Guten Tag meine Damen und Herren,

die kurze Woche startete direkt mit einem Überraschungsbesuch des „Irren Iwan“. Am Dienstag ging es am Morgen kurz vor 9:00 Uhr steil nach oben auf 11.938 Punkte im DAX-Future. Direkt in den nächsten 15 Minuten danach brach der Kurs allerdings wieder um 200 Punkte ein. An der Börse nennt man so ein Manöver einen „Irren Iwan“, in Anlehnung an den Film Jagd auf Roter Oktober. Es bezeichnet quasi ein Antäuschen in die eine Richtung mit einem darauffolgenden Hakenschlag in die andere Richtung. Wenn solch große Kurssprünge in sehr geringer Zeit stattfinden, dann ist das häufig an einem Trendwendepunkt, an dem man den Markt kurz in die Irre leiten möchte, um dann eine große Trendwende einzuleiten. Die Nachhaltigkeit muss sich in diesem Fall noch beweisen. Aus Sicht der Charttechnik ist eine Trendwende jedenfalls nicht unwahrscheinlich. Nach oben liegt die nächste Marke bei 12.000, nach unten bei 11.600 Punkten. Letztere Marke wurde bereits getestet. Unter 11.600 müsste man sich dann auf weitere 1.000 Punkte gen Süden einstellen. Auch den „Irren Iwan“ können wir durchaus noch ein paar mal in die eine oder andere Richtung erleben, denn schon am nächsten Tag gab es die Gegenvariante. Am Nachmittag eines schwachen Tages, bei dem schon alle Asse bei den Bären lagen, ein plötzlicher Sprung um 200 Punkte nach oben wegen angeblich positiver Gerüchte um Griechenland. Das dürfte nicht die letzte plötzliche Richtungsänderung gewesen sein.

„Strategie haben vor Recht haben“

Egal wo man hinhört, warnen viele große Namen vor einem baldigen Crash oder einer großen Korrektur. Ein Einbruch um 40-50% am Markt wird durchaus diskutiert. Es sind definitiv große Gefahren im Markt. Wir benennen sie hier auch schon seit Monaten bzw. Jahren. Allerdings muss man bei allen Gefahren auch immer wieder aufs Neue hinzufügen, dass wir nicht wissen, wann diese Gefahren zuschlagen. Aber es gibt auch eine andere Lesart. Nämlich, dass wenn so viele Experten von einem Crash oder negativen Entwicklungen ausgehen, auch keine Euphorie im Markt ist und das wiederum eine Grundlage für steigende Kurse sein mag. Kurzum: niemand kann Ihnen sagen wohin die Reise geht. 1.000 Punkte hoch oder runter, oder vielleicht auch ein Schnaps mehr, alles scheint möglich. Daher geht es wie immer  nicht ums „Recht haben“, sondern ums „Strategie haben“. Egal was passiert, sauber aufgestellt sein heißt die Devise, und mit Aktien und den entsprechenden Absicherungen ist das sicherlich nicht der verkehrteste Weg.

Euro wieder unter Druck

Der Euro bleibt weiter unter Druck. Was war passiert? Über das lange Wochenende hat sich Fed-Chefin Janet Yellen wieder einmal zu Wort gemeldet. Nachdem es in der letzten Woche hieß, dass eine Zinserhöhung erst 2016, wenn überhaupt, anstehen würde, meint Yellen jetzt, dass 2015 bereits eine Erhöhung möglich wäre. Heute dies, morgen das. Hier verhält es sich ähnlich wie mit Griechenland. Einmal heißt es man würde zahlen, dann wieder nicht, dann doch, dann wieder nicht... Wir sollten diese Meldungen schlichtweg ignorieren und warten, was am Ende rauskommt. Der Euro reagiert jedenfalls kaum noch auf kurzfristig positive Meldungen aus Griechenland.

Wird Spanien das neue Griechenland?

Nach den Wahlen in Spanien am vergangenen Wochenende wird nun heiß über die politische Zukunft des Landes diskutiert. Auch hier haben die etablierten Parteien die Ohrfeigen kassiert wie seinerzeit in Griechenland. Und das lässt ahnen was im Herbst bei den großen Wahlen in Spanien kommen mag. Man orakelt nun auch hier über eine neue Regierung, die ggf. alle Uhren auf null stellen könnte, von vorne anfangen und Spardiktaten widersprechen könnte. Dazu die Diskussion der Briten über einen Austritt aus der EU, aus dem Euro können sie ja nicht austreten, den hatten sie ja nie. Schon klasse, wie unsere politische „Klasse“ in Sonntagsreden Europa huldigt und in der gelebten Realität das gemeinsame Haus zusehends einreißt.

