Mit den von den Kreditgebern im Gegenzug zu den Geldern des EU-Rettungsschirms eingeforderten Reformen sind zahlreiche neue Abgaben verbunden. Eine davon ist, zahlreichen Freiberuflern rückwirkend für die Jahre 2011 und 2012 weitere Beiträge für den neuen Sozialversicherungs-Dachverband EFKA aufzubrummen.

Haircut: Die einen werden doppelt rasiert, die anderen gar nicht

Die Ingenieure hatten vor der Vereinigung aller Versicherungsträger für Freiberufler eine eigene Sozialversicherung, TSMEDE genannt. Wie die übrigen Sozialträger war auch TSMEDE bereits vor der Krise per Gesetz dazu verpflichtet worden, die Rücklagen in griechische Staatsanleihen zu investieren.

Das Waterloo erlebten die griechischen Sozialversicherungsträger, die Rücklagen- und nicht umlagefinanziert operieren, als 2012 mit dem Haircut für griechische Staatsleihen, private Investoren, einheimische Banken, Sozialversicherungsträger und Universitäten per Erlass quasi enteignet wurden, während ausländische Banken und Staaten vom Haircut verschont blieben.

Die Banken konnten mit steuerfinanzierten Rekapitalisierungen ihren Schaden ausgleichen, die Übrigen gingen leer aus. Der Dachträger EFKA muss sich, so sieht es die Troika vor, selbst finanzieren und von staatlichen Zuschüssen abkoppeln. Ergo sucht EFKA nach Einnahmen und verdonnerte nun 250.000 Freiberufler zur Zahlung doppelter Beiträge für die nächsten 13 Monate. Was dies im Einzelnen bedeutet, zeigt folgende Modellrechnung.

Abgabepflichten eines Besserverdieners - Eine Modellrechnung

In einem Staat, in dem ungelernte Arbeitskräfte mit Zeitarbeitsverträgen für 390,- Euro monatlich oder auf Vollzeitstellen für knapp 520,- Euro pro Monat arbeiten, ist ein Ingenieur mit 1000,- Euro monatlichen Einnahmen durchaus einer der Besserverdienenden.

Dies umso mehr, als dass das Ingenieurgewerbe krisenbedingt das Haupteinsatzgebiet, den Häuserbau, verloren hat. Ingenieure sind in Griechenland versicherungspflichtig, wenn sie nach ihrem Studienabschluss in ihrem Beruf arbeiten wollen – unabhängig davon, ob sie tatsächlich Einnahmen generieren. Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass unser Modellingenieur sämtliche Steuern und Abgaben, die bis zum Februar 2018 von ihm gefordert wurden, pflichtgemäß entrichtet hat.

Wenn unser Beispielingenieur nach 1993 zum ersten Mal berufstätig wurde, dann hat er hinsichtlich der Abgaben für den März 2018 und die daran anschließenden nächsten zwölf Monate folgende Belastungen zu bezahlen:

*Sozialabgaben gelten gemäß eines Reformgesetzes nicht als steuerlich abzugsfähig. Die resultierenden Renten werden trotz eines Verbots doppelter Besteuerung von Einkommen erneut versteuert.

13% Miese – und noch keinen Atemzug genommen

Es ist augenscheinlich, dass der Ingenieur des Beispiels bereits ohne Kosten für seinen Lebensunterhalt, den Betrieb seines Büros und die Begleichung von Kommunikationskosten pro Monat mehr als dreizehn Prozent Verlust produziert. Er läuft zudem Gefahr, dass er bei einer künftigen Steuerprüfung beweisen müsste, wie er trotzdem überlebt hat. Daraus wiederum könnten sich weitere zu versteuernde Schätzeinkommen ergeben.

Wenn die betreffende Person nicht über Rücklagen oder Beihilfen von Seiten der Familie verfügt, dann werden pro Monat mindestens 135,50 Euro an geschuldeten Steuern im System gespeichert. Voila, fertig ist der chronische Steuersünder.

Das Resümee der Geldgeber

In den amtlichen Verlautbarungen der Kreditgeber, EU, EZB; EFSM und IWF liest sich das dann so oder ähnlich, „Griechenland hat bei seinen Reformen Fortschritte gemacht, muss aber noch Anstrengungen unternehmen“.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.