- Von Bruno Hidding -

Endlich geht es los mit der Fußball-WM in Südafrika. Die Begeisterung schlägt sogar im ansonsten wenig euphorischen Deutschland hohe Wellen. Und was war vor vier Jahren vor der WM im eigenen Lande? Wir fingen uns eine Rüge von Fifa-Präsident Joseph Blatter ein, dass wir Deutschen uns doch bitte schön etwas begeisterter zeigen sollten über die anstehende Fußball-WM in unserem Lande. Das ist vorbei. Und der Schreiber dieser Zeilen, von altersher sowohl der Species der Kick- als auch der Börsenbegeisterten zugehörig, hegt die Hoffnung auf eine double-win-Situation, also an der Börse und bei der WM.

Auch ein „Kick“ für die Konjunktur?

Und sofort steht bzw. stand die alte Frage im Raum, ob die WM-Kickerei auch ein Kick für die südafrikanische Konjunktur und ausgewählte Unternehmen bringen wird oder schon gebracht hat. Was die Konjunktur angeht, ist es wie immer. Die Meinungen gehen auseinander.  Erfahrenen Analysten ist bewusst, dass der Faktor Fußball-WM nur ein vorübergehender und nur ein Faktor von vielen in der komplexen Börsen-Gemengelage ist, dessen Gewicht schwer zu bestimmen und zum anderen ein Faktor ist, der selektiv bei den Branchen und Unternehmen analysiert werden muss. Und das Dumme ist, dass dieser Einflussfaktor immer gewichtiger wird, je erfolgreicher die Heimmannschaft abschneidet.

Wenn Deutschland Weltmeister würde, sollte die Konjunktur einen deutlichen Impuls erfahren, hieß es vor vier Jahren. Gleiches sollte nun für Südafrika gelten. Eine Unsicherheit, die die Arbeit der Analysten nicht einfacher macht, zumal das Auseinanderdividieren bzw. besser Aufaddieren der Faktoren WM-Erfolge, fester Rand zusammen mit dem politischen Unsicherheitsfaktor Südafrika kaum rechenhaft ist. Das erfordert den ganzen Mann bzw. Analysten. Amerikaner würden wieder den one-handed-analyst suchen, damit dieser nicht immer anmerkt, „on one hand, on the other hand“ (einerseits und andererseits), sondern Tacheles redet und sagt, was Sache ist.

Bei den von der WM profitierenden Sektoren steht bei den Analysten natürlich die Sportartikelbranche mit Adidas, Nike etc. an vorderster Stelle, gefolgt von Medien & Entertainment, Konsumelektronik, Einzelhandel, Transport & Logistik sowie der Bauindustrie.

Sponsoren sind keine Wohltäter, sie wollen Rendite

Und die vielen WM Sponsoren, die die WM mit hohen Millionenbeträgen Euro „unterstützen“, tun dies nicht aus lauter Sportbegeisterung, sondern erwarten einen oft erstaunlich gut kalkulierbaren Zusatz- bzw. Grenznutzen. Was liegt da näher für Börsianer, als sich auch die börsennotierten Sponsoren anzusehen und auf ihre spezifischen WM-Chancen abzuklopfen.

Never change a winning team

Zuzustimmen ist der Analysten-Feststellung, dass die Gegenüberstellung von Börsenwelt und Fußballwelt überraschende Parellelen zutage fördert. Schließlich wollen Börsianer und Kicker gleichermaßen eines, nämlich gewinnen. So steht der Kicker-Weisheit „Never change a winning Team“ auf Börsenseite das „Gewinne laufen lassen“ bzw. „the trend is your friend“ gegenüber.  Und auch bei den weniger intelligenten Sprüchen stehen dem “der Ball ist rund” oder “wichtig ist auf`m Platz“ die „Börsenweisheiten“ „unten kaufen, oben verkaufen“ oder „greife nie in ein fallendes Messer“ gegenüber. Und der weitere Börsenverluste verhindernden „Stopp-loss-order“ ist die Trainerentlassung bei den Kickern gleichzusetzen. Also mehr oder weniger intelligente Parallelen überall. Lesen Sie hierzu auch den Beitrag von Ex-Fußballprofi Oliver Roth, Chefhändler der Close Brothers Seydler Bank AG in der Börsen-Zeitung auf Seite 8 der Beilage vom 5. Juni „ Richtige Entscheidungen sind auf Rasen und Parkett die halbe Miete“.

