„Blowin’ In The Wind“ sang Bob Dylan, und Joan Baez sang „We Shall Overcome“. Vielleicht wäre es angebracht, ein Revival zu feiern, und zwar in Erinnerung an diesen Aufbruch in eine bessere Welt, an die Sehnsüchte und Forderungen der damaligen jungen Generation, die sich in einer Zeit politischer Stagnation weltweit für Frieden und Gerechtigkeit engagiert hat.

Inzwischen sind die 68er siebzig Jahre alt geworden, und eine der Aktivistinnen aus der Berliner Kommune 1, Uschi Obermaier, erfreute uns mit dem Satz: „Das war eine geile Zeit“. Nun gut, wenn das heißen soll: frei sein, unabhängig, aufatmen, gegen Krieg, Unterdrückung und für soziale Gerechtigkeit sein, wäre dem zuzustimmen.

Von konservativen Kreisen verteufelt, ist heute kaum mehr bekannt, was 1968 alles auf den Weg gebracht wurde: in Staat und Gesellschaft, in den Universitäten, den Kirchen, in Bildung, Wissenschaft, Kunst und Kultur, Justiz, Medizin, Presse und Film, in der Musik, Literatur und so weiter.

Vergessen sind Notstandsgesetze, Remilitarisierung, Spitzeleien, Telefonüberwachung, Berufsverbote oder die Übergriffe von Polizei, Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst. Vergessen ist die „bleierne Zeit“ mit Altnazis wie Globke, Kiesinger, Filbinger, und vergessen sind auch die albernen Phrasen der Adenauer-Zeit, der Muff unter den Talaren, die Doppelmoral und diese bigotte Aufgeblasenheit der fünfziger und sechziger Jahre.

Jetzt ist vieles von dem, wogegen so erbittert demonstriert wurde, wieder aufgelebt. Die Reaktion marschiert, aber es gibt kaum Widerstand gegen Spitzeleien, flächendeckende Überwachung, Militarisierung und die Aggressionspolitik der USA mit der von ihr dominierten NATO.

Viele der Vorstellungen von 1968 sind während des „Marsches durch die Institutionen“ verloren gegangen und von Politikern wie Angela Merkel, Joschka Fischer, Margaret Thatcher, François Hollande, George W. Bush oder Barack Obama ausgelöscht oder ins Gegenteil verkehrt worden. Hinzu kommt, dass die Medien nicht nur in Deutschland als sogenannte vierte Gewalt im Staate versagen.

Es erscheint dringend geboten, dagegen aufzustehen, Perspektiven zu erkennen und aus einer neuerlichen politischen Rückschrittlichkeit und Stagnation herauszukommen.

Wolfgang Bittner , Göttingen, im April 2018

Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. 2017 erschien von ihm im Westend Verlag eine überarbeitete und um 111 Seiten erweiterte Neuausgabe seines Buches „Die Eroberung Europas durch die USA“.

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