Es ist nun zehn Jahre her, seitdem das London Review of Books einen Bericht über die Israel-Lobby von John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt publizierte. Bei beiden Autoren handelt es sich um hervorragende Gelehrte, die an zwei bedeutsamen Universitäten Amerikas aktiv sind. Im darauffolgenden Jahr zeichnete sich der Verlag Farrar, Straus und Giroux durch die Courage aus, ein Buch mit dem Titel The Israel Lobby herauszugeben. Dabei handelt es sich um ein Werk, das es in der Rezensionsspalte von amazon.com schaffte, 357 mit 5 Sternen ausgezeichnete Kommentare einzuheimsen.

Im Hinblick auf das publizistische Werk The Israel Lobby handelt es sich um eine subtile Kritik bezüglich des enormen Einflusses, den der kleine Staat Israel – der sich aus den Landmassen bildet, die einst hilflosen Palästinensern gestohlen wurden – bezüglich der Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika ausübt. Eine vor Wut rasende Israel-Lobby brachte ihren Protest damals tobend zum Ausdruck.

Mearsheimer und Walt wurden als Anti-Semiten gebrandmarkt, die einer Rückkehr von Adolf Hitler das Wort geredet hätten. Auch das im Jahr 2006 erschienene Buch des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter mit dem Titel Peace Not Apartheid wurde durch den Verlag Simon & Schuster herausgegeben und avancierte zu einem New-York-Times-Bestseller.

Israel-Lobby: Dämonisierung Jimmy Carters als Antisemiten

Das Buch erhielt in der Rezensionsspalte von amazon.com 846 mit 5 Sternen ausgezeichnete Kommentare. Carter, der in seiner Amtszeit als US-Präsident sein Bestes gab, um Israelis und Palästinenser zu einem Friedensabkommen zu bewegen, erklärte wahrheitsgemäß, dass Israel die eigentliche Hürde zum Treffen eines solchen Abkommens aufgebaut habe.

Die Israel-Lobby dämonisierte auch Carter, indem sie ihn als Antisemiten bezeichnete. Die im Board des Carter Center aktiven Repräsentanten jüdischen Glaubens traten von ihren Ämtern zurück. Kein Mitglied der Israel-Lobby verfügt über das Format und das Ansehen von Mearsheimer, Walt und Ex-Präsident Jimmy Carter.

Die im Zeichen der Lobby aktiven Mitglieder sind Menschen ohne öffentlichen Stellenwert,  die sich durch Verleumdungen, Beleidigungen und die immerwährenden Versuche der Zerstörung der Reputation von jedermann auszeichnen, der oder die auch nur ansatzweise Kritik an der Vorgehensweise der israelischen Regierung und deren Politleitlinien übt.

Israel-Lobby: Unehrlich, aber sehr effizient

Daraus lernen wir, dass sich die Israel-Lobby nur allzu gut darüber im Klaren ist, dass Israels Verhaltensweise derart schrecklich ist, dass dieses nicht einmal einer noch so sachten Kritik und Analyse standhalten kann. Wir können Moskau kritisieren ohne Gefahr zu laufen als anti-russisch gebrandmarkt zu werden.

Und wir können Washington kritisieren, ohne als anti-amerikanisch gebrandmarkt zu werden. Doch wir können nicht Israel kritisieren ohne als anti-semitisch gebrandmarkt und im selben Atemzug bezichtigt zu werden, einen neuen Holocaust initiieren zu wollen. Nichtsdestotrotz, so wie einst die Gestapo unehrlich, jedoch effizient gewesen ist, verhält sich heute auch die Israel-Lobby unehrlich, dabei jedoch sehr effizient.

Die Lobby hat einen Zustand der Hegemonialität über den amerikanischen Verlag McGraw-Hill hergestellt. Das feige agierende Verlagsmanagement wurde dazu gezwungen, seine eigenen Bücher zu verbrennen und alle angefertigten Kopien eines weitläufig genutzten Textbuchs mit dem Titel Global Politics: Engaging a Complex World zu zerstören.

Wo bleibt eine schärfe Kritik an der Israel-Lobby?

Dieses Textbuch fiel einer Zerstörung anheim, weil es akkurates Kartenmaterial enthielt, das die Transformation Palästinas von einem einst durch Palästinenser bewohnten Landes in ein durch Zionisten okkupiertes Land enthielt. Dieses Land wird heute von einigen wenigen palästinensischen Ghettos durchzogen.

