Aber es geht hier nicht darum, wie wir es gerne hätten, sondern um eine nüchterne Analyse der Zusammenhänge, um daraus die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das bedeutet, dass sich die eigene Aktienauswahl folgerichtig auf diese großen Unternehmen, die Platzhirsche, konzentrieren muss, die diesen Rückenwind haben. Diese werden besonders stark aus einer möglichen Krise hervorgehen. Selbst wenn es keine Krise gibt, werden es diese Konzerne sein, die immer erfolgreicher werden und aufgrund ihrer schieren Marktmacht alles andere aus dem Weg räumen. Die Politik hat das Gebot, Monopole und Oligopole zu verhindern, längst über Bord geworfen, sonst dürfte es Konzerne wie Google und Facebook gar nicht geben, an deren de-facto-Monopol niemand vorbeikommt.

Wir wissen jetzt, dass wir uns auf die großen Festungen konzentrieren müssen, die einen großen Burggraben um sich herum haben, den kaum ein neu aufkommender Konkurrent überspringen kann. Welches sind die Branchen, von denen man mit großer Sicherheit bereits heute sagen kann, dass sie mit oder ohne zwischenzeitliche Krise vor einer goldenen Zukunft stehen?

Fast alle Lebensbereiche befinden sich im dramatischen Umbruch und überall werden die Karten neu gemischt.

ihttp://www.deutschlandfunk.de/buerokratische-knebel-fuer-kleinbetriebe-wenn-vorschriften.724.de.html?dram:article_id=406404; https://bdi.eu/artikel/news/buerokratie-und-fachkraeftemangel-belasten-mittelstand/

iihttps://www.welt.de/wirtschaft/article128247128/Wie-Starbucks-den-deutschen-Staat-austrickst.html; http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2014-12/steuern-starbucks-google-amazon/seite-2

iiihttp://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/ezb-geld-unternehmen-100.html