Letztes Mal bin ich mit dem Fernbus gefahren. Zum Busbahnhof in Thessaloniki. Dort stieg ich in ein Taxi und bat den Fahrer mich zum Flughafen zu bringen. Der Himmel war bedeckt und es nieselte.

Auf seine Frage ob ich es eilig hätte, antwortete ich „ja, sehr!“.

Deshalb schlug er vor die „Autobahn“ (er verwendete das deutsche Wort) zu nehmen, da das zwar weiter wäre, aber trotzdem schneller ginge, als durch die Stadt. Ob ich damit einverstanden wäre, wollte er wissen.

Da ich mit den Befindlichkeiten des Straßenverkehrs in und um Thessaloniki recht gut vertraut bin, stimmte ich zu.

Schon nach wenigen Hundert Metern Fahrt kam die unvermeidliche Frage: „Apo pou iste?“ „Von wo kommen Sie?“  Wahrheitsgemäß antwortete ich: „Aus Deutschland.“  „Dann haben Sie das auch in Griechenland verwendete Wort „Autobahn“ bestens verstanden, stellte er lachend fest.  „Von wo aus Deutschland?“, wollte er dann gerne wissen und ich erwiderte, dass ich aus dem Süden Deutschlands käme.

Das sei toll, meinte er. Seine Cousine würde in Deutschland leben. Sie sei dort geboren und wolle auf keinen Fall nach Griechenland. Höchstens, um hier Urlaub zu machen. Aber hier leben, nein auf keinen Fall. Sie sei schon deutscher als manche Deutsche, meinte er.

Da habe sie auch recht, seine Cousine, denn wir in Deutschland hätten ja die Merkel, die wenigstens regiere und sage, wo es lang ginge. Wogegen in Griechenland nur korrupte Zeitgenossen einschließlich Samaras an der Macht wären.

Auf meinen Einwand, dass es mit Merkel auch nicht alles so toll sei, es mit unserer Wirtschaft allmählich bergab ginge, aus meiner Sicht eine Menge Fehlentscheidungen, einschließlich dummer Sanktionen gegen Russland getroffen worden seien, meinte mein Taxifahrer: „Wir in Griechenland bräuchten einen Hitler!“ Da ich mit dieser Aussage schon öfter konfrontiert worden bin, war ich nicht überrascht. „Xeris jati?“ Jetzt waren wir beim „Du“. „Weißt Du warum?“ Meine Antwort nicht abwartend, zeigte er nach links auf ein etwa 300 Meter langes Teilstück der Umgehungsautobahn zwischen unserer und der Gegenfahrbahn:  Ein unbefestigter Haufen Schotter zog sich hinter einer spärlich kenntlich gemachten Baustellenabzäunung hin. An diesem Stück würde nun schon seit 20 Jahren gebaut und was sei passiert in den letzten 20 Jahren? Nichts! Geld aus allen möglichen Quellen sei dafür kassiert worden, aber passiert ist nichts. Nur ein Adolf könne hier was bewirken!

In Griechenland würde sich nie was ändern. Da könne noch so viel Geld fließen. Die Griechen würden sogar den Teufel austricksen. Zum Beweis erzählte er mir eine Anekdote:

„Ein Franzose, ein Deutscher und ein Grieche strandeten nach einem Flugzeugabsturz auf einer unbewohnten Insel. Das Festland war weit weg und ohne Boot unerreichbar.

Plötzlich tauchte der Teufel auf und bot seine Hilfe an. Derjenige, der es schaffe, einen Gegenstand ins Meer zu werfen, den er der Teufel im Wasser nicht wiederfinden würde, würde von ihm zum Festland gebracht. Falls der Teufel den Gegenstand jedoch fände, dann müsse derjenige, der ihn ins Meer geworfen habe, ihm in die Hölle folgen.

Mangels besserer Alternativen, ließen sich die drei Gestrandeten auf den Handel ein. Außerdem rollte das Meer in kraftvollen Wellen, aufgepeitscht vom heftigen Wind gegen die Insel. So rechneten sie sich gute Chancen aus. Bei der Gischt wäre das selbst für den Teufel nicht leicht.

Der Franzose riss einen Knopf von seinem Hemd und warf ihn ins Meer. Der Teufel tauchte und hielt kurz danach den Knopf mit seinem ihm eigenen satanischen Grinsen zwischen Daumen und Zeigefinger.

Der Deutsche riss sich ein Haar aus und versenkte es im Meer. Der Teufel verschwand in der Gischt und fand auch das Haar.

Der Grieche holte einen weißen Knopf aus einer Büchse und warf ihn weit ins Meer. Der Teufel tauchte danach, fand es nicht, er tauchte wieder und wieder, pflügte durch die Wellen, aber konnte nichts finden. Deshalb erklärte er sich bereit, den Griechen auf das Festland zu bringen, wollte aber wissen, was er denn ins Wasser geworfen habe. Es sei eine lösliches Brausebonbon gewesen, meinte der Grieche.“

Darüber kann man lachen oder auch nicht. Ich würde einen besseren Witz kennen, sagte ich zum Fahrer:

„Die Himmelspforte ist beschädigt und muss repariert werden. Deshalb holt sich Petrus Angebote von einem albanischen, einem deutschen und einem griechischen Handwerker ein.

Der Albaner erklärt, dass die Reparatur 500 Euro kosten würde. Der Deutsche verlangt 1000 Euro. „Was 1000 Euro? Das Doppelte von dem, was der Albaner möchte, wieso denn das?“ fragt Petrus.

Er müsse das alles erst mal vernünftig planen und vorbereiten, dann würde es natürlich mängelfrei durchgeführt und an Petrus übergeben und er müsse noch die Sozialversicherungen und das Finanzamt zahlen, antwortet der Deutsche.

Das dritte Angebot gibt der Grieche ab. Er verlangt 2000 Euro. „Was 2000 Euro? Das ist ja Wahnsinn! Der Albaner will 500 Euro, der Deutsche 1000 Euro und Du willst 2000 Euro! Bist du verrückt, warum denn so viel?“ echauffiert sich der gute Petrus unter seiner Himmelspforte.

„Jetzt bleib mal ruhig und entspanne dich wieder“, antwortet ihm der griechische Handwerker. „Schau mal, von den 2000 Euro sind 500 für Dich, weitere 500 für mich, 500 bekommt der Deutsche, damit er wegschaut und die letzten 500 bekommt der Albaner, damit er die Pforte repariert.“

Mein Taxifahrer musste so losprusten vor Lachen, dass ich mir Sorgen um die Sicherheit im Auto machte. Er lachte Tränen, bestätigte immer wieder die Wahrheit, die in diesem Witz liegt und konnte sich bis zum Flughafen nicht mehr einkriegen.

Als ich dann die 24 Euro für die Fahrt bezahlte und um die Quittung bat, hat er mich wohl vor Lachen und Kichern nicht gehört, mir aber erklärt, dass er sich den Witz merken würde und weiter erzählen werde und rauschte davon.