Wir zeigen, wie man seine Versicherungsbeiträge dauerhaft reduziert ohne an den Leistungen zu sparen

Selbstbeteiligung

Eine Selbstbeteiligung ist eine Vereinbarung mit der Versicherung, die ersten X Euro eines Schadens selbst zu bezahlen. Als Gegenleistung verzichtet die Versicherung auf einen Teil des Beitrags. Selbstbeteiligungen sind bei fast allen Sachversicherungen wie Hausrat, Haftpflicht, Rechtsschutz, Wohngebäude usw. möglich. Eine Ausnahme ist die KFZ-Haftpflichtversicherung. Auch in der Lebensversicherung gibt es solche Möglichkeiten. Dort spricht man aber eher von Karenzzeiten. In der Berufsunfähigkeitsversicherung beispielsweise kann man vereinbaren, erst nach einigen Monaten die Rente zu bekommen. Die ersten Monate trägt man das Risiko also selbst. In der privaten Krankenversicherung sind Selbstbehalte ebenfalls gang und gäbe.

Warum ist eine Selbstbeteiligung sinnvoll?

Jedes Mal wenn die Versicherung einen Schaden reguliert, entstehen Verwaltungskosten. Diese stehen nicht unbedingt im direkten Verhältnis zur Schadensumme. Denn egal wie hoch der Schaden ist, muss dieser zunächst angelegt werden. Sachbearbeiter prüfen, ob der Schaden überhaupt gedeckt ist und manchmal untersucht ein Mitarbeiter einen möglichen Versicherungsbetrug. So kommen neben der eigentlichen Schadenszahlung schnell Hunderte Euro zusammen. Die meisten Schäden in der Sachversicherung sind eher gering und betrugsanfällig. Dadurch ist das Verhältnis von Leistung und zusätzlichen Kosten besonders eklatant.


Wenn man eine Selbstbeteiligung vereinbart, weiß die Versicherung, dass Kleinstschäden mit ihrem hohen Verwaltungsaufwand nicht zu erwarten sind. Entsprechend sinken auf lange Sicht die gesamten Kosten. Diese nennt man Combined Ratio. Bei einer Combined Ratio von über 100% macht die Versicherung zunächst Verlust. Liegt die Quote z.B. bei 105%, gibt die Versicherung für jeden Euro Beitrag 1,05 € für Schäden aus.

Was wäre, wenn jeder eine Selbstbeteiligung vereinbart?

Eine Selbstbeteiligung reduziert diese Quote auf lange Sicht. Der Einzelne profitiert direkt von geringeren Beiträgen. Die gesamte Versicherungsgemeinschaft profitiert von einem positiven Schadenverlauf. Daraus resultieren niedrigere Kosten für die Versicherung. Diese gibt sie in Form von sinkenden oder aber zumindest stabilen Beiträgen an die Versicherten weiter. Wenn alle eine Selbstbeteiligung vereinbaren, wird es also für alle günstiger. Außerdem sinken die Anreize für Versicherungsbetrug, was die Preise wiederum senken kann.

Wie kann ich eine Selbstbeteiligung einschließen?

Man kann die Selbstbeteiligung einfach bei jedem Antrag angeben. Auch bestehende Verträge sollte man dahin gehend prüfen. Damit man im Schadensfall dann die vereinbarte Selbstbeteiligung auch bezahlen kann, empfehlen wir einen Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto. Darauf kann ich jederzeit zugreifen. Wenn es zu einem Schaden kommt, sollte man immer überlegen, ob es sinnvoll ist, ihn selbst zu tragen oder bei der Versicherung einzureichen.
Schauen wir uns die Auswirkungen an einem Beispiel eines echten Versicherers an. Die genauen Zahlen spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Insgesamt könnte unser Musterkunde durch die Selbstbeteiligung fast 200€ im Jahr sparen.

Jährliche Zahlweise

Versicherungen und Vorsorgeverträge kann man monatlich, viertel-, halbjährlich oder jährlich bezahlen. Die Versicherungen lassen sich diese unterjährigen Zahlweisen fürstlich entlohnen. Wir zeigen im Folgenden, warum es sinnvoll ist, von der bequemen monatlichen Zahlweise Abstand zu nehmen.

Warum ist es teurer, meine Beiträge monatlich zu bezahlen?

In der Sachversicherung wie Hausrat, Haftpflicht und Co. werden Verträge für mindestens ein Jahr geschlossen. Während dieser Zeit hat man vom ersten Tag an in voller Höhe Versicherungsschutz. Wer eine monatliche Zahlweise wählt, nimmt gewissermaßen einen Kredit bei der Versicherung auf. Denn erst am Ende des Jahres hat man den Beitrag für das Jahr Schutz komplett bezahlt.


Niemand leiht Geld umsonst. Die Bank nimmt dafür einen Zins. Die Versicherungswirtschaft hat nun eine clevere Methode gefunden, diese Kosten zu verschleiern. Man nennt das Ratenzuschlag. Das klingt auch viel harmloser als Kredit. Des Weiteren müssen die Versicherer bislang die wahren Kosten dieser Ratenzuschläge nicht offenlegen. Hier waren sie ebenfalls kreativ. Statt wie üblich den Zins in Form eines effektiven Jahreszins‘ anzugeben, schreibt man lediglich den Zuschlag je Zahlweise hin. Welche Auswirkung das hat, zeigen wir in der unten stehenden Tabelle.


In der Lebensversicherung gibt es solche Ratenzuschläge ebenfalls. Das Oberlandesgericht Hamburg durfte sich 2011 mit der Frage der Wirksamkeit solcher Zuschläge befassen. Das Gericht begründete die Rechtmäßigkeit des Ausweises ohne effektiven Jahreszins damit, dass es sich nicht um einen Kredit handelt. Die Ratenzuschläge werden mit einem erhöhten Verwaltungsaufwand begründet.

Was wäre, wenn ich alle Versicherungen jährlich bezahlen würde?

Um das herauszufinden, schauen wir uns die Ratenzuschläge an einem Beispiel an. Mit einer einfachen Rechnung bekommen wir auch den effektiven Jahreszins heraus und können so genau sagen, was die monatliche Zahlweise wirklich kostet.

Wer monatlich seine Versicherungsbeiträge bezahlt, kommt also genauso teuer wie mit einem Dispokredit. 2012 haben die Deutschen im Schnitt 2.219€ für Versicherungen ausgegeben. Nehmen wir diesen Durchschnittswert als Basis für die folgende Berechnung.

Es lohnt sich also, seine Versicherungsbeiträge jährlich zu bezahlen.

Wie schaffe ich es, meine Beiträge jährlich zu bezahlen?

Als Erstes lohnt es sich, Versicherer zu wählen, die keinen Ratenzuschlag verlangen. Vor allem in den Sachversicherungen wie Hausrat und Haftpflicht verzichten immer mehr Anbieter auf diese Zuschläge.
Wenn das nicht möglich ist, sollte man den Jahresbeitrag zu den Versicherungen auf einem Konto ansparen. Wir empfehlen dafür ein separates kostenfreies Konto. In unserem obigen Beispiel könnte unser Musterkunde also einen Dauerauftrag von 185€ von seinem normalen Girokonto auf das zweite „Versicherungskonto“ einrichten. Dadurch spart er sich jedes Jahr über 100€ ohne auf Leistungen zu verzichten.