Früher haben Banken milliardenweise nicht nur den griechischen Staat finanziert. Als das aber bei dem zu groß gewordenen Schuldenberg zu unsicher, ja zu gefährlich wurde, haben die Steuerzahler anderer Staaten das übernehmen müssen und damit auch dieses Risiko.

Die Banken waren fein raus. Nur die Griechen nicht. Wie sich das für den deutschen Staat jedoch „lohnt“, zeigen die 1,34 Milliarden Euro an Zinsen für 2016, die Griechenland zahlte, aus den Krediten, für die auch Deutschland haftet mit immerhin 70 Milliarden Euro.

Jeder Bundesbürger wurde so theoretisch um 16,54 Euro reicher. Ist das nicht toll? Hoch die Tassen! Unsere Kanzlerin hatte 2011 schon recht, als sie sagte: „Was wir in diesen Zeiten aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück“. Vielleicht in einigen Jahrhunderten.

Warum geben wir Griechenland nicht noch mehr Kredit, wenn „wir“ daran so gut verdienen und von den Zinsen fast schon leben können? Moment, denn man verdient erst mit einem Kredit, wenn man Zinsen und den Kredit zurückerhalten hat. Nur wird Griechenland nie seine 315 Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. Wer das annimmt, glaubt auch an rosarote Elefanten.

Wie groß werden die Feierlichkeiten bzw. die Verluste sein, wenn nach der Bundestagswahl im Frühjahr 2018 über Schuldenerleichterungen für Griechenland gesprochen wird? Das hat man den Griechen versprochen und Versprechen sind einzuhalten wie die des früheren Regierungschefs Papandreou, der jeden Euro zurückzahlen wollte. Wovon aber? Ach, der ist ja längst weg und das Geld wohl auch. Aber das ist alles Auslegungssache, vor allem in Europa und vor einer Wahl.

Es war schon immer so: Der Bürger bürgt, der Gläubiger glaubt und das alte Minus ist künftig das neue Plus. Das ist so sicher wie die Rente. Amen.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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