Bei Kapitalanlagen, heißt es, soll man diversifizieren. Hier und dort etwas streuen. Oft wird empfohlen, die Anlagen zu dritteln. Einfachheit ist ja eine schöne Sache, aber die Empfehlung die Anlagen zu dritteln, können sich nur an ansonsten völlig ahnungslose Leute richten. Die gröbsten Fehler werden so zuverlässig vermieden, (wenn die Drittel-Regel umgesetzt würde!) aber die pauschale Drittelung hat den Feinschliff eines Asteroiden und die Wuchtigkeit einer Le-Courbusier Architektur.

Das meiste ist schon getan, wenn man die falschen Verwendungen von Produktivkapital einfach konsequent weglässt. Ein Beispiel für eine völlig unsinnige Art der Verteilung von Kapitalvermögen ist das Verleihen von Geld an Freunde.

Zwei Freunde weniger: Kredite an Privatpersonen

Einerseits gibt es Personen, denen immer etwas einfällt, zu Geld zu kommen und die es auch als ihre erste Pflicht empfinden, das geliehene Geld zurück zu zahlen. Weit größer scheint jedoch die Zahl derer zu sein, die in einem oder beiden Punkten nicht so perfekt sind, wie man es sich als Kreditgeber wünscht. Ich jedenfalls habe schlechte Erfahrung damit gemacht. Dabei ging es mir nicht um Geldanlage, sondern darum, Freunden ,die in Not waren, zu helfen.  Um es gleich zu sagen: - In beiden Fällen habe ich das Geld zurück bekommen. In dem einen Fall nach jahrelangem Hinterherrennen und viel zu spät in Raten nach mehreren unangenehmen Telefonaten. - Und in dem anderen Fall nach einem gerichtlichen Verfahren und nach mehreren Einsätzen des Gerichtsvollziehers. In beiden Fällen ist die Freundschaft ab dem Moment an, an dem ich das Geld übermittelt hatte, zu Ende gegangen. Komischerweise gerade im Falle des Gerichtsvollziehers hielt sie sich auf niedriger Ebene noch einigermaßen über den Rückzahlungszeitpunkt hinaus. In dem anderen Fall war sie praktisch vorbei, als ich das Geld überwiesen hatte. Beide Freunde, intelligent, musisch und gebildet, litten unter dem Gefühl, etwas zu schulden, und dem Wissen, sich hierbei falsch zu verhalten. Sie kannten sich nicht untereinander und haben sich doch ähnlich verhalten. Die Kredite waren natürlich zinslos.

Ein anderer Freund sagte, ich sei ein Menschenfreund. Aber in diesem Fall stimmt das nicht. Denn nachhaltig geholfen hat das Geld keinem von beiden. Gut gemeint ist eben noch nicht gut! (Wenn, dann hätte ich das Geld gleich verschenken sollen, aber auch das hätte Ihnen nicht geholfen und die Freundschaft in diesen Fällen verdorben) Was mich diese Geschehnisse lehren: Seien Sie Freunden gegenüber großzügig, leihen sie Kleingeld und verschenken Sie, wo es angebracht ist - zum Beispiel bei völlig unverschuldetem Mangel - größere Unterstützungen. Seien Sie Mäzen. Aber bringen Sie Ihre Freunde niemals in die Lage, ihnen größere Geldsummen zu schulden.

Unternehmen und Aktien

Sinnvoller als jene in Kredite, ist die Investition in Unternehmen, und zwar deshalb, weil somit direkt von der Produktivität und Knappheit des Kapitals profitiert wird. Der Umweg über Kredite ist neben der teilweise höheren Liquidität normalerweise nur dann angezeigt, wenn man erwartet, das der Kreditnehmer sehr viel besser mit dem Geld umgehen kann, als man selbst - Es gibt Leute die meinen tatsächlich, das der Staat das kann. In Wirklichkeit ist es meistens sinnvoller, in verschiedene Projekte (das sind hauptsächlich Unternehmen) zugleich zu investieren und somit eine höhere Rendite zu erzielen. Die produktive Tätigkeit des Kapitals schützt - sehr langfristig betrachtet - auch zuverlässig gegen Inflation, (besonders übrigens bei Unternehmungen mit geringem Kapitalbedarf). Auch Deflation muss Unternehmen oder Häuser durchaus nicht real abwerten!
Auch hier ist die Perspektive langfristig. Den warum sollte, solange die allgemeine Deflation im Rahmen bleibt, der relative Wert des produktiven Kapitals abnehmen? Die Preise sinken, die Gewinne sinken, die Anteilswerte (z.B. Börsenkurse) sinken … aber die Verbraucherpreise sinken eben auch. Real ist da überhaupt keine Veränderung. Außer, dass die Unternehmen sogar noch Kapital freisetzen können, was im Einzelfall sogar positiv ist. Unternehmensinvestitionen sind somit keine finanzsystem-bezogene Spekulation, sondern nur bezüglich der Entwicklung des tatsächlichen wirtschaftlichen Realwertes der jeweils bestimmten Investition spekulativ. Denn diese Entwicklung ist natürlich ebenfalls ungewiss.

