Das Niedrigzinsumfeld wird immer mehr zum Problem für die Sparer von Lebensversicherungen. Nicht nur, dass seit dem 01.01.2015 auf Neuabschlüsse nur noch 1,25 % Garantiezins gezahlt werden.

Die niedrigen Zinsen wirken sich zudem auf Überschussbeteiligung, Bewertungsreserven und Schlussgewinnanteil aus. Dies fällt auf, wenn Sparer die Überschussmitteilungen Ihrer Verträge aus unterschiedlichen Jahren miteinander vergleichen. In einem Beispiel der HDI Leben sind einer Kundin von ehemals prognostizierten 60.000 Euro Überschussbeteiligung (2005) heute nur noch 4.000 Euro geblieben.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit

Die Branche insgesamt leidet massiv unter der aktuellen Niedrigzinspolitik. Grund dafür sind langfristige Garantieversprechen der Versicherer gegenüber Ihrer Kunden. Knapp 50  Prozent der Verträge sind mit Garantiezusagen von über 3,00 Prozent ausgestattet. Im Durchschnitt sind es 3,2 Prozent. Das ist meist mehr als die Renditen von 10-jährigen Staatsanleihen mit unter 1,0 Prozent. Die Unternehmen legen das Geld Ihrer Versicherten aber vor allem deshalb in Anleihen mit hoher Bonität an, weil bei denen das Ausfallrisiko sehr gering ist. Das Dilemma: Je geringer das Ausfallrisiko, desto weniger Geld für den Versicherten. Nicht so schlimm, Hauptsache die Garantieversprechen werden eingelöst? Falsch! Durch die hohen Altlasten sind Versicherer gezwungen, aus anderen Bereichen zuzubuttern, um die Zusagen gegenüber Ihren Versicherten einhalten zu können.

Welche Bedeutung hat dies für Sparer?

Kleinere oder finanzschwache Gesellschaften werden zu Überlegungen gezwungen, Ihre Lebensversicherungssparten auszugliedern, das Neugeschäft einzustellen oder sich von Altbeständen zu trennen. Schon im Jahr 2012 hat die Heidelberger Leben ein Unternehmen gegründet, welches als Konsolidierungsplattform oder sogenannte Run-Off-Plattform anderen Versicherern die Möglichkeit bietet, Bestandsverträge zu verwalten. Die Skandia Lebensversicherung hat im Oktober 2014 genau dies getan. Sieben andere Versicherer denken laut darüber nach, gleichzuziehen.

Nachdem Versicherer das Neugeschäft eingestellt und bestehende Verträge outgesourct  haben, stellt sich die Frage, ob die Verwaltungskosten dieselben bleiben. Wenn die Produkte für das Neugeschäft nicht mehr interessant sein müssen, wäre ein Anstieg der Verwaltungskosten wahrscheinlich.

Nächste Finanzkrise durch Versicherer?

Der IWF warnte unlängst vor drastischen Auswirkungen der Niedrigzinspolitik für die gesamte Finanzbranche, verursacht durch schwächelnde Versicherer. Stresstests der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA hätten ergeben: „Ein Viertel der Versicherer könnte den staatlichen Kapitalanforderungen nicht gerecht werden, wenn die Phase der niedrigen Zinsen länger anhalten sollte. Die Vernetzung zwischen Banken und Lebensversicherern ist eng, die Ansteckungsgefahr hoch.“

Was tun?

Nach wie vor ist es sinnvoll, einen Teil seiner Altersvorsorge über eine Lebensversicherung (als Rentenversicherung) zu finanzieren. Entscheiden Sie sich für fondsgebundene Tarife, bestehen die oben genannten Probleme nicht. Schauen Sie aber genauer hin, wenn es um Tarife mit klassischer oder hybrider Anlageform geht. Diese sollten Sie nur über die größeren und finanzstarken Gesellschaften in der Branche beantragen. Lassen Sie sich die Finanzstärke attestieren und zwar in Form von Kapitaladäquanz in Prozent.

Das Risiko, dass ein Kreditnehmer seine Verpflichtung gegenüber dem Gläubiger nicht erfüllen kann, wird Kapitaladäquanz oder auch Adressatenausfallrisiko genannt. Eine Kapitaladäquanz von 100% sagt also aus, dass der Versicherer auch bei angespannten Kapitalmärkten und schwierigem sonstigem Marktumfeld noch alle Verpflichtungen gegenüber den Versicherten erfüllen kann.

Die Kapitaladäquanz ist eine sehr verlässliche Größe, um die Finanzstärke eines Versicherers substantiell bewerten zu können. Viele Ratings, die heute von Beratern oder Versicherern bemüht werden, geben selten die Realität wieder. Zu oft fließen reine Kennzahlen nur zu einem Teil in die Bewertungen ein. Produktbewertungen und Servicebemühungen der Versicherer verfälschen die Zahlen und lassen manche Versicherer besser dastehen als sie in Wirklichkeit sind.

Eine andere Möglichkeit ist, sich die Ratings von mehreren voneinander unabhängigen Ratingagenturen zu besorgen und zu prüfen, welche Gesellschaften in allen Ratings gut bewertet sind.