Verlag: Ullstein

Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2016

Seitenanzahl: 416

ISBN: 978 – 3550081545

Name des Abstract-Verfassers: Oguz Calli

Rezension

Das Buch ist eine Generalabrechnung Noam Chomskys mit der US-Politik. Der wohl bekannteste Intellektuelle der Gegenwart wirft der Weltmacht Rücksichtslosigkeit und Doppelmoral vor. Anhand Beispielen aus dem Nahen Osten, Lateinamerika, Russland und Ostasien zeigt er die kritikwürdigen Handlungsweisen der US-Führung der letzten Jahrzehnte auf. Zwar springt er zwischen den einzelnen Themen hin und her, was auch zu vereinzelten Wiederholungen führt, dennoch bleiben die Zusammenhänge in geschichtlicher und weltpolitischer Hinsicht immer überschaubar. Chomsky besticht durch Recherchetiefe, die auf belastbare Quellen und renommierte Experten zurückgehen. Er bedient sich nicht selten Formulierungen, bei denen ein ironischer und teils gar sarkastischer Unterton mitschwingt. Dessen ungeachtet bleiben seine Argumentationen stets durch eine sehr sachliche Analyse untermauert. In Gedankenspielen werden die Rollen der USA und des jeweiligen Gegenspielers vertauscht, wodurch grotesk anmutende Konstellationen entstehen, aber die Bigotterie der US-Politik offenbaren. Das Buch ist allen zu empfehlen, die sich sachlich, analytisch und kritisch mit der US-Politik sowie ihren Auswirkungen auf die Weltlage auseinandersetzen möchten.

Kernaussagen

  • 1945 erreichte die USA eine beispiellos große Macht. Sie nimmt seitdem zwar ab, aber der weltweite Einfluss der einzig verbliebenen Supermacht ist immer noch enorm.
  • Folter ist ein Paradigma der US-Außenpolitik. Nicht erst seit George W. Bush nach dem 11. September, sondern schon seit dem 17. Jahrhundert, als das Territorium erobert wurde. 
  • Im Konflikt zwischen Palästina und Israel, dem engsten Verbündeten der USA im Nahen Osten, tritt die US-Regierung als Vermittler auf. Doch letztendlich setzt Israel die illegalen Besiedlungen seit Jahrzehnten fort.
  • Die Interventionen des US-Militärs in Nordafrika und im Nahen Osten haben zu zunehmender Gewalt in der Region, zu mehr Terror und zu massenhaften Flüchtlingsströmen nach Europa geführt.
  • Obamas Drohnenfeldzüge sind die extremsten terroristischen Akte in jüngster Vergangenheit, Dadurch werden Menschen ohne rechtliche Grundlage getötet und Zivilopfer bewusst in Kauf genommen.
  • Seit den 60ern förderten die USA brutale Militärdiktaturen in Lateinamerika. Sie brachten sie durch Putsche an die Macht und versorgten sie mit Waffen. 
  • Als sich die USA versuchte den kubanischen Präsidenten Fidel Castro zu stürzen, mischte sich die Sowjetunion ein. Es kam zur Kuba-Krise bzw. zu einer unmittelbaren Atomkriegsgefahr zwischen den USA und der UdSSR im Jahr 1962.
  • Trotz der mündlichen Zusicherung gegenüber Gorbatschow fand die NATO-Osterweiterung statt. Putins Absicht diese Ausdehnung zu stoppen, führte 2008 zum Georgien-Krieg und 2014 zum Ukraine-Konflikt.
  • Das US-Militär baut Stützpunkte im Südchinesischen Meer und den asiatischen Pazifikregionen aus, um die wachsende Macht Chinas einzudämmen. Gleichzeitig investiert Peking gewaltige Summen, um mit einer neuen Version der Seidenstraße in Richtung Naher Osten und Europa zu expandieren.
  • Zwei Probleme sind für die Zukunft der Menschheit von überwältigender Bedeutung: Die Umweltzerstörung und die Gefahr eines Atomkrieges. Die Gefahren eines Atomkriegs sind...

Zusammenfassung

Macht, Einfluss und Eliten

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besaß die USA eine beispiellos große Macht. Die bedeutenden globalen Themen, wie etwa der Nahostkonflikt, der „Krieg gegen den Terror“ oder die Gestaltung des weltweiten Rechtswesens werden weitgehend von ihnen bestimmt. Die Vereinigten Staaten lenken zu einem großen Teil die Organisation der Weltwirtschaft, indem sie den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank faktisch kontrollieren.

