Die Zeitungen sind voll von Schlagzeilen, die offen vom Ende des Euros sprechen. Viele Menschen haben mehr und mehr Angst vor dem sich abzeichnenden Systemende und natürlich Furcht, ihr Erspartes zu verlieren. Kaum jemand traut der Politik noch zu, die Geldsystemkrise nachhaltig lösen zu können. Doch noch ist nicht aller Tage Abend.

Vielleicht unterliege ich einem Fehler meiner Wahrnehmung, aber Dachdecker scheinen dieser Tage unglaublich viel zu tun zu haben. Entweder sind mir die vielen Werbeplakate der Bedachungsfirmen an Häusern früher einfach nicht aufgefallen oder es ist tatsächlich so, dass die Leute begonnen haben, ihr Geld in Immobilien und Sachwerte anzulegen. Nicht nur der Immobilienboom in den guten Lagen der Großstädte spricht dafür, auch die Nachfrage nach Gold stieg im dritten Quartal 2011 um 146 Prozent gegenüber Q3 in 2010. 59,3 Tonnen an Goldbarren und Bullionmünzen wurden im Juli, August und September 2011 in Deutschland abgesetzt, wobei es sich hierbei um einen Anstieg von 241 Prozent gegenüber dem Vorjahresqurtal handelt, wenn man die Verkäufe in bedruckter Baumwolle bewerten möchte.

http://www.goldreporter.de/gold-verkauf-in-deutschland-bestes-quartal-seit-ende-2008/gold/16481/

Inflationsängste und damit Furcht vor der Entwertung des Geldes nehmen immer mehr zu. Doch auch wenn die Flutungen des Geldmarktes durch die EZB und andere Notenbanken an den Börsen wieder einmal für ein kurzes, heftiges Strohfeuer gesorgt haben, sollte man immer im Blick haben, dass unser Geldsystem auf zwei Geldkreisläufen aufgebaut ist.

Die Versorgung der Banken mit Zentralbankgeldliquidität führt zunächst einmal nur dazu, dass Banken und Zentralbanken untereinander zahlungsfähig bleiben. Überschüssige Liquidität führt zu Inflation an den Börsen und Rohstoffmärkten und schlägt natürlich auch auf die Preise bei Öl, Lebensmitteln und anderen Rohstoffen durch. Doch solange keine zusätzliche Liquidität bei Firmen und Konsumenten in Form einer massiven Kreditausweitung oder höheren Löhnen ankommt, entstehen nur kurzzeitige Blasen, die früher oder später zusammenbrechen müssen, weil das Geld in der Realwirtschaft fehlt. Man kann sein Geld nur einmal ausgeben und deswegen führen beispielsweise höhere Benzinpreise letztendlich nur dazu, dass Verbraucher entweder weniger Auto fahren oder an anderer Stelle im Konsum Einsparungen vornehmen müssen. Eine Folge der Ausweitung von Zentralbankgeld besteht also in einem sinkenden Lebensstandard der Bevölkerung.

Viele Wege führen nach Rom. Sagt man. Doch mittlerweile gibt es nur noch wenige Möglichkeiten, um das Eurosystem und die Währungsunion nicht von heute auf morgen zusammenbrechen zu lassen. Zwei davon dürften ehedem das Systemende nur zeitlich verzögern. Ein Vorschlag lässt langfristige Perspektiven zu.

Die drei Alternativen sind:

-             Einführung von Eurobonds

-             Ausstattung des EFSF-Rettungsschirms mit einer Banklizenz

-             die EZB wird zum Staatsfinanzierer

Am schnellstens dürfte der Euro in die Geschichtsbücher eingehen, wenn man tatsächlich glaubt, dass eine Vergemeinschaftung der Schulden durch Eurobonds nachhaltig das Problem der Staatsverschuldungen lösen könnte. Tatsächlich würde auch diese Konstruktion schnell zu geringerer Nachfrage und stark steigenden Zinsen auf dem Sekundärmarkt führen, da jedem, der bis drei zählen kann, klar sein dürfte, dass dadurch kein einziges Problem der unterschiedlichen europäischen Volkswirtschaften, die unter einer Eurodecke stecken, gelöst werden kann. Im Gegenteil werden durch Eurobonds die in der Wahrnehmung der Finanzmarktteilnehmer noch starken Staaten mit in den Zinserhöhungsstrudel der schwächeren Volkswirtschaften gerissen.

Genauso sieht es aus, wenn man den mit einer Banklizenz gehebelten EFSF zu einer „Bad Bank” für europäische Staatsanleihen macht. Die Zinsen am Sekundärmarkt würden aufgrund drohender Staatspleiten genauso nach oben schießen, als wenn eine andere Geschäftsbank die faulen Staatspapiere in ihrem Portfolio hielte. Der EFSF vergemeinschaftet ebenso wie Eurobonds die Schulden verschiedener Länder und löst nicht die Ungleichgewichte der Euro-Zone, die durch die Einführung des Euro und die Unmöglichkeit einer Abwertung von Landeswährungen erst geschaffen wurden. Zwar würden die schwachen PIIGS-Staaten zunächst gestärkt, doch gleichzeitig stärkere Länder und vor allem Deutschland geschwächt.

Kommen wir nun zur letzten Möglichkeit, die meiner Meinung nach gute Chancen hat, Wirklichkeit zu werden. Wir sprechen davon, dass  Staaten sich künftig direkt bei der EZB refinanzieren können. Nicht nur Gregor Gysi stellt diese Möglichkeit als ultimative Lösung im Bundestag vor, auch Peer Steinbrück hält dies für einen Ausweg.

Steinbrück: EZB könnte zum Staatsfinazierer werden

Gysi: Die Staaten müssen aus ihrer Abhängigkeit vom Finanzmarkt befreit werden

Zum einen würde die Macht der Rating-Agenturen beschnitten, denn es könnte den

Staaten egal sein, mit welcher Buchstabenkombination ein Staat stigmatisiert würde. Zum anderen würde es bedeuten, dass Staaten keine Zinsen mehr für ihren Kreditbedarf bezahlen würden, auch wenn die EZB pro forma Zinsen berechnen würde. Die EZB ist im Eigentum der nationalen Notenbanken und Gewinne der EZB werden anteilsmäßig an diese ausgeschüttet. Der Anteil der Deutschen Bundesbank beläuft sich auf 27 Prozent, was nichts anderes bedeutet, als dass ihr auch in dieser Höhe Gewinne der EZB zu Gute kommen. Die Deutsche Bundesbank ist wiederum verpflichtet, ihre Gewinne dem deutschen Staatshaushalt zukommen zu lassen, weshalb also die Zinsausgaben wieder an die Bürger des Staates zurückfließen würden.

Dieser Weg wäre durchaus gangbar und würde in Verbindung mit einer vierten Gewalt im Staate - die unabhängig von der Politik über Kreditvergaben an Staaten entscheidet - nicht nur teils den Forderungen der Monetative entsprechen, sondern auch das Währungsamt von Silvio Gesell Wirklichkeit werden lassen. Auch wenn die Vertreter der Österreichischen Schule jetzt aufschreien und sich gegen staatliches Zwangsgeld wehren: die Aufhebung der zweiten Stufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion vom 1. Januar 1994, die das Finanzieren von Staaten durch Notenbanken verbot, wäre der erste Schritt zu einem freien Währungswettbewerb. Das Recht der Bürger, sich selbst Geld zur Verfügung zu stellen - ohne dafür Zinsen an private Geschäftsbanken zahlen zu müssen - wäre wieder hergestellt.

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