Es sind jetzt nur noch etwas mehr als 5 Wochen bis zum Wahltag am 22. September. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um sich ein wenig mit den aktuellen Wahlprognosen zu beschäftigen. Während etablierte Wahlforschungsinstitute in Bezug auf ihre erhobenen
Daten in der Kritik stehen, zeigen alternative Wahlprognosewerkzeuge, dass es durchaus zu einer faustdicken Überraschung kommen könnte.

Der Wahlsieger scheint für die deutsche Medienlandschaft etwas mehr als fünf Wochen vor der Bundestagswahl festzustehen. Nun, übel nehmen kann man den MSM ihre Vorfestlegung bezüglich des vermeintlichen Wahlausgangs mit Blick auf die großen Parteien sicher nicht, da seitens der SPD mit diesem Kanzlerkandidaten wahrlich kein großes Aufbäumen zu erwarten ist. Da bringt es Spitzengenosse Sigmar Gabriel wohl recht gut auf den Punkt, wenn er schon zum jetzigen Zeitpunkt für eine breite Einbindung der Mitglieder an der Parteibasis plädiert, um die SPD nach einer absehbaren Wahlschlappe rundzuerneuern.

Immerhin hat es die AfD nun sowohl bei Allensbach als auch Forsa geschafft, die Marke von 3% in den entsprechenden Sonntagsumfragen zu überbieten.

Spannender als der Kampf um die vorderen Plätze zwischen CDU/CSU und SPD ist in meinen Augen hingegen ein Blick auf den Wahltrend unter den kleineren Parteien wie der FDP, den Grünen, der AfD oder den Piraten. Während die Grünen unter der medialen Schelte leiden, sich zu einer Partei gewandelt zu haben, die „uns“ Deutschen alles verbieten will, knappst die FDP von Woche zu Woche knapp über oder knapp unterhalb der 5% Marke.

Wer sich die aktuellen Wahlumfragen genauer anschaut, erkennt, dass die AfD fast überhaupt keine Rolle in den Umfragen großer Wahlforscher wie Forsa oder Demoskopie Allensbach spielt. Ganz so, als gäbe es die neue Partei überhaupt nicht. Die Braunschweiger Zeitung wusste am 21. Juni 2013 folgendes zur Erhebung der Daten durch Wahlforschungsinstitute zu berichten (hier ein Auszug aus dem entsprechenden Artikel):

Nun, auch wenn sich die alte Dame SPD in diesem Fall auf den Schlips getreten fühlt, stellt sich die Frage, was denn erst die AfD zu den Ergebnissen aus den aktuellen Wahlumfragen sagen soll? Da all diese Wahlforschungsinstitute eine politische Heimat haben und die Seilschaften weit in die oberen Ränge der jeweils hofierten Parteien hineinreichen, muss es einen nicht wundern, wenn die im Establishment als politische Bedrohung wahrgenommene AfD in diesen Umfragen marginalisiert wird beziehungsweise kaum bis gar nicht vorkommt.

Immerhin könnte sie bei einem erfolgreichen Politdebut CDU/CSU und FDP eine erneute Regierungsbildung kosten. Gleiches gilt für die Piraten, die nach den Enthüllungen um den NSA-Abhörskandal neuen Auftrieb erhielten, was in den wöchentlichen Wahlumfragen der führenden Wahlforschungsinstitute (siehe oben) jedoch in keiner Weise zum Ausdruck kommt.

Eine Alternative bietet zum Beispiel ein wöchentlicher Blick auf das so genannte Wahl-O-Meter, dessen Berechnungen eine stündlich erneuerte Stimmungsprognose für die maßgeblichen deutschen Parteien anbietet. Die angestellten Prognosen setzen sich aus Echtzeitberechnungen aus aktuellen Twitter-Meldungen zusammen.

Die aus Twitter-Meldungen entstehende Datenbasis ist mächtig, denn an Nachmittagen gehen rund 1.000 Tweets pro Stunde in die Berechnungen mit ein, während es an Wahlabenden sogar 10.000 Tweets pro Stunde sein können. Die Rheinzeitung widmete sich diesem Thema am 11. August und titelte mit der Überschrift „Studie: Viele Tweets bedeuten viele Wählerstimmen“. Wenn dem so wäre, sähe die potenzielle Zusammensetzung des neuen Berliner Parlaments wohl sehr viel anders aus, als es die gängigen Wahlumfragen etablierter Wahlforscher zurzeit widerspiegeln. 

Würde man dem Wahl-O-Meter Glauben schenken, würde es am Wahltag des 22. September zu einer faustdicken Überraschung in Deutschland kommen. Während die über gängige Wahlforschungsinstitute murrende SPD auch im Wahltrend des Wahl-O-Meter nur 23,5% der Stimmen erreicht, wäre das Erreichen von lediglich 34,5% für die CDU/CSU mit einem parteipolitischen Erdbeben vergleichbar.

Und siehe da: folgt man den Tweet-Trend würde die FDP mit 4% gar nicht mehr in den Bundestag einziehen. Bei deren Personal und einem kaum wahrzunehmenden Politikangebot der Partei brauchte man sich auch darüber nicht zu wundern. Schau da, im Gegensatz dazu, erreicht die AfD zurzeit fast 11% aller Wahlstimmen, nahezu gleichauf mit den Grünen, die bei 12,3% liegen. Auch die Piraten schneiden mit 4% deutlich besser ab als in gängigen Umfragen der Wahlforscher.

Es bleibt abzuwarten, ob es am Wahltag tatsächlich zu einer faustdicken Überraschung kommen wird. Letztendlich dürfte eine solche Überraschung auch von dem riesigen Heer der Nichtwähler abhängen, die sich am 22. September gemüßigt fühlen könnten aufgrund vermeintlicher politischer Alternativen ihr Kreuzchen doch wieder einmal bei einer Bundestagswahl abzugeben. Wo diese potenzielle Stimmenflut eine politische Heimat finden könnte, kann sich jeder ausmalen, der die Politikverdrossenheit dieser Bevölkerungsgruppe einzuschätzen weiß, die da schlicht mit der Parole „die Schnauze bis über beide Ohren voll zu haben“ an die Wahlurnen gehen könnte. Bis dahin bleibt einfach nur abwarten und Tee trinken. Interessant dürfte es am 22. September sicherlich werden.