Der Einfluss der Wirtschaftseliten auf die Regierungspolitik ist enorm. Gruppen hingegen, die Bürgerinteressen vertreten, haben nur wenig Einwirkungsmöglichkeiten, Durchschnittsbürger gar keine. In Europa ist ebenfalls ein Niedergang der Demokratie zu verzeichnen. Die Bürokratie in Brüssel, die in großem Maße durch einflussreiche finanzielle Kräfte repräsentiert wird, übernimmt generell betrachtet ebenfalls die wichtigen Entscheidungen.

"Über einen langen Zeitraum erweist sich die Wahlkampffinanzierung als bemerkenswert guter Vorhersagefaktor für politische Entscheidungen."

Politik des Folterns und Entführens

Nachdem George W. Bush jr. an die Macht gekommen war und Folter politisch propagierte, wurde ihm und seiner Administration vorgeworfen, die Werte verraten zu haben, die für die „Nation voller Ideale“ typisch gewesen seien. Das gibt ein verzerrtes Bild der US-Geschichte wieder. Seitdem das amerikanische Territorium erobert wurde, war Folter ein fester Bestandteil der Politik. Schon im 17. Jahrhundert wurden Grausamkeiten an den Indianern verübt.

In den letzten Jahrzehnten findet die Folter vorwiegend indirekt statt. Die Anschläge des 11. September 2001 boten dem damaligen Präsidenten Bush einen Vorwand, Folterungen als politisches Mittel weitgehend zu legitimieren. Er griff dabei auch auf die schlimmsten Methoden geistiger Torturen zurück, die vom KGB entwickelt wurden.

Zudem versuchte die Bush-Regierung sich die Macht zu bewahren, Menschen überall auf der Welt zu entführen. Sie können ohne Anklage und Prozess inhaftiert werden. Dazu genügt es sie im Ausland, wie in einem Militärgefängnis in Afghanistan, einzusperren. Einer der erfahrensten US-Verhörspezialisten im Irak fand in hunderten Verhören heraus, dass ausländische Kämpfer in das Land kamen, weil sie über die Misshandlungen - wie etwa in Guantánamo - empört waren. Aus denselben Gründen würde auch häufig Terror in ihren Heimatländern verübt.

Nahost-Verbündete

In den 60ern und 70ern beunruhigten säkular-nationalistische Entwicklungen im Nahen Osten die USA und Großbritannien sehr, weil sie ihre Möglichkeiten gefährdeten, Kontrolle in der Region auszuüben. Sie unterstützten islamische Fundamentalisten, weil sie gegen derartige Bestrebungen in den jeweiligen Ländern ankämpften. Wenn sie ihren Zielen nutzten, wurden gefällige Diktatoren - oder während des Arabischen Frühlings auch entsprechende Kräfte - unterstützt, die für den Einfluss und die Kontrolle durch die USA am empfänglichsten waren.

Der engste Verbündete der Vereinigten Staaten in der Region ist Israel. Politisch gesehen, sind die Beziehungen - insbesondere zur republikanischen Partei - sehr intensiv; wirtschaftlich gesehen, vor allem zu den Hightech-Industrien, mitunter im militärischen Bereich.

In dem seit Jahrzehnten schwelenden Israel-Palästina-Konflikt übernimmt Amerika eine Vermittlerfunktion. Das Oslo-Abkommen von 1993 gilt dabei als Meilenstein. Doch wie sehr kann der Partner Israels hierbei als „ehrlicher Makler“ taugen? Durch die Vermittlung der Vereinigten Staaten konnte nicht mehr erreicht werden als die starke Partei Israel erlaubte. Mit seiner Siedlungspolitik verstößt das Land kontinuierlich gegen UN-Beschlüsse.

"Die Liste israelischer Aktionen, die zum Ziel hatten, drohende diplomatische Einigungen zu verhindern, ist lang."

In Zusammenhang mit Verbündeten der USA im Nahen Osten darf Saudi-Arabien nicht fehlen. Das Land ist islamisch-fundamentalistisch der radikalste Staat. Er missioniert stark und gibt Unsummen an Geld aus, um seine eigenen religiösen Glaubenssätze im Ausland zu verbreiten.

