Grundsätzlich kann man sich besonders zu dieser Jahreszeit immer wieder wundern, warum bei Investmentfonds häufig offensichtlich unpassende Benchmarks und Vergleichsgruppen zur Einordnung einer Performance verwendet werden. Da es heute aber nicht um die - nach Faktor- und Risikokennzahlen sinnvoll vorgenommene - Analyse von Investmentfonds und Vermögensverwaltungen, sondern Denkanstößen für vernetzte Finanzplanung gehen soll, gilt es andere Perspektive einzunehmen.

Die Leitfrage könnte derart lauten:

Wie ist die erzielte Performance einer Anlagestrategie in einen sinnvollen Zusammenhang für den individuellen Anleger einzuordnen?

Daraus abgeleitet ergeben sich Fragen wie:

Welche Dimensionen der Analyse gibt es?

Wie und auf welchen Ebenen kann man den Erfolg messen?

Anhand einiger grundsätzlicher Gedanken kann der Anleger eine sinnvolle Einordnung einer erzielten Entwicklung vornehmen. Beispielhaft werden verschiedene Aussagen eines theoretischen Anlegers zur Entwicklung seines Wertpapierdepots genannt und entsprechend eingeordnet.

Von der allgemeinen Aussage zum konkreten Bezug!

Aussage 1: Die Wertveränderung

Mein Portfolio hat in den letzten fünf Jahren eine Rendite von 20 Prozent erzielt“.

Diese Aussage eines Anlegers sagt sehr wenig aus, da sie nur die Wertveränderung in einem beispielhaften Zeitraum beschreibt.

Aussage 2: Die geometrische Rendite

Mein Portfolio hat in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 3,71 Prozent pro Jahr erzielt“.

Diese Aussage ist etwas anders in der Darstellung. Sie gibt die geometrische Durchschnittsrendite pro Jahr an. Dennoch bleibt sie eindimensional.

Aussage 3: Eine weitere Dimension wird berücksichtigt

Mein Portfolio hat in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 3,71 Prozent pro Jahr erzielt und hatte dabei einen maximalen Verlust von 20 Prozent zu erleiden“.

Die Aussagekraft ist nun offensichtlich höher, da eine weitere Dimension hinzugekommen ist. Neben der Rendite wird nun der maximale Verlust berücksichtigt. Die über einen Zeitraum durchschnittlich erzielte Rendite pro Jahr steht nun in Relation zu dem maximal erlebten Schmerz zu einem Zeitpunkt.

Aussage 4: Einordnung in den Kontext der individuellen Anlagestrategie

Mein Portfolio hat in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 3,71 Prozent pro Jahr erzielt und hatte einen maximalen Verlust von 20 Prozent zu erleiden.

Ein für meine finanzielle Risikobereitschaft (Persönlichkeitsmerkmal) und Risikotragfähigkeit (objektiv zu ermitteln) geeignetes Portfolio hätte in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche (geometrische) Rendite von fünf Prozent bei einem maximalen Verlust von 30 Prozent erzielt.“

Hier wird die Qualität nun deutlich besser. Schließlich wird die Brücke von der Ebene der Kapitalanlage zu der individuell und professionell hergeleiteten Anlagestrategie geschlagen. Zudem erfolgt eine weitere Einordnung dahingehend, dass dem Anleger Opportunitätskosten (5 %-3,71 %=1,29 % p.a.) deutlich geworden sind, da seine real umgesetzte Anlagestrategie zu defensiv für seine individuell mögliche und erträgliche Risikokapazität (30 anstatt 20 Prozent maximaler Verlust) gewesen war.

Aussage 5: Die Verknüpfung mit der Finanzplanung

Mein Portfolio hat in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 3,71 Prozent pro Jahr erzielt und hatte einen maximalen Verlust von 20 Prozent zu erleiden.

Ein für meine finanzielle Risikobereitschaft (Persönlichkeitsmerkmal) und Risikotragfähigkeit (objektiv zu ermitteln) geeignetes Portfolio hätte in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von fünf Prozent bei einem maximalen Verlust von 30 Prozent erzielt.

