Krankheiten gehören zu den wesentlichen Risiken im Leben. Im Folgenden geht es um die Einschätzung des Risikos, Versicherungspflicht und die Unterschiede der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung.

Krankheiten sind die elementarsten und gravierendsten Risiken. Aus diesem Grund kommt der Absicherung eine besondere Bedeutung zu. Insgesamt lagen die Ausgaben für die Gesundheit in Deutschland 2013 bei über 300 Milliarden Euro, mehr als 180 Milliarden davon trugen die gesetzlichen Krankenkassen. Pro Kopf betragen die gesamten Gesundheitsausgaben fast 4.000€ im Jahr. Allerdings sind die Kosten im Laufe des Lebens sehr ungleich verteilt. Das zeigt folgende Grafik:

Bis zum 50. Lebensjahr etwa sind die Ausgaben für die Versicherten geringer als im Durchschnitt. Je älter die Versicherten sind, desto höher sind auch die Ausgaben. Das bedeutet, dass grundsätzlich die jungen, gesunden Versicherten die kranken, älteren finanzieren. Anders ausgedrückt, die Menschen unter der blauen Linie zahlen mehr ein, als sie „heraus“ bekommen. Die, über der Linie, erhalten mehr als sie einzahlen. Das gilt für gesetzlich Krankenversicherte ebenso wie für Privatversicherte.

Allerdings verschweigt die Statistik, dass es natürlich auch Menschen gibt, die bereits in jungen Jahren schwer krank sind und deswegen überdurchschnittlich hohe Kosten verursachen. Man weiß nicht, ob und wann Krankheiten auftreten und welche Kosten damit verbunden sind. Aus diesem Grund ist die Absicherung des Risikos über eine Versicherung der beste Weg im Umgang damit. Es ist schlicht nicht möglich, selbst Geld zu sparen, um vorzusorgen. Wer monatlich 300€ zur Seite legt, aber morgen schwer verunfallt, kann die teure Behandlung nicht stemmen.

In Deutschland herrscht Versicherungspflicht. Das heißt, jeder muss eine Versicherung vorweisen. Warum ist das so? Jemand könnte ja die Versicherungsbeiträge sparen und auf eine immerwährende Gesundheit spekulieren. Sollte er aber krank werden und ins Krankenhaus müssen, wird er dennoch behandelt. Die dadurch entstehenden Kosten kann er nicht bezahlen, bleiben also am Krankenhaus hängen. Letztlich würde die Gemeinschaft zahlen. Bliebe er dauerhaft gesund, hätte er Tausende Euro gespart. Anders gesagt: Der Gewinn wäre privatisiert, der Verlust sozialisiert. Das will man mit einer Versicherungspflicht (richtigerweise) vermeiden.

Unterschiede GKV – PKV

Die Gesetzliche Krankenversicherung beruht auf dem Solidarprinzip und der Umlagefinanzierung. Das bedeutet, jeder zahlt Beiträge nach seinem Einkommen und jeder bekommt ähnliche Leistungen. Gesunde Menschen finanzieren kranke Menschen. Niemand kann aufgrund einer bestehenden Krankheit abgelehnt werden, auch wenn das in der Praxis durchaus vorkommt. Steigen die Ausgaben für die Versichertengemeinschaft, können die Kassen die Beiträge anheben. Rücklagen werden nahezu keine gebildet.

Das private Krankenversicherungssystem beruht auf dem Äquivalenzprinzip und der Kapitaldeckung. Das heißt, jeder bezahlt den Beitrag, der seinem Risiko und den zu erwartenden Restkosten entspricht. Wer krank oder alt ist, zahlt mehr, als ein junger, gesunder Versicherter. Kapitaldeckung heißt, dass in jungen Jahren der Beitrag höher als die eigentlichen Kosten ist, um Rücklagen aufzubauen. Diese Rücklage (Kapitaldecke) wird genutzt, um die Beiträge im Alter, wenn die Kosten höher als der Beitrag sind, stabil zu halten.

Dabei liegen die durchschnittlichen Kosten während des gesamten Lebens der Gesetzlichen Krankenversicherung und dem Grundschutz in der Privaten mit etwa 300.000€ sehr nah beieinander. Wer sich für den Topschutz in der Privaten Krankenversicherung entscheidet, muss insgesamt etwa 500.000€ berappen.

Wer also glaubt, durch den Wechsel in die PKV Geld zu sparen, unterliegt einem Irrtum. Im Durchschnitt und über die Laufzeit gesehen, ist die PKV teurer. Dafür sind den vereinbarten Leistungen nahezu keine Grenzen gesetzt.

Allerdings verschwimmen die Grenzen der beiden Systeme. Ursache ist der Gesetzgeber. So kann auch in der PKV niemand mehr abgelehnt werden. Selbst schwer kranke Menschen müssen im sogenannten Basis-Tarif aufgenommen werden. Dieser entspricht den Leistungen der GKV, ist meist jedoch teurer. Ebenso kann niemand mehr gekündigt werden, weil er die Beiträge nicht bezahlt. Hierfür hat der Gesetzgeber den Notlagen-Tarif erfunden. Im Gegenzug bieten die Gesetzlichen Kassen unterschiedliche Bonusprogramme oder Zusatzleistungen an. Der Markt ist auch hier nahezu unüberschaubar geworden. Seit Anfang des Jahres 2015 bestimmen die Kassen ihre Beiträge wieder selbst. Fraglich ist, wie lange Deutschland das sogenannte duale Krankenversicherungssystem aufrechterhält und ob es sich in Zukunft ändern wird.