„Der IS ist ein extremistischer Spross des saudischen religiösen Extremismus und dessen Schürens der Flamme des Dschihad.“

Mit der Holzhammerstrategie gegen den Terror

Nach den Aschlägen des 11. September unternahm George Bush keine Anstrengungen, Bin Laden ausliefern zu lassen. Auch nicht Oppositionelle zu unterstützen, um die Taliban von innen heraus zu vernichten. Trotz eindringlicher Warnungen großer Hilfsorganisationen, dass Millionen Hungertote zu erwarten wären, war klar: Bush wollte um jeden Preis angreifen.

Das nächste Land, das die rabiate Holzhammermethode des amerikanischen Militärs zu spüren bekam, war der Irak. Die Invasion führte zu Verwüstung und hunderttausenden Toten. Zudem wurden religiöse Konflikte angeheizt, die die ganze Region noch immer zerrütten.

Ein weiterer Kriegsschauplatz war Libyen, wo die Vereinigten Staaten sowie Großbritannien und Frankreich eine UN-Resolution durchsetzen wollten. Sie verstießen gleich dagegen, indem sie die Rebellen aus der Luft unterstützten, sich quasi in ihre Luftwaffe verwandelten.

Eine enorme Welle von Waffen und Dschihadisten hat Gewalt und Terror von Westafrika bis ans östliche Mittelmeer verbreitet. Die Kriege im Nahen Osten und in Afrika haben massenhafte Flüchtlingsströme in Richtung Europa ausgelöst. In einer Studie von Menschenrechtsorganisationen über die Hauptkriegszonen Irak, Afghanistan und Pakistan wird geschätzt, dass die Kriege mindestens 1,3 Millionen Menschen das Leben gekostet haben.

„Kurzum, die Holzhammerstrategie des Krieges gegen den Terror hat den dschihadistischen Terror aus einem winzigen Winkel Afghanistans auf einen Großteil der Welt ausgebreitet, von Afrika über den östlichen Mittelmeerraum und Südasien bis nach Südostasien.“

2014 ließ Obama die von der Regierung in Auftrag gegebenen terroristischen Operationen von der CIA untersuchen, bei denen die Finanzierung und Waffenlieferungen an Aufständische im Ausland tatsächlich gut funktionierten – was kaum der Fall war. Er gab damit indirekt eine Mitwirkung zu.

Eine weitere Ursache, warum die USA als terroristische Supermacht angesehen wird, sind Obamas Drohnenfeldzüge. Dabei werden ohne gesetzliche Grundlage und „präventiv“ Menschen getötet sowie bewusst zivile „Kollateralschäden“ in Kauf genommen.

Lateinamerika – der Hinterhof der USA

Brutale Diktatoren auf dem südamerikanischen Kontinent wurden von der US-Regierung seit den 60ern unterstützt. Durch einen Putsch wurde 1973 in Chile die Pinochet-Diktatur installiert. Die äußerst verbrecherische Militärdiktatur im Argentinien in den 70ern und 80ern zählte zu Reagans Lieblingsregime in Lateinamerika. Die Junta in El Salvador, deren Streitkräfte von Washington bewaffnet und ausgebildet wurden, hatte Todesschwadronen gegen Aktivisten und Intellektuelle eingesetzt. Schon die Präsidenten Truman und Eisenhower stellten klar, dass Lateinamerika keine „exzessive industrielle Entwicklung“ durchlaufen dürfe, die vitalen US-Interessen in die Quere kämen.

„Während des US-geförderten Staatsterrors in El Salvador hatte das Bataillon [das berüchtigte und sogenannte Atlacatl-Bataillon] schon einige Zeit eine blutige Spur von Tausenden Opfern durchs Land gezogen.“

Von besonderer Tragweite war die Kuba-Krise. Mithilfe von Wirtschaftskrieg, Sabotage und Paramilitärs sollte der kubanische Staatspräsident Castro gestürzt werden. Als für Oktober 1962 eine militärische US-Intervention geplant war, kam die Sowjetunion Kuba zu Hilfe und stationierte Atomraketen auf der karibischen Insel. Das hochbrisante atomare Kräftemessen konnte schließlich beigelegt werden. Die US-Administration billigte zu, veraltete Raketen aus der Türkei abzuziehen, wenn die Sowjets ihr Atomraketen vor der Haustür Amerikas abzögen. Offiziell musste es jedoch so aussehen, als ob die UdSSR kapituliert hätte.

