Russlands Industriesektor hat im Monat Juni nach langer Zeit wieder auf den Wachstumspfad zurück gefunden. Wie eine jüngste Umfrage von Markit zeigt, zieht die heimische Nachfrage in Russland anscheinend wieder an.

So schaffte der Einkaufsmanagerindex im Juni einen Sprung über die Marke von 50 Punkten, die Wachstum von einer Kontraktion trennt. Mit 51,5 Punkten zeigte sich das Ergebnis im Juni deutlich verbessert im Vergleich mit dem Vormonat (49,6 Punkte).

Gleichzeitig erreichte der Index sein höchstes Niveau seit November 2014. Bei Markit hieß es, dass Russlands Industriesektor im Juni einen der prosperierendsten Monate innerhalb der vergangenen zwei Jahre verzeichnet habe.

Besonders deutlich zulegen konnten die Subsektoren Produktion, neue Auftragseingänge und Beschäftigung. Wie sich zeigt, ist es die heimische Nachfrage, die Russlands Industriesektor im Juni belebte.

Von den Exporten lässt sich dies nicht behaupten, da die neuen Auftragseingänge im Bereich des Exportgüterwesens abermals zurückgingen. Trotz allem zeigt man sich bei Markit davon überzeugt, dass Russlands Industriesektor einer Stabilisierung der Aktivitäten wieder recht nahe sei.

Aus diesem Grund sei mit einem höheren Zuwachs im 2. Halbjahr zu rechnen. Hand in Hand mit einer zulegenden Produktion und einer heimischen Nachfrage verstärkte sich jedoch auch der Preis- und Inflationsdruck.

Im Produktionssektor kletterten sowohl die Einkaufs- als auch die Verkaufspreise, für welche die befragten Unternehmen gestiegene Rohstoffpreise verantwortlich machten. Analysten erklärten, dass sich die wirtschaftliche Lage in Russland zunehmend stabilisiere.

Die durch westliche Sanktionen und stark gesunkene Öl- und Gaspreise getroffene Wirtschaft Russlands könnte das Durchschreiten des Talbodens schon zu einem viel früheren Zeitpunkt vollzogen haben als es einstige Prognosen vorausgesehen hatten.

Trotz allem gab sich die russische Zentralbank in einem separat veröffentlichten Statement weniger optimistisch im Hinblick auf die absehbare Preisentwicklung. Vielmehr wird im zweiten Halbjahr mit deflationären Tendenzen gerechnet.

Grund ist eine ausgesprochen gute Ernte im Korn- und Getreidesektor. Zentralbankchefin Elvira Nabiullina erklärte, dass deflationäre Entwicklungen auf Wochenbasis möglich seien.

Doch der so genannte Prozess einer Disinflation sollte der Zentralbank Spielraum geben, um den eigenen Leitzins im 2. Halbjahr in mehreren Schritten zu senken, so Nabiullina.

Analysten gaben daraufhin bekannt, dass sich die anhaltende Schrumpfung in Russlands öl- und gasabhängiger Wirtschaft im Fall von Zinssenkungen minimieren dürfte.

Momentan befindet sich der Schlüsselleitzinssatz in Russland bei 10,5% – und somit noch immer weit oberhalb des Niveaus von 6%, bei dem die Zentralbank die Inflation zum Ende dieses Jahres verortet.

Nabiullina gab auch ein Statement zu den bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und Russland ab.

Mit Blick auf sich voraussichtlich bald normalisierende Beziehungen zwischen beiden Staaten studiere die russische Zentralbanken die potenziellen Auswirkungen einer bevorstehenden Aufhebung des Lebensmittelimportbanns in Bezug auf die Türkei.