Meine aus der Ruhestandsplanung ermittelte Zielrendite liegt bei sechs Prozent.“

Die Aussagekraft steigt erneut, da nun eines der finanziellen Ziele (hier die Sicherung des Ruhestands) in den Gesamtzusammenhang einbezogen wird. Ein Vergleichsmaßstab aus der Finanzplanung bringt nun also eine weitere Erkenntnis. Die Anlagestrategie hat nicht nur Opportunitätskosten im Sinne einer verpassten Rendite produziert, sondern zusätzlich liegt auch die mögliche Anlagestrategie unterhalb der in einer ganzheitlichen Ruhestandsplanung ermittelten Zielrendite.

Aussage 6: Die Einordnung in die Lebensplanung

Mein Portfolio hat in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 3,71 Prozent pro Jahr erzielt und hatte einen maximalen Verlust von 20 Prozent zu erleiden.

Ein für meine finanzielle Risikobereitschaft (Persönlichkeitsmerkmal) und Risikotragfähigkeit (objektiv zu ermitteln) geeignetes Portfolio hätte in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von fünf Prozent bei einem maximalen Verlust von 30 Prozent erzielt.

Meine aus der Ruhestandsplanung ermittelte Zielrendite liegt bei sechs Prozent.

Die „fehlende“ Rendite führt zu einem Nichterreichen des gesetzten Ruhestandsziels.“

Diese Aussage hat nun noch einmal deutlich mehr Aussagekraft, da sie die Konsequenzen für die Lebensplanung beinhaltet.

Aussage 7: So könnte es sein…

Mein Portfolio hat in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 3,71 Prozent pro Jahr erzielt und hatte einen maximalen Verlust von 20 Prozent zu erleiden.

Ein für meine finanzielle Risikobereitschaft (Persönlichkeitsmerkmal) und Risikotragfähigkeit (objektiv zu ermitteln) geeignetes Portfolio hätte in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von fünf Prozent bei einem maximalen Verlust von 30 Prozent erzielt.

Meine aus der Ruhestandsplanung ermittelte Zielrendite liegt bei sechs Prozent.

Die „fehlende“ Rendite führt zu einem Nichterreichen des gesetzten Ruhestandsziels.

Es ist mir als Anleger bewusst, dass ich subjektive Einschränkungen bzw. Eingriffe in eine objektiv mögliche Anlagestrategie vorgenommen habe. Dadurch sind Opportunitätskosten in Form fehlender Rendite entstanden und zusätzlich war meine Zielrendite zu hoch. Dies führt zu einem, für mich als Anleger, nachvollziehbaren Ergebnis und nun gilt es auf verschiedenen Ebenen Veränderungen zu besprechen und deren Vor- und Nachteile abzuwägen.“

In der finalen Erkenntnis sind dem Anleger also die Einflussfaktoren und die Konsequenzen bewusst. Die Verbindung der Ebenen Anlagestrategie und Finanz- / Ruhestandsplanung als gebündelte Konsequenz für die Lebensplanung ergibt eindeutig den größten Mehrwert.

Mehr Verständnis führt zu besseren finanziellen Ergebnissen

Welcher Anleger wird eher diszipliniert seine Anlagestrategie verfolgen? Welcher Investor wird eher ein „Opfer“ von Performance Chasing und sinnfreien Marketing Hypes und Themeninvestments?

Anleger mit der Aussage eins, oder Anleger mit der Aussage sieben?

„Was heißt das konkret für mich!?“ - Beispielhafte Fragen für einen Einstieg in das Thema

Als simplen Einstieg in das Thema können sich Anleger mit den folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Habe ich eine konkret definierte Anlagestrategie?

  • Habe ich eine Zielrendite und einen maximal tolerierbaren Verlust?

  • Wie sieht die strategische Vermögensstruktur aus?

  • Wann und warum greife ich taktisch ein?

  • Trenne ich zwischen Hobby und strategischer Vermögensanlage?

  • Wann und woran mache ich den messbaren Erfolg meiner Entscheidungen fest?

  • Welche Informationen erhalte ich von meiner Depotbank?

  • Wie pflege ich die notwendigen Daten?

  • Welche Entscheidungen delegiere ich und welche treffe ich selbst?