Verlustängste in Ostasien

Weltweit aufkeimender Nationalismus wie in Nahost oder Lateinamerika hätte eine Emanzipation von den USA bedeuten können. Der damit verbundene Verlust von Einfluss war der US-Außenpolitik ein Dorn im Auge. Vor allem, weil er die Gefahr darstellte, dass solche Entwicklungen auch weitere Länder wie einen ansteckenden Virus „befallen“ könnten. Dass Japan sich durch eine Infizierung als industrielles und wirtschaftliches Zentrum innerhalb einer neuer Ordnung in Ostasien etablieren könnte, wurde als ein besonderes Risiko betrachtet.

„1949 erklärte China seine Unabhängigkeit - was in den USA zu erbitterten Schuldzuweisungen führte, in denen es um die Frage ging, wer für den "Verlust" verantwortlich sei.“

Bezüglich der gegenwärtigen weltpolitischen Entwicklungen steht insbesondere China im Fokus. Im Rahmen der „Eindämmung Chinas“ baut das US-Militär riesige Stützpunkte in der asiatischen Pazifikregion und im Südchinesischen Meer aus. Peking ist sich bewusst, dass ihre Seehandelsrouten von feindlichen Mächten umgeben sind.

„Die Welt ist sicherlich vielfältiger geworden, aber trotz des Niedergangs wird es für die USA in absehbarer Zukunft keinen Konkurrenten in Hinblick auf ihre globale Vormachtstellung geben.“

China dehnt seinen Einfluss mit massiven Investitionen in Richtung Westen aus. Zum Teil erfolgt das im Rahmen der Shanghai Cooperation Organization (SCO), dem die zentralasiatischen Staaten, Russland, bald auch Indien und Pakistan sowie Iran als Beobachter angehören. China auch eine moderne Version der Seidenstraße. Dadurch soll der chinesische Einfluss bis nach Europa sowie den Nahen und Mittleren Osten gestärkt werden. Die künftigen Erdöllieferungen vor einer potenziellen Einmischung durch die USA zu schützen, ist ein elementarer Faktor des Megaprojekts.

„Peking pumpt gewaltige Summen in den Aufbau eines integrierten asiatischen Energie- und Handelsnetzes, über ausgedehnte Schnellbahnstraßen und Pipelines.“

2015 gründete China die milliardenschwere Asiatische Entwicklungs- und Investmentbank (AIIB), und ist selbst Hauptaktionär. An der Eröffnung nahmen 56 Nationen teil. Zu ihnen gehörten auch die Großbritannien und Australien. USA und Japan blieben fern.

Die AIIB könnte der IWF und der Weltbank Konkurrenz machen; die SCO könnte sich zur Gegenspielerin der NATO entwickeln.

Über Osteuropa bis an Russlands Grenzen

Nachdem die Sowjetunion auseinanderfiel, wurde ihrem Präsidenten Gorbatschow mündlich zugesagt, dass es keine Osterweiterung der NATO geben würde. Doch dieses Versprechen wurde gebrochen. Der allgemeine Auftrag der NATO wurde geändert. Das Mandat lautete jetzt, die globale Energieversorgung, die Seewege und Pipelines zu schützen.

1991 gingen die jeweiligen Visionen in punkto Sicherheit und politische Ökonomie deutlich auseinander. Gorbatschow war der Hauptfürsprecher für ein „Großeuropa“, das von Lissabon bis Wladiwostok reichen, also quasi den ganzen eurasischen Kontinent umfassen sollte. Auch Putin befürwortet das Konzept und sieht es als eine echte strategische Partnerschaft an.

Der NATO-Führer USA hingegen zog ein „Erweitertes Europa“ vor, dass euro-atlantisch geprägt sein sollte. Sie gingen davon aus, dass die Schaffung eines „Großrusslands“ dazu diente, einen Keil zwischen Nordamerika und Westeuropa zu treiben.

„Der russisch-georgische Krieg vom August 2008 war im Grunde der erste der Kriege, um die NATO-Erweiterung zu stoppen; die Ukraine-Krise von 2014 ist der zweite.“

Auf dem NATO-Gipfel 2008 in Bukarest, wurden die euro-atlantischen Bestrebungen der Ukraine und Georgiens begrüßt, die dem Bündnis beitreten wollten. Nach der „Orangenen Revolution“ 2004 in der Ukraine unterstützten die USA die diesbezüglichen Bemühungen der prowestlichen Regierung massiv. Die Ukraine aus der Einflusssphäre Russlands herauszulösen, betrachtete Putin als direkte Gefahr für Russlands Kerninteressen.

