Während der allgemeine Medienkanon derzeit mit dem B-Movie „Man lebt nur zweimal“ beschäftigt ist, vollzieht sich eine deutlicher werdende Spaltung der Partygesellschaft in den USA. Einmal abgesehen von Dow und Co ist von blühenden Landschaften in Übersee wenig zu sehen. Auch vom Kreditmarkt kommen –wenig erstaunlich - keine Wachstumsimpulse. Die Emissionstätigkeit in schwächeren Kreditsegmenten mag zunehmen, allerdings werden hauptsächlich Refinanzierungen vorgenommen. Alte Schulden werden zu günstigen Bedingungen (für die Emittenten) gerollt. Investitionen haben, genauso wie Ansätze eines strukturellen Wandels, Seltenheitswert.

Die Schere zwischen den Einkommen der Bürger klafft unterdessen soweit auseinander, dass sich die Frage stellt, ob die einzelnen Bestandteile überhaupt noch zu einer Schere gehören oder ob zwei Scherenhälften in vollkommen verschiedenen Galaxien verglichen werden. Die mediale Präsenz der am besseren Ende der Schere positionierten Gestalten ist jedenfalls höher, als der anderer Schichten. Der Einfluss auf die Nachrichtenlandschaft hält sich bei der Kundschaft öffentlicher Suppenküchen bekanntermaßen in engen Grenzen. Allenfalls bei Umfragen – oder in späteren Stadien bei Kundgebungen – sind die Stimmen breiterer Schichten deutlicher zu vernehmen. Ob diese Stimmen es auch in den Äther schaffen ist allerdings eine ganz andere Frage.

Immer wieder erhellend sind die Ergebnisse der von Gallup durchgeführten Befragungen. Leider können auch erhellende Daten zu düsteren Situationsbeschreibungen führen. Von einer breit angelegten Erholung der US Wirtschaft, die auch nur annähernd zur oft etwas tumb daherkommenden medialen Aufschwungsrhetorik passen würde, ist in den zahlreichen Auswertungen keine Spur zu finden. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Beurteilung der ökonomischen Zukunft.

Nur noch 27% der Befragten sagen, die Situation bessere sich. Damit ist ein neues Jahrestief erreicht. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum brach die Zahl der Optimisten um 14% ein, was einen Rückgang um mehr als ein Drittel bedeutet. Während der große Vorsitzende der Fed scheinbar noch immer daran glaubt, es gäbe nirgendwo ein free lunch außer beim munteren Gelddrucken, steigen die Energiepreise rasant an und reißen tiefe Löcher in die Kassen der Bürger.  Der Vergleich der Energiepreise in den vergangenen Jahren zeigt einen rasch wachsenden Kostenblock.

Kurz erwähnt sei an dieser Stelle der für viele Bundesbürger sicherlich erstaunlich geringe Steueranteil von schlappen 12%. Da ist angesichts der desolaten Haushaltslage bestimmt noch ein bisschen Luft nach oben.

Der Anstieg der Treibstoffpreise ist in der Tat beeindruckend, vor allem im historischen Kontext darf man beim Anblick der Preiskurve durchaus ins Staunen geraten. Fast vermisst man die Krakeeler, die das allgegenwärtige Wort der „Blase“ herausposaunen. Spritblase, klingt interessant.

Knapp unter $4 lag der Gallonenpreis zu Beginn des Monats Mai. Die Projektionen der Energieagentur für 2011 und 2012 sind damit bereits deutlich übertroffen worden. Der Benzinpreis in den Staaten hat damit seit 1990 um gut 220% zugelegt.

Zur Einordnung: An den Zapfsäulen der BRD stiegen die Preise im gleichen Zeitraum um 150%. Bereinigt um die Inflation – also real -  liegen die Preise bei einen Niveau von $4 nicht einmal 20% über dem Gipfel im Jahr 1980. Es braucht folglich nicht sonderlich viel Fantasie, um sich auch deutlich höhere Preise vorstellen zu können. Zu welchen Kapriolen Rohstoffpreise in der Lage sind, ist mittlerweile vielen Menschen bewusst geworden. Angesichts der vollständigen Abhängigkeit der etablierten Volkswirtschaften von billigen Energieträgern ist durchaus noch mit schmerzhafteren Entwicklungen zu rechnen.

Zu allem Elend gesellt sich in den Reigen der anziehenden Lebenshaltungskosten auch ein mittlerweile durchaus ernstzunehmender Zinsanstieg am langen Ende, der sich auf die Hypothekenraten auswirkt. Bei einer $300.000 Hypothek kommen da schnell mal $300 an zusätzlicher monatlicher Zinsbelastung zusammen, eine unschöne Sache bei stagnierenden Einkommen. Da Immobilien zudem ein überaus zinssensitives Investment sind, ist mit einer Renaissance dieses Segments in den US vorerst nicht zu rechnen.

Auch die immer wieder schön klingenden Daten aus dem US Einzelhandel müssen mit Vorsicht genossen werden. Der Trend der Schließung zahlreicher Malls und Einzelhandelsgeschäfte ist weiterhin intakt. Scheinbar gute Entwicklungen in diesem Segment sind absurderweise oft den vielen Pleiten geschuldet. Ein Einzelhändler der bankrott geht, fällt aus der Statistik heraus. Schlecht für ihn, gut für die verbliebene Konkurrenz. Auf diesem Wege werden die Daten immer wieder um die schwächsten Betriebe bereinigt. So klappt’s dann schon mit dem Aufschwung. Zumindest auf dem Papier.