Dieses Kartenmaterial ist überall im Internet erhältlich, so dass alle Universitätsprofessoren, die der Mut noch nicht verlassen hat, ihre Studenten darauf aufmerksam machen können, um dem akademischen Nachwuchs den Weg ins Internet zu weisen. Hier folgt ein Link zu einem Bericht von Lawrence Davidson über die Unterwerfung des Verlags McGraw-Hill zugunsten einer Zensur, welche zum Ziel hat, dieses Kartenmaterial aus den Köpfen der Menschen zu verbannen.

Das Verhalten der Israel-Lobby deutet darauf hin, dass eine weitaus schärfere Kritik an der Lobby von Nöten ist, als diese bislang durch Mearsheimer, Walt und Ex-Präsident Jimmy Carter geäußert wurde. Im Jahr 2007 sah sich die Lobby dazu imstande, bis in die Belange der katholischen Universität DePaul hinein zu intervenieren.

Starker Einfluss der Israel-Lobby sogar auf Anstellungsverhältnisse

Damals gelang es der Lobby, eine Entscheidung des Anstellungskomitees im Hinblick auf eine angedachte Beschäftigung von Norman Finkelstein, einem ausgezeichneten jüdischen Gelehrten mit Schwerpunktwissen um den israelisch-palästinensischen Konflikt, zu revidieren.

Finkelstein wurde durch die Israel-Lobby als Feind Israels gebrandmarkt. Die Feigheit des Präsidenten, der Verwaltung und der Kuratoren der DePaul Universität lassen Rückschlüsse darüber zu, über welche Macht die Lobby verfügt, auf welche diese so stolz ist, die sie in der Öffentlichkeit jedoch immer wieder leugnet.   

Im Jahr 2015 sah sich die Israel-Lobby ebenfalls dazu in der Lage, sich in die internen Belange der University of Illinois einzumischen, um sich gegen einen Anstellungsvertrag zugunsten von Steven Salaita, den dieser bereits akzeptiert hatte, auszusprechen. Salaita hatte zuvor bereits seine Anstellung an der Virginia Tech University aufgegeben und sein Haus verkauft, nur um seine Anstellung durch Phyllis M. Wise, Kanzlerin der University of Illinois, und die Kuratoren der Bildungsstätte widerrufen zu sehen.

Hervorragende Gelehrte werden als Antisemiten diffamiert

Der University of Illinois wurden augenscheinlich hohe Spendenbeträge in Aussicht gestellt, wenn der bereits bestehende Anstellungsvertrag mit Salaita rückgängig gemacht würde. Salaita hatte sich einige Tweets zu Schulden kommen lassen, die Kritik an dem Vorgehen der israelischen Regierung äußerten.

Diese Handlungsweise reichte bereits aus, um den hervorragenden Gelehrten in einen Antisemiten zu verwandeln. Von allen Ländern auf diesem Planeten ist es einzig und allein Israel, das keinerlei Kritik verträgt – und dies nicht einmal seitens ausgewiesener Experten auf Basis von Tatsachen.

Diese Form der Machtausübung ist illegitim und gewissenlos. Die Tatsache, dass sich amerikanische Universitäten und Verlage diesem Machtmissbrauch unterwerfen, deutet einmal mehr auf das Ableben der freien Rede und akademischen Analyse in den Vereinigten Staaten von Amerika hin.

Die Macht der Israel-Lobby als Gefahr für den Staat Israel

Die Macht der Lobby erweist sich als eine Gefahr für den Staat Israel. Die Abhängigkeit der Lobby und der zionistischen Regierung Israels von höherer Gewalt entfremdet diese vom Rest der Welt, erzeugt jedoch eine anmaßende Wahrnehmung der Unverletzlichkeit in Israel selbst. Den Stolz, den israelische Politiker zum Ausdruck bringen, wenn es um deren Fähigkeit geht, die US-Außenpolitik zu kontrollieren und der Stolz, den die Israel-Lobby versprüht, wenn es um deren Einfluss auf Anstellungsentscheidungen von US-Universitäten und grundlegende Entscheidungen durch amerikanische Textbuchverlage geht, hat eine Form der Arroganz zur Folge, welche die Dinge schlussendlich maßlos überzieht. 

In der Zwischenzeit ist Israel fleißig damit beschäftigt wahre Freunde zu eliminieren, deren konstruktive Kritik darauf abzielt, Israel vor einer Zukunft des Leids und des Elends zu bewahren. Ergebnis wird sein, dass Israel als Land immer stärker in die Isolation abdriften wird.

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