„Man kann sich ausmalen, wie die Vereinigten Staaten reagieren würden, wenn der Warschauer Pakt noch existieren würde, die meisten Staaten Lateinamerikas bereits darin Mitglied wären und nun auch Mexiko und Kanada die Aufnahme beantragen würden.“

Atomkriegszeit: Drei vor Zwölf

Im Westen gilt ein an Atombomben arbeitender Iran als größte Bedrohung für den Weltfrieden. Nachdem man sich auf ein Atomabkommen einigen konnte, war die weltweite Erleichterung groß. Laut iranischem Außenminister müssten alle Massenvernichtungswaffen im gesamten Nahen Osten abgebaut werden, wenn das Abkommen tatsächlich etwas bewirken solle. Doch Israel lehnt eine Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags ab.

Freigegebene Dokumente zeigen, dass die Atomkriegsgefahr im Kalten Krieg noch viel größer war als Historiker bis dahin vermutet hatten. Anfang 2015 wurde die „Doomsday Clock“ (Atomkriegsuhr) von der Zeitschrift Bulletin of the Atomic Scientist auf drei Minuten vor Zwölf gestellt. Das letzte Mal wurde dies 1983 erreicht, als Angriffe auf die Sowjetunion simuliert und ihre Verteidigungssysteme getestet wurde. Damals fanden NATO-Manöver an der sowjetischen Grenze statt, wobei auch die territoriale Souveränität der UdSSR verletzt wurde. Eine weltweite Katastrophe war zum Greifen nah.

Eine Expertenstudie zeigte auf, dass es zwischen 1977 und 1983 zu 43 bis 225 falschen Angriffsbefehlen pro Jahr kam. Die Fälle beschränken sich auf amerikanische Systeme. Die russischen - oder gar pakistanischen - Systeme sind zweifelsohne weitaus fehleranfälliger.

„Es gibt viele Probleme, die dringend gelöst werden müssen, aber zwei sind von überwältigend großer Bedeutung: die Zerstörung der Umwelt und die Gefahr eines Atomkriegs."

Im US-Journal International Security wird die Besorgnis geäußert, dass die geostrategischen Maßnahmen der USA in Ostasien dazu führen könnten, dass China seine atomare „Kein-Erstschlag-Linie“ aufgeben sowie nuklear aufrüsten könnte. Vor allem die gegenwärtigen Spannungen an Russlands Grenzen sind von hoher Brisanz. Kurz nachdem die Atomkriegsuhr auf drei vor Zwölf gestellt wurde, veranstaltete das US-Militär eine Parade mit US-Kampffahrzeugen in einer estnischen Stadt. Sie befindet sich in einer Region, die nach Russland hineinragt. Eine Symbolträchtigkeit, die an die heißesten Zeiten des Kalten Krieges erinnert.

Wer beherrscht die Welt?

Bei der Beantwortung der Frage, wer die Welt beherrscht, kommen für gewöhnlich zunächst Staaten bzw. Supermächte in den Sinn. Die Entscheidungsträger in den staatlichen Strukturen sowie ihre Wechselbeziehungen zueinander sind komplex. Der Moralphilosoph Adam Smith, der im 18. Jahrhundert lebte, sprach von den „Herren der Menschheit“. Zu seiner Zeit waren es die englischen Kaufleute und Fabrikanten, die er dazu zählte. Heutzutage gehören multinationale Konzerne, gigantische Finanzinstitute, globale Handelsketten etc. zu ihnen.

„In der heutigen Weltordnung verfügen die Institutionen der Herrschenden über enorme Macht.“

Die USA sind gewiss die führende Supermacht in der Welt. Laut internationalen Umfragen lag die Befürwortung amerikanischer Kriegspläne bei unter zehn Prozent. Weltweit regt sich Widerstand, und es finden Proteste statt. Der Journalist Patrick Taylor schrieb in der New York Times, dass es möglicherweise immer noch zwei Supermächte auf dem Globus gäbe: Zum einen die Vereinigten Staaten und zum anderen die Meinung der Weltöffentlichkeit.

Über den Autor

Noam Chomsky (1928) ist emerierter Professor an der US-Eliteuniversität MIT und lehrt Sprachwissenschaft sowie Philosophie. Der mehrfache Bestseller-Autor ist einer der weltweit bekanntesten Intellektuellen und seit den 60ern einer der schärfsten Kritiker der US-Politik.