Unternehmensmeldungen

Daimler will mit Qualcomm (ein Unternehmen, das wir auch im „Dirk Müller Premium Aktien“ Fonds haben) am vernetzten Auto und an der Induktionsladung für e-Autos arbeiten. Eine ganz spannende Geschichte, wie ich finde. Ohnehin erscheint es immer sehr befremdlich, wenn man Autos an Steckdosen sieht. Wenn das Laden der Fahrzeuge nun per Induktionsladung möglich gemacht würde, wäre das eine sehr reizvolle Entwicklung. Wir sehen hier einen durchaus interessanten Ansatz der Zusammenarbeit der beiden Unternehmen und werden diesen weiter verfolgen.  

Amazon will nun seine Gewinne in Deutschland versteuern. Bisher haben sie dies immer in Luxemburg gemacht, weil dort eine verhältnismäßig niedrige Steuerlast droht. Wir werten das zunächst einmal positiv. Die Frage bleibt nur, warum Amazon sich zu diesem Schritt entschieden hat. Nun ja, welchen Gewinn wollen sie denn versteuern? Bislang gab es ja in den letzten Jahren keinen Gewinn, oder zumindest keinen nennenswerten. Die Deutsche Bank würde wahrscheinlich „Peanuts“ dazu sagen. Entsprechend niedrig ist dann damit auch die Steuerlast. Dennoch stimmt die Richtung. Irgendwann wird Amazon vielleicht auch einmal Geld verdienen und das dann auch hier versteuern. Von daher nehmen wir die Entscheidung erst einmal positiv auf.

EU-weite Mindestkörperschaftssteuer

Ebenfalls positiv aufzunehmen ist, dass die EU jetzt eine Mindestkörperschaftssteuer für Europäische Staaten auf den Weg bringen will. Bis hierhin war es bereits ein langer Weg. Es wäre sehr wichtig, dass dieser Beschluss kommt. Selbst Juncker, der Mann, der einst Luxemburg zur Steueroase gemacht hat, denkt im europäischen Kontext um. Man lernt ja gelegentlich auch im Laufe seiner Karriere dazu. Jetzt möchte man in der ganzen EU eine Mindestkörperschaftssteuer einführen, sodass das gegenseitige Dumping in der bisherigen Form nicht mehr möglich ist. Irland und Luxemburg hätten dann einen Standortfaktor weniger. Es wird  noch ein langer Weg sein, bis es wirklich soweit ist, aber es ist ja auch mal schön zu sehen, dass dieser Weg bereits eingeschlagen wurde. Mehr konnte man im ersten Schritt auch nicht erwarten.

Deutsche Bahn shoppt in China

Die Deutsche Bahn erwägt in den nächsten Jahren chinesische Züge anstatt Züge von Siemens zu kaufen. Vielleicht kommen die Äußerungen daher, dass man sich gerade wieder in Verhandlungen befindet. Sicherlich werden dann auch die chinesischen Passagiere die Deutsche Bahn benutzen, denn die ehemaligen Siemens-Mitarbeiter müssen dann ja auch nicht mehr pendeln. Klar, es herrscht Vertragsfreiheit und man muss an das Wohl des Unternehmens und des Aktionärs (Der Deutsche Staat !!) denken, da kann man auf das Gemeinwohl (Der Deutsche Staat !!) keine Rücksicht nehmen. Ist ja auch ein Nullsummenspiel. Der Deutsche Staat kann ja dann mit dem Mehrgewinn aus der Bahndividende die Arbeitslosenhilfe für die ehemaligen Siemensbeschäftigten bezahlen. Gut, oder doch eine verrückte Welt !? Irgendwie vermisst man das, was einmal die Deutschland AG war und als solche geschmäht wurde. Die gegenseitige Beteiligung und Zusammenarbeit der großen deutschen Firmen. Vielleicht hätte man das nicht vollends zerschlagen sollen, sondern vielleicht sogar zu einer Europa AG erweitern sollen. Zumindest sollte man nicht immer nur die Interessen der Aktionäre berücksichtigen, sondern manchmal auch die der eigenen Gesellschaft voranstellen.

