Westliche Waffen auf aserbaidschanischer Seite

Von diesen „Überzeugungen“, durften sich die Menschen in der Region Berg-Karabach kürzlich ein Bild machen, als sie von den aserbaidschanischen Truppen und dhihadistischen Söldnern angegriffen wurden, flankiert von modernster Waffentechnik aus den Rüstungsschmieden des Westens, unter anderem - aber nicht nur - aus dem NATO-Land Türkei und aus Israel.

Als eines der ältesten christlichen Völker der Welt, hätten es die Armenier besser wissen müssen, als ihr Premierminister Nikol Paschinjan, der seine Bürger über Facebook von dem mit Moskau und Baku ausgehandelten Waffenstillstand informierte, als würde es sich dabei um eine Banalität handeln, dass eine Orientierung nach Westen gefährlich ist, für die Existenz dieses von der Geschichte vergewaltigen Volkes.

Armenische Geschichtslehren - verlasse Dich nicht auf den Westen

Der Untergang des Osmanischen Imperiums, am Ende des 1. Weltkrieges, entfesselte jene tödliche Folgekette, die zu der fast vollständigen Vernichtung der Armenier führte. Ihrer europäischen Territorien beraubt, glaubten die Türken, dass sogar Konstantinopel bedroht sei. Am meisten fürchtete der Sultan Russland, das er verdächtigte, die christlichen Armenier zu protegieren, die in der Tat eine größere Autonomie einforderten. Abdul Hamid wollte das geschwächte Restreich "türkisieren", wo etwa zwei Millionen Armenier lebten. Dabei hatte Armenien schon lange vor der osmanischen Eroberung existiert. Obwohl sie 66 Prozent der Wissenschaftler und drei Viertel der Industriellen des Reiches stellten, galten Armenier als "Feinde im eigenen Land.

Hitler: „Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?"

Der Genozid von 1915-18 wurde jedenfalls nicht durch Apelle des Westens beendet, aber die totale Vernichtung des armenischen Volkes wurde durch die im Südkaukasus vorpreschende Rote Armee gestoppt und die Existenz Armeniens, wenn auch nur im bescheidenen Rahmen einer Sowjetrepublik, garantiert.

Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?" fragte Adolf Hitler am 22. August 1939, wenige Tage vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges, der für Hitler die Durchführung seiner eigenen Massenmordpläne beinhaltete. Hitler glaubte, dass die Mordtaten, die er plante, irgendwann der Vergessenheit anheimfielen, bezog sich daher auf den Völkermord an den Armeniern, der zu diesem Zeitpunkt kaum 20 Jahre zurücklag.

Iran und Russland - Armeniens Schutzmächte

Nein, der Westen stand selten politisch auf der Seite der Armenier, trotz der starken Diaspora im Westen, wo Millionen armenisch stämmige Menschen leben, insbesondere in den USA und Frankreich, aus deren Gemeinschaft Künstler wie der Chansonnier Charles Aznavour, die Sängerin Cher und viele andere hervorgegangen sind. Mit dem Untergang der Sowjetunion, ging auch die Sicherheit der Armenier in dem verwesenden Imperium verloren. Eine historische Parallelität entstand, als zu Beginn der 1990er Jahre Armenien wieder einmal in einer kriegerischen Auseinandersetzung mit einem Turkvolk stand, dieses Mal aber nicht mit den Türken im Westen, sondern mit Aserbaidschan im Osten. Begleitet von Massakern und ethnischen Vertreibungen auf beiden Seiten , war es den armenischen Truppen damals gelungen, ihre aserbaidschanischen Nachbarn und Gegner aus der absurden Enklave Nagorny Karabach zu verdrängen und ein Fünftel der Republik von Baku militärisch zu okkupieren .Ohne Unterstützung aus Iran und Russland, hätte Armenien damals kaum diesen Sieg errungen können. Während Teheran die Versorgungswege nach Armenien über die gemeinsame Grenze offen hielt, unterstützte Moskau Eriwan durch Waffenlieferungen.

Das Great Game

In dem „Great Game“, dem großen Spiel um die Erdgas-Reichtümer des Kaspischen Meeres, hat der Westen sich mehr oder weniger auf die Seite Aserbaidschans gestellt, obwohl das Regime in Baku in keiner Weise westlichen Demokratievorstellungen entspricht, die andernorts - wenn auch höchst selektiv - immer wieder eingefordert werden. „Armenien betet, Aserbaidschan boomt“, so betitelte ich einen Artikel nach meiner Rückkehr aus der Region vor einigen Jahren, eine Überschrift, die auch heute noch von beklemmender Aktualität ist.

Der amtierende Premierminister Armenien Nikol Paschinjan hatte in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, sein Land geopolitisch dem Westen zu öffnen und ging dabei sogar so weit, die seit 2013 bestehende Mitgliedschaft Armeniens in der Eurasischen Union zu annullieren. 2016, als Parlamentsabgeordneter, stimmte er gegen ein armenisch-russisches Abkommen für ein gemeinsames Luftabwehrsystem. Solche Vereinbarung nannte er "Seifenblasen-Sicherheit", man müsse ein eigenes Verteidigungssystem schaffen. Inzwischen dürften seine Seifenblasen, über diese „Seifenblasenträume“ geplatzt sein und von dem Wunsch verdrängt, er hätte damals diesem Verteidigungssystem zugestimmt.

„Was heißt das für mich konkret!?“

Moskau hat sich politisch als Ordnungsmacht im Südkaukasus behauptet. Energisch wurde von Russland die Behauptung des aserbaidschanischen Präsidenten Alijew dementiert, wonach türkische und russische Truppen dort gemeinsam patrouillieren würden.

Alijew entschuldigte sich unterwürfig für den Abschuss eines russischen Militärhubschraubers am letzten Kampftag und kündigte Schadenersatz an. Dies lässt darauf schließen, dass Aserbaidschan und die Türkei momentan eine Eskalation mit Moskau vermeiden möchten. Allerdings wird Russland auch in Zukunft in der Region mit der Türkei rechnen müssen, denn dort überkreuzen sich die geostrategischen Interessen beider bedeutenden Großmächte: Der Westen hat versagt und geht leer aus, was die aktuelle Ausgangslage angeht, gilt dies insbesondere für die Unterstützer Armeniens in Paris und Washington. Erst Recht gilt dies für den armenischen Premierminister Paschinjan: die Orientierung nach Westen ist für Armenien gefährlich.