Gerade in den letzten Monaten konnte man immer wieder von sprudelnden Steuereinnahmen lesen. So soll der deutsche Fiskus sogar trotz schwächelnder Konjunktur von der niedrigen Arbeitslosigkeit profitiert haben. [1] Das Steueraufkommen sei beispielsweise im ersten Halbjahr 2013 um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen, vermelden die Medien mit jubilierendem Unterton. Natürlich kann sich diese Stimmung innerhalb weniger Monate wieder drehen und tut es auch oftmals. Beklagt wird dann beispielsweise sogar ein Sinken der Steuereinnahmen im Vergleich zum Vorjahresmonat. [2]

Werfen wir nun einen Blick auf die Zahlen und stellen uns kritisch der Frage, ob die Jubelnachrichten über die hohen Steuereinnahmen nicht nur in den letzten Monaten, sondern auch die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte tatsächlich der Wirklichkeit und suggerierten Wahrnehmung in der Öffentlichkeit entsprechen. Ein durchaus spannendes und attraktives Rätsel.

Interessant an dieser Stelle ist ebenfalls, dass diese angeblichen Steuermehreinnahmen in den Medien selten bis nie negativ dargestellt werden, was hingegen bei geplanten Steuererhöhungen fast immer der Fall ist. Im Zusammenhang mit „sprudelnden“ Steuereinnahmen (Wie geht es Ihnen bei diesem Wort? Bekommen Sie nicht auch sofort und stets gute Laune, wenn sie das Wort „sprudeln“ lesen?)  - liest man deshalb niemals Sätze wie beispielsweise „Der Staat griff den Bürgern im vergangenen Juli tiefer in die Tasche als im Vorjahresmonat.“ oder „Der Fiskus schröpfte die Bürger im ersten Halbjahr 2013 um sage und schreibe 3,5 Prozent stärker als im Vorjahreszeitraum.“ Das mag daran liegen, dass man sich bei den Einnahmen sehr wohl als Teil des Ganzen – also des Staates – begreift, bei geplanten Steuererhöhungen den Staat jedoch als „Feind“ empfindet, der einem an´s Portemonnaie will, um noch mehr von den hart erarbeiteten Groschen abzupressen. Ähnlich sieht es bei den Staatsschulden aus, die wohl kaum ein Bürger auch als seine persönlichen begreift.         

Doch nicht nur in Deutschland werden die Veränderungen der Steuereinnahmen eines Staates in der Regel in Prozentpunkten zum Vorjahresvergleichszeitraum angegeben. Gehen wir nun einmal der Frage nach, ob es nicht sehr viel sinnvoller und aussagekräftiger wäre, wenn wir für die Höhe der Steuereinnahmen und Sozialabgaben einen anderen Bezugspunkt wählten als den des Vorjahres bzw. diesen in den Vordergrund der Betrachtung rückten. 

Genauso wie es Sinn macht, die Verschuldung eines Staates in Relation zur Wirtschaftskraft - also in Prozentpunkten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) - anzugeben, sollte auch das Steueraufkommen und die Sozialabgaben in Verhältnis zum BIP gesetzt werden. Denn 10.000 Euro Schulden wiegen bei einem normalen Monatseinkommen von bspw. 2.000 Euro schwer, sind jedoch bei einem Monatseinkommen von 5.000 Euro in der Regel deutlich schneller und leichter  tilgbar. Doch leider wird in den Medien und Politik dieser sogenannten Abgabenquote (Steuereinnahmen und Sozialabgaben in Prozent des BIP) viel zu wenig bis gar keine Beachtung geschenkt. Das gleiche gilt selbstverständlich für die Ausgaben und Neuverschuldung eines Staates. Entscheidendes, wichtigstes und maßgebliches Kriterium ist und bleibt deshalb immer das BIP - also die Wirtschaftskraft eines Landes.

Schauen wir uns zunächst einmal die Schuldenquoten (Staatsverschuldung in Prozent des BIP) ausgewählter Staaten an, die deutlich machen, dass die absolute Höhe der Schulden in Milliarden Euro, US$, Yen, etc. wenig bis gar nichts über den tatsächlichen Verschuldungsgrad einer Volkswirtschaft aussagt. Denn natürlich gilt - wie bereits erwähnt - für die Schuldenquote eines Landes immer, dass die Staatsschulden selbstverständlich hinsichtlich der Größe der entsprechenden Volkswirtschaft betrachtet werden müssen.

Obige Statistik ist so zu verstehen, dass beispielsweise die japanische Volkswirtschaft 2,36 Jahre benötigen würde, um alle Staatsschulden abzüglich der in dieser Zeit anfallenden Zinsen und evtl. Neuverschuldung zu tilgen.

Es sei an dieser Stelle nochmals daran erinnert, dass es in einer Volkswirtschaft grundsätzlich nur zwei Parteien gibt, die sich das Volkseinkommen teilen. Auf der einen Seite steht der Staat, der seinen Teil in Form von Steuern und Sozialabgaben abzweigt. Auf der anderen Seite stehen die Privaten (Privatpersonen & Unternehmen), die natürlich ebenfalls ihren Teil vom Kuchen beanspruchen. Des Weiteren gilt immer, dass Einnahmen des Staates grundsätzlich nur durch Ausgaben bei den Privaten entstehen können. Folglich gilt auch, dass Staatsverschuldung grundsätzlich die gegensätzlichen Vermögen der Privaten darstellen. In diesem Zusammenhang ist es nun sinnvoll, sich einmal die Abgaben- und Steuerquoten verschiedener Staaten und speziell die Entwicklung in Deutschland anzuschauen.

In Bezug auf die Steuerquote müssen wir feststellen, dass sie seit Mitte der 1990iger Jahre beständig unter dem Durchschnitt der roten Linie in Höhe von 22,5 Prozent liegt. Die „sprudelnden“ Steuermehreinnahmen von denen berichtet wird, erweisen sich bei näherer Betrachtung als nicht korrekt. Ähnlich sieht es bei der Abgabenquote aus, wobei diese in den ersten drei Jahrzehnten ab 1960 von 33,4 Prozent auf 37,3 Prozent im Jahr 1990 anstieg, um dann ab dem Jahr 2000 wieder abzunehmen.

Letztendlich dürfte in diesem Zusammenhang auch nicht überraschen, dass gerade in den Ländern mit den niedrigsten Abgabenquoten die meisten Millionäre ihre Heimat haben.