Liebe Leserinnen und Leser,

hielt sich der deutsche Leitindex bis Mitte der Woche noch tapfer in seiner  seit vielen Wochen gesehenen Range zwischen 12.070 und 12.370 Punkten im Seitwärtstrend, ging es danach steil bergab. Mit Durchbrechen der charttechnischen und nachfolgend der psychologischen Marke von 12.000 Punkten  schickte sich der Markt an, auch gleich die wichtige Marke rund um die 11.900 zu testen – die 200-Tage-Linie ist jetzt auch nur noch einen Katzensprung entfernt. Hier entscheidet es sich nun, ob wir eventuell in Kürze bereits die nächste runde Marke bei 11.000 Punkten sehen. Erst ab diesem Moment wäre der grundsätzliche Aufwärtstrend gebrochen.

Nach erneuten Höchstständen des Dow Jones in der letzten Woche, kommt auch der amerikanische Index am Donnerstag deutlich zurück und rutscht wieder unter die Marke von 22.000 Punkten.

Derweil zeigt sich nach Wochen der Rally beim Euro–Dollar-Verhältnis, eine kleine Delle und der Euro tendiert etwas schwächer. Die Edelmetalle erholen sich und ziehen als sicherer Hafen zeitgleich mit den fallenden Kursen an. Der Rohölpreis zeigt sich bei rund 50 Dollar pro Barrel relativ unbeeindruckt.

Die Märkte stehen nun an einem Scheideweg und die nächsten Handelstage könnten entscheidend werden.

Nordkorea-Krise nur willkommener Grund für Erholung?

Momentan ist natürlich überall zu lesen, dass der sich zunehmend verschärfende Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea weltweit auf die Kurse drückt. Das ist selbstverständlich korrekt, doch gibt es auch Stimmen, die diese politischen Turbulenzen als willkommenen Anlass für die Märkte werten, sich etwas zu erholen.

Schon länger zeigte sich anhand der sehr zögerlichen und schwächlichen Aufwärtsbewegung eine gewisse Lustlosigkeit. Auch  nach der bisherigen Jahresperformance ist der Markt reif für eine Konsolidierung. Selbst gute Rahmenbedingungen und insgesamt positive Zahlen in der auslaufenden Berichtssaison konnten keinen positiven Schub hervorrufen. So könnte der drohende Konflikt und die Drehung des Marktes auch einfach dem Big Money zu günstigeren Einstiegkursen verhelfen.

Sorgenfalten mehr als berechtigt!

Nichtsdestotrotz sind die vermehrten Sorgenfalten ob der sich immer weiter zuspitzenden Konfrontation durchaus berechtigt. Die Gemengelage an sich überschneidenden Interessen und wechselnden Koalitionen bleibt unübersichtlich. Letztlich sehen wir hier im großen Bild den Kampf der Weltmächte angesichts einer Verschiebung der weltweiten Machtachse in Richtung der -immer noch sogenannten- Schwellenländer.

Bereits letzte Woche schrieben wir an dieser Stelle „Die Unsicherheit wächst – ist das die Ruhe vor dem Sturm?“ und warnten vor dem Hintergrund der Eskalationspolitik einer sich windenden Hegemonialmacht vor dem Ausbruch eines offenen Handelskrieges. Diese Woche bangen wir –nicht ganz unberechtigt- auch vor einer eventuell bevorstehenden militärischen Eskalation. Bleibt zu hoffen, dass sich die hier auf Cashkurs kürzlich publizierten Prognosen von Paul Craig Roberts nicht bewahrheiten und Trump nun zum Kriegspräsidenten mutiert.

Zumindest der von manchem schon ins Spiel gebrachte NATO-Verteidigungsfalltritt nicht automatisch ein, falls Nordkorea seine Drohungen wahr macht und Raketen Richtung Guam aussendet. So bestätigte die NATO, dass in diesem Fall zumindest keine offizielle Beistandspflicht besteht. