Zuallererst verschaffen wir uns einen Überblick über die möglichen Durchführungswege der Altersversorgung. Es gibt ein 3-Schichten-Modell, welches ich aber nicht als solches erklären will. Es will aufgrund seines Aufbaus eine Prioritätenreihenfolge vermitteln, die aber nicht grundsätzlich auf jeden Menschen zutrifft. Daher hier die möglichen Durchführungswege in beliebiger Reihenfolge sortiert und dazu deren steuerliche Behandlung und andere Unterschiede:

Die passende Altersversorgung ist auch abhängig von den jeweiligen Lebensumständen, vor allem vom beruflichen Status. Hier eine Aufstellung, welche Durchführungswege gesetzlich erlaubt sind:

Allerdings, nur weil es gesetzlich erlaubt ist, ist es nicht gleichzeitig sinnvoll für die Altersversorgung. Welcher Weg ist nun der Richtige?

Suchen wir uns dafür fünf Beispiele:

1. Dirk, verheiratet, Geschäftsführer und beherrschender Gesellschafter einer GmbH, zwei Kinder

2. Donald, verheiratet, Inhaber einer Personengesellschaft, drei Kinder

3. Kay, verheiratet, angestellt, 1 Kind

4. Emilia, alleinerziehend, angestellt in Teilzeit, zwei Kinder (geboren 2005 und 2008)

5. Matthias, ledig, angestellt, keine Kinder, will im Rentenalter im Ausland leben

1. Gehen wir nach dem Ausschlussverfahren vor. Dirk ist als beherrschender Gesellschafter  nicht rentenversicherungspflichtig. Dadurch ist er schon mal nicht förderberechtigt für Riester. Es sei denn, Dirks  Frau übt eine rentenversicherungspflichtige Tätigkeit aus (oder zahlt auf anderen Wegen Pflichtbeiträge in die Gesetzliche Rentenversicherung) und zahlt selbst Beiträge in einen Riestervertrag ein. Unter dieser Voraussetzung kann Dirk einen sogenannten Anhängselvertrag beantragen. Er sollte diesen aber ohne Beitragszahlung abschließen. Warum? Für den Fall, dass seine Frau sterben sollte und er keinen eigenen Riestervertrag  hat, würden die Zulagen im Vertrag seiner Frau wieder an den Staat zurückfallen. Hat er dagegen einen Anhängselvertrag, werden die Zulagen nebst den Beiträgen auf seinen Vertrag übertragen. Eigene Beiträge in Riester einzuzahlen macht für Dirk keinen Sinn. Die so möglichen Förderungen sind zu gering.

Also bleiben für Dirk die private Rentenversicherung, Rürup und die betriebliche Altersversorgung. Dabei sind Rürup und betriebliche Altersversorgung aus steuerlicher Sicht der beste Weg für ihn. Die möglichen Beiträge sind sehr hoch, so dass sich darüber seine hohen Rentenversorgungslücken ausfinanzieren lassen. Zum Beispiel lassen sich über Rürup und betriebliche Altersversorgung Tausende von Euro im Monat (unter Berücksichtigung individueller Höchstgrenzen) für die Rente investieren. Dabei sind die Beiträge entweder zum Teil privat steuerlich absetzbar oder werden über eine GmbH bzw. AG als Betriebsausgaben gewinnmindern angesetzt. So lassen sich für Dirk hohe Steuervorteile erzielen. Gleichzeitig ist diese Form der Altersversorgung pfändungssicher. Im Falle einer Insolvenz droht nicht der Verlust. Und die Agentur für Arbeit wird Arbeitslosengeld II auszahlen, ohne vorher den Verzehr des Kapitals zu fordern.

Der oben genannten Nachteil, keine Kapitalauszahlung bei Rürup, ist in der Praxis selten ein Ausschlussgrund. Kaum jemand lässt sich am Ende das komplette Kapital auszahlen. Es würde bei voller Versteuerung drastisch reduziert werden - bei Verrentung wird dagegen nur der individuelle Steuersatz fällig. Die eingeschränkte Vererbungsmöglichkeit an die eigenen Kinder ist ebenfalls selten ein Thema. Meistens geht es um die eigene Versorgungslücke und nicht die der Kinder. An den Ehegatten wird immer vererbt.

Will Dirk allerdings völlige Flexibilität unter Verzicht auf staatliche Förderung und Insolvenzsicherheit, wird er sich für die private Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht entscheiden. Hier hat er vollkommene Gestaltungsmöglichkeiten, zum Beispiel die Auszahlung als Rente oder Kapital, freie Vererbung und Beleihbar- oder Verpfändbarkeit. Die Rente wird bei Auszahlung ab 67 mit 17% Ertragsanteil versteuert. Das bedeutet von 1.000 € Rente werden 170,00 € als zu versteuerndes Einkommen herangezogen, zu versteuern mit dem individuellen Steuersatz. Vom Kapital werden die Erträge besteuert. Beträgt die Mindestlaufzeit 12 Jahre und wird das Kapital erst mit 60 ausgezahlt, wird die Hälfte der Erträge besteuert.

2. Donald ist selbst sehr vielseitig, hat aber als Inhaber einer Personengesellschaft nur zwei Möglichkeiten: Entweder Rürup oder private Rente. Die anderen Durchführungswege bleiben ihm verschlossen (siehe Tabelle oben). Ihm wird die Wahl dadurch allerdings recht leicht fallen. Neben der steuerlichen Förderung ist die Insolvenzsicherheit für 99 von 100 Unternehmern wie Donald der Grund, sich für Rürup zu entscheiden.

Ist Donalds Frau angestellt, kann diese die Förderung über einen Riestervertrag nutzen, besonders wenn die Kinder jung und dadurch die Zulagen entsprechend hoch sind. Donald kann dazu einen Riester-Anhängselvertrag mit 0,- Beitrag beantragen. Das sollte er  tun, damit im Falle des Todes seiner Gattin die Zulagen auf ihn übergehen.

3. Kay hat als Angestellter die berühmte Qual der Wahl. Er sollte eine Prioritätenliste anlegen. Dabei könnte er die Eigenschaften der unterschiedlichen Durchführungswege als Stichwörter nutzen. Folgende Stichwörter kann er verwenden (pAV=private Altersversorgung, bAV=betriebliche AV):

Damit sollte Kay eine Einschätzung treffen können, welche Durchführungswege für ihn uninteressant sind und von welchen er Zahlenbeispiele durchrechnen kann.

4. Eine Tabelle würde Emilia nur wenig helfen. Sie sollte danach gehen, wie Sie mit wenig Geld möglichst viel herausholt. Da sie zwei Kinder hat, kann Emilia mit Zulagen über einen Riestervertrag am meisten bewegen. Nehmen wir an, Emilia hat ein sozialversicherungspflichtiges Bruttoeinkommen i.H.v. 1.400 Brutto im Monat. Dann ergibt sich folgende Rechnung:

Es ergibt sich ein Eigenbeitrag in Höhe von 60 € pro Jahr. (672-639=33€, Mindesteigenbeitrag Riester = 60€ p.a.).

Wenn Emilia irgendwann wieder voll arbeitet, wird sich der Eigenbeitrag erhöhen, da sie schließlich 4% Ihres Jahresbruttos als Gesamtbeitrag in Riester einzahlen muss. Trotzdem kann sich Riester durch die Kinderzulage dann noch lohnen. Erhält sie allerdings für die Kinder irgendwann kein Kindergeld mehr, muss sie von der Zulagenförderung auf die Steuerförderung “umsteigen“. Spätestens dann muss sie über die Einkommenssteuererklärung die Beiträge als Sonderausgaben in Abzug bringen. Grundsätzlich ist dann zu überlegen, ob Riester noch das alleinige Mittel für die Altersversorgung ist. Die Verträge sind recht teuer und lohnen sich meist nur über die Zulagenförderung. Daher sollte der Beitrag nicht immer mit steigendem Einkommen angepasst werden. Emilia ist bei Vollzeitarbeit gut beraten, wenn Sie neben Riester einen zweiten Durchführungsweg wählt. Sie erhöht dadurch die Förderung und streut Ihre Altersversorgung.

5. Welcher der richtige Durchführungsweg ist, kann Matthias wie Kay bestimmen. Nur Riester ist für ihn ungeeignet. Er will irgendwann ins Ausland abwandern und dort leben. In diesem Fall würde der Staat die Zulagen zurückfordern. Für alle anderen Durchführungswege muss Matthias nur ein deutsches Konto behalten, auf welches der Versicherer die Rente auszahlt. Die Versteuerung erfolgt dann nach den Bestimmungen des Wohnsitzlandes oder im Rahmen von Steuerabkommen.

Nicht nur der aktuelle berufliche Status ist wichtig, sondern auch der angestrebte. Ein angestellter Sohn, der die Personengesellschaft seiner Eltern übernehmen wird, wird keine betriebliche Altersversorgung abschließen. Diese kann er dann nämlich nur noch ungefördert fortführen, es sei denn, er wandelt die Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft um.

Genauso wird der Grafikdesigner, der über die Künstlersozialkasse (KSK) Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung einzahlt, keinen Riestervertrag beantragen. Fällt er irgendwann aus der KSK, ist sein Riestervertrag unbrauchbar, da er nicht mehr förderberechtigt ist. Er müsste einen neuen Vertrag beginnen, mit neuen Abschlusskosten.

Suchen Sie sich vorneherein die Altersversorgung aus, die zu Ihrer zukünftigen Lebensplanung passt. 

Viel Spaß dabei!