ParsToday: Herr Wimmer, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen!

Wimmer: Guten Tag Herr Shahrokny, guten Tag nach Teheran!

ParsToday: Herr Wimmer, der amerikanische Präsident, Donald Trump, hat am Freitag vergangener Woche eine neue Iran-Strategie verkündet. Wenn man an jenem Tag die Gelegenheit hatte, sich die Ausführungen dieses amerikanischen Präsidenten anzuhören, konnte man leicht feststellen, dass er die Welt in neue  Konflikte stürzen will. Sie haben dazu einen Artikel geschrieben und in diesem Artikel von Kriegserklärung gesprochen. Ich würde gerne dazu mehr von Ihnen hören!

Wimmer: Ja, Herr Shahrokny, es gibt diesen berühmten Satz, dass "der Ton die Musik macht." Es kommt immer darauf an, wie eine Erklärung abgegeben wird und in welcher Wortwahl das geschieht. Ich habe die Rede des amerikanischen Präsidenten im Orginal gehört und ich muss sagen, ich war vom Sprachgebrauch her sehr entsetzt, weil das, was hier als Sünden-Register eines anderen Landes vorgetragen worden ist, das war schon bemerkenswert. Man muss sich vor allen Dingen fragen, wer hat als Repräsentant eines anderen Landes dieses Sünden-Register vorgetragen. Das Sünden-Register betrifft ja offensichtlich den Iran. Da muss man darauf verweisen und das sage ich ohne Eifer und ohne Zorn an die Adresse der Vereingten Staaten, wer den Nahen und Mittleren Osten in Elend stürzt, der trägt einen Namen und das sind die Vereinigten Staaten, das ist die französische Republik und das ist - wie immer, wenn es um Kriege geht – Großbritannien. Und wenn man dann hingeht und einem anderen Land Vorwürfe derart macht, wie das der amerikanische Präsident in einer aufgeladenen Stimmungslage persönlicher Art gemacht hat, der muss sich natürlich fragen lassen, was fehlt eigentlich noch bis zur Kriegserklärung an ein anderes Land?  Vor diesem Hintergrund war das, was wir ja auf dem ganzen Globus sehen konnte, die Rede des amerikanischen Präsidenten im Weißen Haus in Sachen Nuklerabkommen,  das war an Entsetzen nicht mehr zu überbieten und ist vor allen Dingen ja kein einmaliger Vorfall, sondern das vollzieht sich durch die amerikanische Politik seit Jahrzehnten und wir erleben ja alle, dass unsere Nachbarvölker durch die Vereinigten Staaten in Schutt und Asche gebomt worden sind. Man muss noch weitere Beispiele dieser Art hinzufügen und deswegen habe ich auch die Formulierung „Kriegserklärung“ gebraucht, denn das war es ja auch.

ParsToday: Herr Wimmer, Lob dafür bekam Trump ausgerechnet von Saudis und von Israelis.

Wimmer: Ja, das ist in der heutigen Situation auch kein Wunder. Die Dinge, die sich seit Jahrzehnten im Nahen und Mittleren Osten abgespielt haben, haben ja zu interessanten Annäherungen zwischen bislang verfeindeten Staaten beigetragen. Die Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien ist ja bemerkenswert. Man muss auf der anderen Seite natürlich auch sehen, Saudi-Arabien und die Russische Föderation gehen auch  inzwischen Händchen in Händchen durch die Weltpolitik. Das macht deutlich, dass Bewegung da ist.

Ich habe am Tag vor der Rede des amerikanischen Präsidenten, den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten, Barak, bei Christian Amanpoor auf CNN gesehen, und ich kann nur für mich sagen, das war rational, das war sehr abgewogen, das waren Aussagen, wo man vieles davon unterschreiben konnte und vor allen Dingen die klare Erklärung aus Israel,  aus dem Mund  eines führenden israelischen Politikers, der sagt, „Iran hält sich an den Wortlaut des Vertrages.“ Ja, wenn der das sagt, muss doch der amerikanische Präsident eigentlich auch nachdenklich werden, dass diejenigen, mit denen er glaubt, die engste Freundschaft überhaupt praktizieren zu können, innerlich gespalten sind, was seine eigene Beurteilung des Vertragsverhaltens eines anderen Landes anbetrifft. Das ist bemerkenswert und was die Situation im Nahen und Mittleren Osten anbetrifft, hoch interessant.

ParsToday: Herr Wimmer, aus Europa hörte man heftige Kritik. Wird es dabei bleiben?

Anmerkung: Das Interview finden Sie in voller Länge als Audio auf ParsToday!

Das Interview wurde geführt von Seyyed-Hedayatollah Shahrokny.

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