Guten Tag meine Damen und Herren,

sicherlich mit am meisten begeistert hat viele unter uns der Halbfinalauftritt der deutschen Elf in Belo Horizonte gegen den Gastgeber der Fußball WM. Wer hätte schon mit einem derart eindeutigen Spielausgang für Deutschland gerechnet? Freuen wir uns aufs Finale am Sonntag. Das Momentum stimmt schon mal.

Derweil kommt auch wieder etwas Bewegung in die Märkte. Nachdem wir in den letzten Monaten und Jahren im DAX weit nach oben gelaufen sind, sehen wir jetzt zunächst ein technisch bedingtes Durchschnaufen. Noch sind wir weit davon entfernt ins Bärenland abzudriften. Bis zur großen Marke von 9.300 Punkten bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend bestehen, auch wenn die Ziele am oberen Ende nun kurzfristig schwerer zu erreichen sein werden. In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick auf den VDAX-NEW, den Volatilitätsindex. Wir hatten den Index bereits in den letzten Ausgaben als eine Art Angstindikator vorgestellt. Der Index bildet die Schwankungserwartungen am Markt ab und gibt Aufschluss über die Art und Weise der getätigten Absicherungsgeschäfte. Nachdem der VDAX-NEW auf einem sehr niedrigen Wert angelangt war, sehen wir hier wieder eine deutlichere Zunahme. Das heißt, die Erwartungen gegenüber höheren Bewegungen im Markt steigen und diese sind in der Regel eher nach unten gerichtet.

Die Entwicklungen im VDAX-NEW behalten wir für Sie natürlich im Auge.

Einen interessanten Vorstoß wagt derweil der Baseler Ausschuss für Bankenregulierung. Man möchte nun das Nullrisiko für Staatsanleihen überprüfen. Wie Sie wissen, müssen Banken mehr Eigenkapital vorhalten, je riskanter die Investitionen sind, die sie tätigen. Staatsanleihen gelten bisher als absolut sorgloses Investment, weshalb Banken für die Staatsanleihen in ihrem Portfolio auch kein Eigenkapital hinterlegen müssen. Dies soll nun überprüft werden. Aha, so ganz risikofrei scheinen Staatsanleihen also doch nicht zu sein. Falls die aktuellen Diskussionen und Gespräche zu diesem Thema irgendwann einmal zu einem greifbaren Ergebnis kommen sollten und man zu dem Schluss kommen sollte, dass Banken auch für Staatsanleihen Eigenkapital hinterlegen müssen (was durchaus wünschenswert wäre), dann hätte dies sicherlich weitreichende Konsequenzen. Banken würden milliardenschwere Kapitalerhöhungen durchführen müssen und auf der anderen Seite würden Staaten Refinanzierungen wesentlich schwerer stemmen können. Aktuell glaube ich allerdings nicht, dass sich hier etwas ändern wird. Wir freuen uns dennoch über die Erkenntnis der Baseler Bankenregulierer.

Positive Nachrichten gibt es auch zu unserem Finanzminister Herrn Schäuble. Auch wenn ich hier öfter einmal kritisiere, darf man durchaus auch auf positive Entwicklungen hinweisen. Schäuble will die Steuerumgehungstatbestände für große Konzerne angehen. Auch das hatten wir bereits thematisiert. Amazon, Apple, Google und Co. erwirtschaften weltweit große Gewinne. Diese Gewinne werden nicht selten aber in Länder verlagert, in denen die Steuerlast extrem gering ist. Einfach ausgedrückt könnte man von einem „Nehmen ohne zu Geben“ sprechen. Änderungen sind hier mehr als notwendig und Schäuble möchte das Thema nun auf G7-Ebene vorantreiben. Natürlich hätte eine Versteuerung der Gewinne in den in den entsprechenden Herkunftsländern massiven Einfluss auf die Aktien der jeweiligen Konzerne. Sinnvoll wären Änderungen in der Gesetzeslage dennoch allemal, denn die Kunden dieser Konzerne haben nur in den seltensten Fällen die Möglichkeit oder die Dreistigkeit ihrerseits dem Fiskus auszuweichen. Schon interessant, wie wir Kunden Unternehmen feiern, die uns tagtäglich auf der Steuerseite übervorteilen und so die Gesellschaft und damit uns selbst massiv schädigen.

