„Es gibt keine Alternativen zu russischem Erdgas“, wie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel – die aktuelle Lage treffend analysierend – jüngst mitteilte. In der Bundesregierung sollte man sich vielleicht Gedanken darüber machen, auf welche Weise sich die Machtverhältnisse in Europa erst verschieben dürften, wenn es, wie russische Medien gestern berichteten, zum Abschluss eines historischen Gasabkommens zwischen Russland und China im Zuge des im Mai in Peking angesetzten Staatsbesuchs von Wladimir Putin kommen wird.

Ich hatte Sie in den letzten Wochen wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass im Osten eine mächtige Energie- und Rohstoffachse am Entstehen ist. Dieser neuen Allianz dürfte auf Basis der aktuellen Ereignisse neben Russland auch China, der Iran, Indien und unter Umständen gar Saudi-Arabien beitreten. Eine Koalition, von der man annehmen muss, dass sie nicht nur auf eine zufriedenstellende Energieversorgung der Koalitionspartner ausgerichtet ist, sondern die man in Washington auch ganz klar als direkten Angriff auf den Petrodollar interpretieren dürfte.

So berichtete die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS gestern, dass der Energiekonzern Gazprom und Chinas Staatsführung zum Abschluss eines historischen Gasabkommens, das seit nunmehr 15 Jahren verhandelt wird, kommen werden. Sein Augenmerk sollte man sicher auf den Monat Mai richten, in dem Russlands Staatspräsident Putin zum Staatsbesuch in Peking zu Gast sein wird. Mitgeteilt wurde, dass dieser Vertragsabschluss, in Russland als „Heiliger Gral“ bezeichnet, nur Auftakt zu einer Reihe von bilateralen Vertragsabschlüssen im Energie-, Industrie- und Rüstungsbereich zwischen beiden Ländern sein werde.

Wie Russlands stellvertretender Premierminister Dvorkovich mitteilte, arbeiteten beide Seiten mit Hochdruck daran, um den ersten Gaskontrakt im Mai zu unterzeichnen. Bislang hieß es . dass einem Abschluss nur noch die Frage des Preises im Weg stünde. China wäre nicht China, wenn es Russland im Angesicht seiner eskalierenden Auseinandersetzungen mit der EU nicht bereits um einen Rabatt ersucht hätte, dem Gazprom wohl nur allzu bereit nachkommen dürfte.

Zurzeit hielten die Konsultationen zwischen der Gazprom-Führung und deren chinesischen Partnern über Detailfragen an, die bis Mai jedoch ausgeräumt sein dürften. Sollte es zum Abschlusses eines Vertrages im Mai kommen, würden erste Energielieferungen Russlands an China bereits gegen Ende dieses Jahres aufgenommen. Dvorkovich bejahte, dass es zurzeit eigentlich nur noch um das Zustandekommen einer Überstimmung mit Blick auf zukünftige Lieferpreise gehe.

So hieß es jedenfalls nach der Zusammenkunft einer staatlichen russisch-chinesischen Energiekommission, die am gestrigen Mittwoch tagte. Zudem wurde mitgeteilt, dass die russische Firma Novatek kurz vor einem Vertragsabschluss mit China zur Lieferung von Flüssiggas aus der Region Jamal stünde. Auch der Konzern Rosneft befinde sich bereits in einem Stadium fortgeschrittener Verhandlungen – nicht nur mit den Chinesen, sondern ach mit Indien. Ziel ist, die Gaslieferungen Russlands pro Jahr um mehrere Millionen Tonnen zu erhöhen.

Zu einer Vereinbarung zwischen Russland und China sei es bereits mit Blick auf eine gemeinsame Ausbeutung von Gasfeldern im russischen Sibirien gekommen, wie es hieß. Auch im Kohlesektor wollen beide Staaten in der Zukunft ihre Zusammenarbeit verstärken. Dazu wollen Investoren aus beiden Ländern gemeinsam in die Exploration neuer Lagerstätten, Ausrüstungsgüter und den Bau von Stromkraftwerken investieren. Ein Teil dieses erzeugten Stroms soll über neu zu errichtende Trassen nach China geliefert werden.

Tja, werte Leser, machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken zu der Frage, wie isoliert Russland in der Welt dasteht. Die Selbstverleugnung und Hybris unter westlichen Politikmarionetten scheint in der Tat keine Grenzen mehr zu kennen. Gespannt bin ich darauf, um wie viel der Preis für russisches Erdgas an Länder der EU steigen wird, wenn neue Verträge mit China erst einmal unterzeichnet sein werden. Und vor allem darauf, wie lange es dann noch dauern wird, bis Russland, China und weitere Achsenmitglieder ihren Rohstoffaustausch unter Ausschluss des Petrodollars abrechnen werden.

Wie sagte der russische Abgeordnete Michail Degtyaryov jüngst? Wenn sie es im Westen nicht verstehen wollen, dann sollen sie sich im Winter eben zu Tode frieren. Ich glaube, dass die USA und die EU gerade dabei sind, das mit Russland begonnene Spiel um die Throne zu verlieren. Nur gesagt hat es ihnen noch keiner.