Nordkorea stand 1994, nach dem Tod des Staatsgründers Kim Il Sung, am Rande des ökonomischen Bankrotts und inmitten einer furchtbaren Hungerkatastrophe. Beobachter gehen deshalb davon aus, dass es der Generalstab ist, der seit damals die Hebel der Macht in den Händen hält.

Songun-Doktrin statt Juche-Ideologie

Die von Kim Il Sung seinerzeit konzipierte „Juche - Ideologie die auf die Autarkie des Staates abzieht, ist demnach nicht mehr das einzige ideologische Fundament des Zwangsregimes. Die „Juche -Ideologie “ ist inzwischen der so genannten „Songun-Doktrin“ gewichen, bzw. wird von dieser überlagert. Songun bedeutet die absolute Dominanz des Militärischen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Demnach ist den Bedürfnissen der Armee alles unterzuordnen.

Wie stark die Position von Kim Jong Un tatsächlich ist und wie weit sich dieser gegenüber den rivalisierenden Militärclans durchzusetzen vermag, bleibt das Thema diplomatischer Hinterzimmergespräche. Chinesische Experten, die diesbezüglich den besten Informationsstand besitzen dürften, gehen davon aus, diesem seltsam wirkenden Gewaltherrscher einen recht hohen Stellenwert beizumessen. Russische Beobachter wiederum sehen in ihm so etwas wie den kleinsten gemeinsamen Nenner, auf welche sich die hohe Generalität mit ihrem ausgeprägtem Selbsterhaltungstrieb geeinigt hat.

Inhaltleeres Gefasel eines Macht- und Ahnungslosen

In den USA hingegen zeigt sich immer mehr die Tendenz, dass die verbalen Entgleisungen des Präsidenten lediglich als Show- und Unterhaltungseinlage zu interpretieren sind, als Brot und Spiele für die Massen. Der Außenminister und der Vizepräsident relativieren  fast alle Ausfälle Trumps auf dem diplomatischen Parkett, beziehungsweise stellen dadurch die Äußerungen des US-Präsidenten  als inhaltsleeres Gefasel eines politisch Macht- und Ahnungslosen dar.

„Wenn Nordkorea seine Drohungen fortsetze, werde diesen „begegnet mit Feuer und Wut, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat“, sagte Trump am Dienstag., worauf der republikanische Senator John McCain entgegnete:“ Es sei unwahrscheinlich, dass der Präsident in der Lage sein werde, seinen Worten Taten folgen zu lassen. „Die großen Führer, die ich kenne, sprechen keine Drohungen aus, solange sie nicht zum Handeln bereit sind. Und ich bin nicht sicher, dass Präsident Trump zum Handeln bereit ist!“

Willkommene Krise

Für Donald Trump und Kim Jung Un ist der aktuelle Schlagabtausch eine willkommene Krise, dem sich beide Staatsoberhäupter mit Wohlbehagen hingeben, da er von ihren innenpolitischen Problemen, beziehungsweise -dieses bezieht sich natürlich nur auf Trump- nicht eingehaltenen Wahlversprechen ablenkt. Allerdings, diesbezüglich sollte sich keine Macht etwas vormachen, die Volksrepublik China wird es nicht dulden, dass sich in unmittelbarer geographischer Nachbarschaft Pekings ein politischer Erdrutsch vollzieht, flankiert von einer profunden Einflussnahme Washingtons oder gar Tokios.

Zwar sind in im historischen Gedächtnis der USA die Grauen des Korea-Krieges später vom Vietnam-Krieg überdeckt wurden, dennoch sollte man sich in Washington an jenen Winter 1950/51 erinnern, als die jungen Heere der Volksbefreiungsarmee Mao Zedongs zum Klang von Büffelhörner bei eisigen Minusgraden die schnell vorpreschenden US-Divisionen in Nordkorea, die unter dem Befehl des Generals Mac Arthur in Richtung chinesische Grenze marschierten, auf die heutige Demarkationsliege des 38. Breitengrades zurückjagten. Seit damals gilt in Peking die angeblich von Mao stammende Redewendung“ China und Korea gehören zusammen wie Lippen und Zähne!“