Jüngste Kommentare des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin weisen darauf hin, dass auch die Staatsführung des Moskauer Kremls bald politischen Druck ausüben könnte, um die eigene Zentralbank zu Zinssenkungen zu bewegen. Laut Putin steht Russland in den nächsten Jahren ein Umbau seines Wirtschaftsmodells bevor. Sein Land müsse sich endlich von einem reinen Rohstofflieferanten hin zu einem Magneten für Auslandsinvestitionen entwickeln, wovon Putin sich eine Ankurbelung des heimischen Konsums verspricht. Russlands Wirtschaft benötige keine auf Spekulationsgeschäften basierenden Kapitalzuflüsse, sondern weitaus mehr Direktinvestitionen.

Ähnliche Pläne verfolgt man auch in China, wo die kommunistische Staatsführung seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 darum bemüht ist, ihre zu exportlastige Wirtschaft zugunsten eines Marktes umzubauen, die sich durch einen stetig wachsenden Konsum der heimischen Verbraucher auszeichnet. Bislang sind diese Pläne trotz einer rasant wachsenden Mittelschicht eher dürftig ausgefallen. In Japan hat die neue Regierung von Premierminister Shinzo Abe den globalen Währungskrieg befeuert, indem sich die Politik in die Aufgaben der Bank of Japan aktiv einmischt.

Der japanische Yen ist stark überverkauft, doch eine Countertrend-Rally will einfach nicht einsetzen. Japans Währung befindet sich in der 13. aufeinanderfolgenden Woche der Kursverluste / Chart: stockcharts.com

Neuerdings gibt die Politik der japanischen Zentralbank die Leitlinien für ihre Währungs- und Zinspolitik vor, was sich in einem massiven Rutsch der Landeswährung Yen widerspiegelt. Beobachter halten die Unabhängigkeit der japanischen Zentralbank seit Abes Amtsantritt für akut gefährdet. In Russland scheint sich nun auch Wladimir Putin zunehmend Gedanken darüber zu machen, wie die Wirtschaft seines Landes anzukurbeln ist. Im Gesamtjahr 2012 wuchs Russlands Ökonomie laut ersten Schätzungen des Wirtschaftsministeriums nur noch um 3,5% gegenüber dem Vorjahr. Erwartet wurde hingegen ein Wachstum von 5%.

Mit Ausnahme der herben Kontraktion in 2008/2009 entspricht dies dem schwächsten Ergebnis seit Putins erstem Amtsantritt im Jahr 1999. Putin wies vor Kurzem darauf hin, dass die Zentralbank einen Teil der Verantwortung an dieser Entwicklung zu tragen habe. Im September letzten Jahres hob die Bank of Russia ihren Leitzins überraschend auf 8,25% an – laut Regierung ein Fehler, da sich die Kreditvergabe unter den heimischen Banken zusehends reduziere. Dadurch sei wiederum das ökonomische Wachstum des Landes gefährdet.

 An den Finanzmärkten übersetzte sich die öffentliche Kritik Putins an der Zentralbank in stark zunehmende Erwartungshaltungen an eine baldige Senkung der Leitzinsen. Schon im Laufe dieses Jahres wird nun mancherorts mit einer Reduzierung um bis zu 75 Basispunkte (0,75%) gerechnet, wodurch der Zinswettlauf in den Schwellenländern weiter angefacht werden könnte. Momentan fallen die Forderungen Putins unter den Vertretern von Russlands Zentralbank nicht auf fruchtbaren Boden.

Ähnlich wie anfangs im nach und nach eskalierenden Streit zwischen Japans Regierung und der Bank of Japan weisen Russlands Zentralbankvertreter die Forderungen Putins weit von sich. Die Zinsen wolle man erst senken, wenn es Hinweise auf eine nachhaltige Abschwächung der Inflation im Land gäbe. Dazu müsse sich die Regierung jedoch auch an ihre selbst auferlegten Budgetrichtlinien halten. Diese Aussagen dürften durch „König Wladimir“ sicherlich nicht kampflos hingenommen werden. Vielmehr wird mancherorts damit gerechnet, dass auch die russische Regierung die Zentralbank zur Durchsetzung ihrer Ziele schon in naher Zukunft stärker an die Kette legen könnte. Andererseits läuft die Amtszeit von Zentralbankgouverneur Ignatyev Mitte dieses Jahres aus. Putin könnte somit einen Nachfolger inthronisieren, der mit seinen Forderungen zu einer lockeren Geldpolitik besser übereinstimmt. Der Abwertungswettlauf an den Devisenmärkten könnte dadurch neue Nahrung erhalten.