Neue Gedanken zur Abschaffung des Bargelds

Ob aus Österreich, der Schweiz oder den USA... von überall her werden die Diskussionen um die Abschaffung des Bargelds lauter vorangetrieben. Es scheint sich plötzlich ein Sammelsurium an Befürwortern zu finden. Außer ein paar blöden Verbrauchern findet Bargeld plötzlich keiner mehr gut. Aber wen kümmern die schon? Die macht man mundtot, weil ewig gestrig. Man hätte ja viele Vorteile, wie zum Beispiel die Verhinderung eines Bank Runs. Wenn es kein echtes Geld mehr gibt, kann ich auch kein Geld mehr von der Bank abholen. Wir haben dann auch keine Chance, möglichen Minuszinsen oder einer Haftung für die Banken zu entgehen, denn wer kein Bargeld horten kann, der muss sein Geld entweder investieren, oder es den Banken leihen. Man ist also gezwungen, es den Banken zu leihen und damit auch zu haften, wenn diese Banken pleitegehen. Entsprechende Regelungen haben wir ja neu eingeführt. Und dem kann man sich nicht entziehen, wenn man sein Geld nicht mehr abheben kann. Wie wird dann der Staat auf das Ausweichen in Edelmetalle reagieren? Denn das wäre wahrscheinlich die logische Konsequenz. Wenn man sich kein Bargeld mehr unter´s Kopfkissen legen kann, dann macht man das eben mit dem ewigen Geld, nämlich Gold- und Silbermünzen. Wer das Bargeld abschaffen will, um Schwarzarbeit und krumme Geschäfte zu verhindern, der muss in der logischen Konsequenz auch Edelmetalle aus dem Geschäftsverkehr ziehen, oder nicht? Bisher war ein Edelmetallverbot für mich überhaupt keine Option, bzw. ein extrem geringes Restrisiko. Aber jetzt in der Diskussion rund um die Abschaffung des Bargelds wird es durchaus zu einem Thema, das man in seine Überlegungen mit einbeziehen sollte. Gut, die Abschaffung des Bargelds liegt noch ein paar Jahre in der Zukunft. Aber es war doch überraschend, wie schnell und dynamisch diese Diskussion fast zeitgleich aus allen Teilen der westlichen Welt kam.

Und was kommt denn danach, würden tatsächlich die Edelmetalle aus dem Verkehr gezogen werden, was kommt danach? Schwarzarbeit gegen Zigaretten wie zur Nachkriegszeit? Vielleicht tauschen wir unsere Goldmünzen bald gegen Jack Daniel`s Flaschen um, denn dann kann man den Wahnsinn wenigstens leichter ertragen. Wie gesagt, von diesem Thema sind wir hoffentlich noch viele Jahre entfernt und auch ein Goldverbot halte ich noch immer für nicht realistisch.

Pazifikraum rückt ins Visier

Japan beteiligt sich an einer amerikanisch-australischen Truppenübung im Pazifik. Das ist jetzt zunächst nicht so dramatisch. Bei näherem Hinsehen handelt es sich gerade einmal um ca. 40 Soldaten und Generäle, die sich daran beteiligen. Es ist jedoch eine Entwicklung, die man im Auge behalten sollte. Diese zeigt nämlich eine Verlagerung der Machtinteressen in den Pazifikraum. Dort tut sich momentan so einiges. Die Amerikaner haben starke Interessen, die Chinesen werden immer aggressiver und immer territorialer und die Japaner sehen natürlich ihre eigenen Interessen bedroht. George Soros spricht bereits davon, dass ein möglicher 3. Weltkrieg aus der Pazifikregion entstehen könnte, wenn die Chinesen ihre Interessen zu aggressiv durchdrücken würden. Natürlich sagen die Amerikaner, Australier und Japaner, dass diese Übung nicht gegen China gerichtet ist. Ja gegen wen denn sonst? Gegen gefährliche Tintenfische aus der Tiefsee? China dehnt seine Militärpräsenz über die eigenen Grenzen hinaus aus. Auch sie haben neue Doktrinen veröffentlicht. Das Zielgebiet ist jetzt nicht mehr nur die Küstenregion, sondern auch der Hochseebereich, in dem man seit geraumer Zeit künstliche Inseln schafft. Kleine Atolle werden aufgeschüttet, künstliche Landebahnen werden installiert, um so den eigenen Hoheitsbereich auszuweiten. Diese Machtinteressen und -bestrebungen rund um den Pazifik nehmen ganz neue Dimensionen an. Das werden wir sicherlich in den nächsten Jahren noch weiter verfolgen. Noch ist das alles nur Vorbereitung. Verbale Scharmützel hier und da. Ein Abdrängen eines Bombers auf der einen Seite, die Bedrohung eines Spionageflugzeugs auf der anderen Seite. In jedem Fall baut sich hier ein neues Konfliktgebiet auf, das wir im Blick behalten müssen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen der Beiträge und ein schönes Wochenende.

Herzlichst

Ihr Dirk Müller