Schon winkt die WM in Brasilien 2014

Aber natürlich stehen dem sport- bzw. kick-begeisterten Investor viele weitere Anlagemöglichkeiten in der kreativen Welt der Zertifikate zur Verfügung, um auch finanziell – hoffentlich – von der Fußball-WM zu profitieren. Ein Zertifikat der WestLb (699888) eröffnete schon 2005 die Möglichkeit, auf die WM 2010 in Südafrika zu setzen. Denkbar scheint, so hieß es damals, dass eine solche Fußball-Weltmeisterschaft in einem Land wie Südafrika vergleichbar wesentlich stärkere konjunkturelle Auswirkungen entfaltet als beim Exportweltmeister Deutschland. Aber der damalige Schein hat getrogen. Das Zertifikat hat den Anlegern mehr graue Haare als Begeisterung gebracht, auch wenn es sich zuletzt erholte. (Vergleichen sie meinen cashkurs-Beitrag vom 1.2.2010). Und schon gibt es erste Zertifikate auf künftige Fußball-Großereignisse. Mit Blick auf die Europameisterschaft 2012 in Polen brachte die Erste Bank den „Poland Winner“ ( AT0000A05J64). Die WestLB bietet das Brazil 2014 Active Basket Zertifikat (DE000WLB7PV5).

Nicht übernehmen können die Südafrikaner wahrscheinlich, ähnlich wie Deutschland dies 2006 nicht konnte, die französischen Erfahrungen nach der Fußball-WM 1998 im eigenen Lande. Der WM Titel löste ein monatelang anhaltendes Stimmungshoch aus. Die Arbeitslosigkeit ging zurück und, man höre und staune, die Geburtenrate stieg. Doch mit der Geburtenrate hat Südafrika sowieso keine Probleme. Aber vielleicht können unsere Jungs ja über ein gutes Abschneiden in Südafrika und die dann entstehende Euphorie hierzulande auf ungewöhnliche Art und Weise einen kleinen Beitrag leisten zur Lösung der Probleme unserer Rentenversicherung?

Fußball – vorübergehend – im Mittelpunkt des Interesses

Eigentlich ist es doch schön, dass in den kommenden Monaten einmal eine Sportart im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht. Die ökonomischen Auswirkungen sind, wie angedeutet, außergewöhnlich breit und sprengen sicher noch den hier beschriebenen Rahmen. Insofern ist es nur logisch, dass sich Anleger, Analysten und auch die Börsen selbst über dieses Ereignis Gedanken machen und versuchen, es optimal in ihr Tun und Handeln einzubauen. Wenn die eigentlich weniger als verspielt geltende Börsen-Zeitung am 5. Juni 2010 soeben eine 8-seitige Sonderbeilage „Finanzen & Fußball“ herausgebracht hat, so zeigt dies die Börsenrelevanz auch dieser Fußball-WM.

Ökonomen sehen Deutschland auf Rang sieben

Und schlaue Ökonomie-Professoren präsentieren auch schon in einer Analyse der UniCredit den Top-Favoriten. Ihre Grundidee ist folgende: „Die Stärke einer Mannschaft spiegelt sich am Besten in dem Transferwert ihrer Spieler wider. Auch auf dem internationalen Transfermarkt gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Je höher der Preis für einen Spieler, desto größer werden seine fußballerischen Fähigkeiten eingeschätzt. Basierend auf diesem Kriterium ist Spanien mit einem Mannschaftswert von 650 Mio. Euro unangefochten Titelfavorit. Danach folgen England(448 Mio.), Frankreich (367 Mio.), Brasilien (353 Mio.), Argentinien (347 Mio.) und Italien (319 Mio.). Deutschland landet mit 292 Mio. Euro auf Rang sieben.“ Früher hieß es, elf Freunde müsst ihr sein, nicht elf Großverdiener, was den Charakter der Mannschaftssportart unterstreichen sollte! Schaun wir mal.

Und ebenso logisch ist, dass Börsengesellschaften aus einem Ereignis, dass so hohe Wellen schlägt und so viel Geld in Bewegung bringt, das Beste herausholen wollen. Aber für die Unternehmen ist die WM ein mehr oder weniger kurzzeitig wirkender, zusätzlicher Einflussfaktor. Dann geht der Alltag weiter. Business as usual, denn für die Unternehmen ist im internationalen Wettbewerb immer WM, open end.