Welche Variante ist für wen geeignet?

Für die meisten Menschen stellt sich die Frage gar nicht. Sie sind pflichtversichert. Das bedeutet, sie können „nur“ in der gesetzlichen Krankenversicherung sein. Allerdings können sie sich die Kasse frei auswählen. Wer als Angestellter über einer bestimmten Grenze verdient, hat die Möglichkeit, in die PKV zu wechseln. Ebenso sind die meisten Selbstständigen frei in der Wahl. Viele wünschen sich, endlich wie der Privatpatient behandelt zu werden. Doch hat die Private wirklich so viele Vorteile und wie sieht es mit den Nachteilen aus?

Fakt ist: Das Leistungsniveau der Privaten ist meistens höher als in der Gesetzlichen. Doch kommt es hier sehr aufs Kleingedruckte an. Ganz große Vorsicht ist bei sehr billigen Tarifen geboten. Die sind meist schlechter als die Gesetzliche! Wer gesund und jung ist, zahlt auch meist weniger, als wenn er gesetzlich versichert wäre.

ABER

Bei Vorerkrankungen reagieren die Versicherungen meist sehr allergisch, da mit höheren Kosten zu rechnen ist, als bei Kerngesunden. Das bedeutet, sie verlangen mehr Beitrag.

Wer privat versichert ist, muss seinen Ehepartner, sofern dieser nicht selbst krankenversichert ist, extra versichern. Das gleiche gilt (mit Einschränkungen) für die Kinder. In der GKV sind Kinder und Partner kostenlos familienversichert.

Die Beiträge in der PKV steigen im Alter tendenziell schneller an und sind nach oben hin offen.

Gerade junge Selbstständige sollten es sich sehr genau überlegen, ob sie in die PKV gehen. Wer plant, später eine Familie zu gründen, könnte von dem Versprechen, günstigen Versicherungsschutz zu bekommen, bitter enttäuscht werden.

Unser ganz allgemeiner Rat lautet: Bleiben Sie in der Gesetzlichen und schließen Sie besser Zusatztarife ab. Damit bleibt man flexibel, wenn man mal knapp bei Kasse ist.

Große Vorsicht ist beim Tarifwechsel in der Privaten Krankenversicherung geboten. Zahlreiche unseriöse Angebote versprechen, Hunderte Euro Beitrag zu sparen und machen ihre Vergütung von der Einsparung abhängig. Oft werden dazu einfach nur die Leistungen abgespeckt oder enorm hohe Selbstbeteiligungen vereinbart. Wer mit dem Gedanken spielt, den Anbieter zu wechseln, sollte hier unbedingt professionelle Unterstützung einholen. Diese bieten spezialisierte Versicherungsmakler oder noch besser Versicherungsberater an. Ebenso empfehlen wir allen, die von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln wollen, sich beraten zu lassen. Dabei sollte es nicht um eine Beitragsersparnis gehen, sondern um eine Leistungsverbesserung. Wenn Vermittler mit geringen Beiträgen werben, ist Argwohn geboten.

Tricks und Kniffe: Wahltarif

Fast alle Kassen haben sie, aber kaum einer kennt sie: Wahltarife. Das ist die Möglichkeit, eine Selbstbeteiligung zu vereinbaren, um so seinen Beitrag zu reduzieren, bzw. wenn man keine Leistung in Anspruch genommen hat, Geld zurückzubekommen.

Wer jung und gesund ist, also eher selten zum Arzt geht, hat so die Möglichkeit, bares Geld zu sparen. Die Kassen machen jedoch keine Werbung damit, sodass man selbst aktiv werden muss und seine Kasse anschreiben sollte, um ein Angebot einzufordern.

Wer krank ist, erhält sechs Wochen von seinem Arbeitgeber weiterhin seinen Lohn. Danach bekommt man das Krankengeld, das noch etwa 80% vom Netto ausmacht.

Wer nun aber selbstständig ist und eben keinen Chef hat, der den Lohn weiter zahlt, hat ein Problem: Er muss den Ausfall irgendwie kompensieren. Entweder es liegt irgendwo genug Geld rum oder aber man nutzt den Trick des vorgezogenen Krankengelds. Das bieten ebenfalls viele Kassen an. Dabei kann man vereinbaren, dass man bereits eher, z.B. nach drei Wochen Krankschreibung Geld erhält. Vor allem für Existenzgründer ist das empfehlenswert, denn die Rücklagen am Anfang sind meist recht überschaubar.

Auch Selbstständige mit Vorerkrankungen, die keinen privaten Schutz mehr bekommen, haben so die Möglichkeit, im Krankheitsfall wenigstens einen Teil ihres Einkommens zu ersetzen.

Wer privat versichert ist, muss sich zwingend um einen privaten Krankentagegeldschutz kümmern, sonst bekommt er im Krankheitsfall nichts!