Große Veränderungen im Leben bedeuten große Auswirkungen auf die Finanz- und Versicherungssituation. Hierfür ist es sinnvoll, systematisch vorzugehen. In diesem Beitrag geht es um die Beratungsaspekte beim Thema Trennung und Scheidung.

Einnahmen und Ausgaben

Wer eine gemeinsame Haushaltsführung hatte, muss mit der Trennung wieder umdenken. Gemeinsame Girokonten müssen aufgelöst werden. Bei Scheidungen müssen Männer mit 11 Prozent weniger, Frauen sogar 33 Prozent Pro-Kopf-Einkommen rechnen. Die unmittelbaren Scheidungskosten für Anwalt und Gericht liegen dabei zwischen 2.000 und 15.000 Euro. Die wirklichen Probleme machen Geschiedene über Jahre zum Sozialfall: Unterhaltskosten, die Aufteilung des Zugewinns und dass ein zwei getrennte Haushalte wesentlich teurer sind, als ein gemeinsamer.

Haftungsrisiken

Haftungsrisiken bergen ein quasi unbegrenztes Schadenpotential. Sie haben daher oberste Priorität. Der mitversicherte Ehegatte oder Partner scheidet mit dem Tag der Scheidung aus dem gemeinsamen Haftpflichtvertrag aus. Es sind also zwei separate Verträge nötig. Bei Kindern sollte darauf geachtet werden, dass diese bei beiden mitversichert sind. Bei weiteren Haftungsrisiken (z.B. bei Tierhaltern) sollte besprochen werden wer welches Risiko trägt und es entsprechend versichert.

Übernahme Krankheitskosten

Waren beide Partner selbst krankenversichert, ergeben sich keine Schwierigkeiten. Beratungsbedarf ergibt sich jedoch, wenn ein Partner beim anderen beitragsfrei familienversichert war. Der Anspruch endet mit dem Tag, an dem das Scheidungsurteil rechtskräftig wird. Am besten teilt man der Krankenkasse sofort die Scheidung mit, auch wenn diese noch nicht rechtskräftig ist. Anschließend ist man freiwillig versichert. Bei Kindern müssen die beiden Partner einigen, über wen diese evtl. beitragsfrei familienversichert werden.

Krankheits-/unfallbedingte Einkommensausfälle

Im Falle einer Scheidung stellt sich die Frage, ob und inwieweit das Einkommen des ehemaligen Partners bei der Ermittlung des eigenen Versorgungsbedarfs einbezogen wurde. Künftige Unterhaltsansprüche /-zahlungen sind zu berücksichtigen. Eine Veränderung bestehender Ansprüche durch den Versorgungsausgleich ist zu bedenken.

Pflegefallrisiko

Im Falle einer Scheidung stellt sich die Frage, ob das Einkommen, Vermögen und die Fähigkeit zur Pflege des bisherigen Partners bei der Ermittlung des persönlichen Bedarfs berücksichtigt wurde.

Langlebigkeitsrisiko

Durch die Scheidung entstehen möglicherweise gesetzliche oder vertragliche Versorgungsansprüche. Daher sollte der Ruhestand für beide Ehepartner komplett analysiert werden. Hierzu gehört auch, dass bestehende Versorgungen überprüft und entsprechend geändert werden. Besonders auf die Bezugsrechte ist zu achten.

Todesfallrisiko

Es sollten die bestehenden Verträge geprüft und entsprechend geändert werden. Problematisch sind hierbei sogenannte Verträge über Kreuz, bei denen ein Partner also jeweils den anderen über seinen Vertrag versichert. Damit wird bei unverheirateten Paaren im Leistungsfall die Erbschaftssteuer vermieden. Bei der Trennung oder Scheidung wünscht man das jedoch nicht mehr. Spätestens wenn ein neuer Partner kommt, soll ja dieser abgesichert werden. Dann muss ein neuer Vertrag abgeschlossen werden, da die versicherte Person nicht einfach gewechselt werden kann.

Sachwertrisiken

Sofern sich anlässlich der Scheidung nachhaltige Veränderungen der Sachwerte, oder durch Umzug/Zusammenzug Veränderungen zu den Risikoorten ergeben, ist dies in den bestehenden Verträgen zu berücksichtigen. Bei Kfz-Versicherungen sind Versicherungsnehmer, Haltereigenschaften sowie Rabattübertragungen zu prüfen.

Sonstige Risiken

Bei einer bestehenden Rechtsschutzversicherung scheidet der mitversicherte Ehegatte mit dem Tag der Scheidung aus und muss sich um eigenen Versicherungsschutz kümmern. Die Mitversicherung von Kindern ist zu prüfen.

Vermögen - Verbindlichkeiten

Je nach Umfang des gemeinsamen Vermögens bzw. gemeinsamer Schulden ergibt sich mit einer Trennung oder Scheidung erheblicher Beratungsbedarf. Gemeinsame Konten müssen aufgelöst und Kontovollmachten widerrufen werden. Bei einer Scheidung wird im Rahmen des Versorgungsausgleichs bestimmt, wer den anderen durch den Zugewinn während der Ehe abfinden muss. Es ist nicht so, dass alles das was da ist aufgeteilt wird. Zugewinn bedeutet zunächst, dass jeder das mitnimmt, was er vorher auch besaß. Das gilt ebenfalls für Erbschaften während der Ehe. Lediglich die Wertsteigerung geht in den Zugewinn ein. In den Versorgungsausgleich gehen dagegen erworbene Rentenansprüche ein, egal ob Gesetzliche, Betriebs- oder Privatrente. Derjenige der während der Ehe mehr Ansprüche erworben hat, muss diese zur Hälfte an den Expartner übertragen. Richtig schwierig wird es bei Immobilien und Finanzierungen. Oftmals führt eine Scheidung dann zum verlustreichen Verkauf der Immobilie.

Fazit

Es verwundert, dass angesichts der Tragweite und langfristigen Auswirkungen nur etwa jeder vierte einen Ehevertrag abschließt. Denn dieser ist die einzige wirksame Waffe gegen eine lange und teure Scheidung. Es mag zwar unromantisch erscheinen, doch ist es sinnvoll, sich solange übers Geld zu unterhalten, wie man sich noch liebt. Neben der Planung von Hochzeit, Flitterwochen und Ehenamen, sollte das Thema Versicherung, Geld und der Ehevertrag eine wesentliche Rolle spielen. Eine unabhängige Beratung durch Anwälte, Steuerberater und Honorarberater empfehlen wir deshalb allen, die heiraten.

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