Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1392 (08.08 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1293 im Europa-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 122.75. In der Folge notiert EUR-JPY bei 139.80. EUR-CHF oszilliert bei 1.0455.


Es bestehen Hoffnungen, dass der letzte Vorhang dieses griechischen Dramas heute bevorsteht. Alle Augen sind auf Brüssel gerichtet.
Es ist aller Voraussicht nach das längste Drama, das Griechenland seit der Antike je lieferte. Der Spannungsbogen war bisweilen wegen Wiederholung der Szenen beeinträchtigt, da zwei griechische Protagonisten sich an keine Scripts und Regieranweisungen hielten und immer wieder Verhaltensweisen wiederholten, die dann erwartungsgemäß in dramatischen Sackgassen landeten.


Das führte zu einer gewissen Frustration und auch Langeweile bei den Zuschauern und der Regie.


Die Frage lautet heute: Wird es eine Tragödie, gibt es eine tragfähige Lösung oder bereitet dieses Drama den Boden für weitere Dramen?
Die USA, die nicht direkt mit am Tisch sitzen, hatten am Wochenende eine klare Botschaft gesandt, die Krise jetzt zu bereinigen. Sieht so Achtung vor Souveränität aus? Dahinter steht fraglos geopolitisches Kalkül. Ohne den "Flugzeugträger" Griechenland wären die USA im Mittelmeer und in der Folge im Schwarzen Meer nachhaltig destabilisiert.


Die Machtposition der USA spielt erstaunlicherweise eine nicht unerhebliche Rolle in diesem Prozess der stolzen und selbstbestimmten Eurozone.


Vor diesem Hintergrund muss die Frage erlaubt sein, welches Selbstverständnis die Nationen der Eurozone in sich tragen.


Das gilt umso mehr, als dass die Rechnungen der US-Geopolitik hier in Kontinentaleuropa bezahlt werden (Flüchtlinge, Sanktionen, Wachstumsverluste, Arbeitsplatzverluste, Wohlstandsverluste, rückläufige Sicherheit … Halten die USA sich an Sanktionen? - Exporte nach Russland +6% per 2014!).


Der neueste Vorschlag bezüglich der griechischen Reformliste erlaubt wohl berechtigte Hoffnungswerte auf eine Lösung.


Die Reaktionen von Entscheidungsträgern der EU signalisieren den absoluten Willen, Griechenland im Euroraum zu halten und weiteres Chaos für die Menschen in Griechenland zu verhindern.


Die ersten Reaktionen an den Finanzmärkten weisen in diese Richtung.
Zuversicht bezüglich einer letztendlich gütlichen Lösung erscheint angebracht zu sein. Wie sangen die Höhner noch so treffend:"Wenn nicht jetzt, wann dann …"


Am Freitag stand lediglich die Veröffentlichung der Leistungsbilanz der Eurozone auf der Agenda.


Per Berichtsmonat April stellte sich der Überschuss, der in dieser Form auch Ausdruck wiedergewonnener Konkurrenzfähigkeit der Reformländer ist, auf 22,3 Mrd. Euro nach zuvor 18,0 Mrd. Euro in der saisonal bereinigten Fassung.


Der Chart verdeutlicht im Verlauf den Erfolg der Reformländer im Laufe der Anpassungen der letzten Jahre:

Darüber hinaus freuen wir uns, dass Deutschland als Gewinner der Krise dank niedrigster Zinsbelastungen, eines extrem niedrigen Eurokurses und erheblichen Kapitalzuflüssen bei den Steuereinnahmen saftig punkten kann. Das schafft doch Spielräume für echte Investitionen!


Die Steuereinnahmen legten per Berichtsmonat Mai im Jahresvergleich deutlich um 13,6% auf knapp 45 Mrd. Euro zu.


Ohne Sondereffekte (Kernbrennsteuer) lag der Anstieg im Jahresvergleich bei 7,7%. In dem Zeitraum Januar bis Mai ergab sich eine Zunahme der Steuereinnahmen um 6,5% auf 235,4 Mrd. Euro.


Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.0800 -30 neutralisiert den positiven Bias des Euros.


Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank
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