Das FED hat heute Abend auf eine neuerliche Zinssenkung verzichtet, aber gleichzeitig auf die dramatisch gestiegenen Risiken auf allen Seiten hingewiesen. Über die Gründe lässt sich spekulieren. Wollte man nicht die wenigen Patronen, die man noch im Colt hat abfeuern? Bei  2% kann man nicht mehr sehr oft senken. Wollte man die Märkte damit beruhigen? „Es ist nicht so schlimm, dass wir die Zinsen heute senken müssen“? Spekulation. Was bleibt ist ein weitere Tag mit großen Verwerfungen. Die drohende Pleite des größten Versicherers der Welt AIG ist noch immer nicht vom Tisch und hängt wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Man verhandelt über einen neuen Kredit in Höhe von 80 Mrd. US$! Bundesbankpräsident Weber spricht  von der schwierigsten Situation seit Jahrzehnten.

Schon werden am Parkett die nächsten Namen herumgereicht. Wer kippt als nächstes? Washington Mutual, die große US-Sparkasse?

Der russische Aktienmarkt brach um 17% ein. Die „Heimholung“ der Gelder nach Amerika läuft voll weiter. Welche Osteuropafonds das nun wieder in Schwierigkeiten bringt?

Das ganze momentane Szenario erinnert an eine Kiste mit Feuerwerkskörpern, in die jemand ein Streichholz geworfen hat. Die ersten Raketen sind schon in der Luft, es knallt und zischt, keiner weiß, welcher Knallkörper als nächstes platzt, doch jedem ist klar, dass es noch sehr laut und sehr gefährlich wird. Längst scheint sich keiner mehr zu trauen in die Kiste zu greifen und brennende Feuerwerkskörper herauszunehmen um die restlichen zu schützen, wie die verzweifelten Verhandlungen um AIG und der Kollaps von Lehman zeigen.

Bleiben also nur zwei Entwicklungen: Entweder man lässt die ganze Kiste abbrennen oder man schüttet einen Eimer Wasser drauf. So oder so ist das Ergebnis unbefriedigend.

Dem Zuschauer (Anleger) bleibt nur zu empfehlen: Kopf einziehen und möglichst großen Abstand halten.

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