Wie viel Diversifizierung ?

Aufgrund dieser Ungewissheit sollte man unbedingt in mehrere Projekte zugleich investieren. Andererseits sind die Chancen höher, sofern man sich auf wenige, hoch aussichtsreiche Projekte beschränkt, so das eine goldene Mitte  anzustreben ist. In der Praxis sollten Sie, auch wenn Sie hauptsächlich ein eigenes Unternehmen führen, in diesem, sofern sie dementsprechende Kompetenzen haben, möglichst mehrere Geschäftsfelder haben und darüber hinaus mindestens sechs verschiedene Anteile an anderen Unternehmen (z.B. Aktien) haben. Besser ist die Anzahl von 12, im Extremfall 24 von solchen Beteiligungen. Mehr ist aus meiner Sicht zuviel. Denn hier können Sie die Übersicht nur mit statistischen Methoden behalten und auch dann ist eine solche Anzahl unnötig. Man findet eine derart übertrieben breite Diversifizierung zwar in vielen professionell gemanagten Portfolios, sollte aber nicht vergessen, dass die meisten Manager schlichtweg Angst haben, sich mit ihrer Auswahl zu weit vom Markt zu entfernen. Es könnte dann nämlich mal sein, dass sie schlechter abschneiden, als der Markt. Daher sind viele Fonds sogenannte versteckte Indexnachbilder, die praktisch den ganzen Index kaufen und somit eigentlich ihr eigenes, teures Management einerseits unfehlbar, andererseits im gleichen Zug überflüssig machen.

Keine Drittel-Regel

Die Diversifizierung im eigenen Portfolio des produktiven Kapitalvermögens braucht eben keiner Drittel-Regel zu folgen. Warum auch? Es sollte angestrebt werden, möglichst viel Mittel direkt in verschiedene gute Unternehmen zu investieren. Natürlich kann man, wie in der Beispielgrafik, auch sagen: Ein Drittel direkt (eigenes Unternehmen), ein Drittel indirekt (Aktien) und ein Drittel Immobilien, aber das sind alles nur grobe und unnötige Schemen. Im Einzelfall muss man sehen, wie sich die Forderung, möglichst viel materielles Vermögen produktiv einzusetzen, umsetzen lässt.

Ein Beispiel gegen die Drittel-Regel

Jemand, der einen deutschen Maschinenbauer, einen Schweizer Konsumriesen und ein amerikanisches Softwareunternehmen besitzt, also 100% seines produktiven Kapital Vermögens in nur drei Aktien stecken hat, kann besser aufgestellt sein, als jemand, der nach der Drittel-Regel ein Drittel Aktien, ein Drittel Anleihen und ein Drittel Immobilien hält, was man zum Beispiel darin anschaulich finden kann, wenn man sich vorstellt, dass die Immobilien, Aktien und Anleihen alle griechisch wären.

Immobilienzentrierte Unternehmungen

Vermietbare Immobilien sind auch ein Teil des produktiven Kapitalvermögens. Als solche können Sie einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung leisten. Allerdings werden Immobilien häufig überschätzt. Eine Immobilie wirtschaftet nicht von allein. Das Betreiben einer Immobilie zur Generierung von laufenden Einnahmen, ob es ein Stück Wald, Feld oder Gewerbegebiet ist, ist im Grunde eine Unternehmung. Das gilt auch für Wohnungen. Oder meinen Sie, eine Wohnung bringt ohne Verwaltung und andere damit zusammenhängende Dienstleistungen Erträge? Nein. Kapital und Arbeit (Dienstleistungen) laufen auch bei einer Immobilie zusammen. Daher sind Immobilien im Grunde ein Sonderfall der Investition in Unternehmen. (Immobilien brauchen einen Extra-Artikel. Sehen Sie bis dahin auch den Artikel: "Immobilienblasen an deutschen Städten?")

(Fortsetzung folgt. Im fortsetzenden dritten Teil des Artikels wird es auch um die Kritik am gegenwärtigen Zinssystem gehen)