Das große Thema diese Woche, auch wenn es dank Jogis Truppe doch recht weit nach hinten gerutscht ist, waren sicherlich die nächsten Episoden im NSA Skandal. Demnach haben Mitarbeiter des BND für die NSA im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Abhörskandal ermittelt und Mitarbeiter der Bundeswehr waren im Auftrag des amerikanischen Militärgeheimdienstes unterwegs. Die Ausspitzelung geht also munter weiter und ist inzwischen an Skurrilität kaum noch zu übertreffen. Es wird nun von „einem sehr ernsthaften Vorgang“ gesprochen und dass „die transatlantische Freundschaft schaden nehmen könnte“. Wünschenswert wäre, dass hier mal einer auf den Tisch haut. Stattdessen hört man Verwunderung darüber, dass sich die Amerikaner die Mühe der Spionage machen, sie könnten doch einfach direkt fragen, unsere Regierung würde ihnen ohnehin in blindem Gehorsam jede gewünschte Information zukommen lassen. Wir sollten uns endlich davon verabschieden, dass wir mit den USA eine innige Freundschaft haben. Staaten haben keine Freunde, bestenfalls Interessen. Was wir hier sehen ist nichts anderes als ein egoistisches, selbstherrliches Alleingängertum der amerikanischen Führungselite, die Ihre eigenen Werte der Unabhängigkeitserklärung immer mehr mit Füßen tritt.  Grundsätzlich könnte uns dies egal sein, wenn nicht auch wir außerhalb Amerikas die Konsequenzen zu spüren bekämen. Kritik ist hier durchaus legitim. Wir sollten damit aufhören, die US-Elite weiter als unsere Gönner zu betrachten, denen wir wie ein Hund dem Herrchen ständig um die Füße laufen dürfen. Bei Russland scheint uns jede Sanktion willkommen, gegenüber den USA ist uns jedes Wort der Kritik zu viel. Dabei geht es nicht um mehr Washington oder mehr Moskau. Was wir brauchen, ist ein selbstbewusstes, unabhängiges und emanzipiertes Europa, das auf Augenhöhe mit anderen Staaten agieren kann, ohne Angst haben zu müssen, in Ungnade zu fallen. In diesem Zusammenhang macht Frankreich momentan eine deutlich bessere Figur als wir. Und siehe da, aus den USA ist zu hören, dass man mit Deutschland kein „no-Spy“-Abkommen anstrebe, da es ohnehin sehr einseitig wäre. Deutschland spioniert ja nicht in den USA. Da die Franzosen aber sehr viel aggressiver hinter amerikanischen Informationen her sind, hat man ein „No-Spy“-Abkommen mit Frankreich zumindest erwogen. Man sagt es uns sogar direkt: Ihr seid zu blöd, vielen Dank!

Der französische Finanzminister fordert derweil mehr Unabhängigkeit vom US-Dollar. Sie erinnern sich an die knapp 9 Milliarden US-Dollar Strafe für BNP? Das gleiche blüht jetzt der Commerzbank, wenn auch in geringerer Höhe von ca. 500 Millionen US-Dollar. Auch hier geht es lediglich darum, dass die Commerzbank gegen ein einseitig von den USA verhängtes Embargo mit Iran umgangen haben soll. Wer immer auf der Welt mit US-Dollar handelt, unterwirft sich den USA und kann damit nach amerikanischen Recht belangt werden. Selbst wir Europäer handeln untereinander in US-Dollar, wenn wir beispielsweise Flugzeuge miteinander handeln. Warum? Der Euro oder auch der Renminbi sind durchaus gute Alternativen, wenn sie etwas gestärkt würden. Beim Euro haben wir sicherlich noch Baustellen, aber als übergeordnete Abrechnungswährung wäre es durchaus eine sinnvolle Alternative zum US-Dollar.

Das französische Selbstbewusstsein tut Europa gut. Vielleicht zwingen sie uns auf europäischer Ebene dazu unser Lakaientum hintenanzustellen. Merci, Paris!

Abschließend möchte ich nicht vergessen Ihnen noch recht herzlich zu gratulieren. Seit Dienstag arbeiten Sie als durchschnittlicher Steuerzahler für Ihren eigenen Geldbeutel. Zumindest für dieses Jahr. Wenn Sie es etwas positiver ausgedrückt haben möchten, können Sie das Spiel auch umdrehen. Dann hätten Sie das erste Halbjahr für Ihren Geldbeutel gearbeitet. Allerdings würde das auch bedeuten, dass Sie im zweiten Halbjahr nur für den Staat arbeiten. Wie man‘s dreht und wendet, es wird wohl doch nicht besser. Während in Deutschland die Abgabenquote zu den höchsten der Hemisphäre zählt, haben z.B. die Amerikaner ihren „Steuerzahlergedenktag“ bereits am 21. April gefeiert.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und viel Spaß beim Finale!

Herzlichst

Ihr

Dirk Müller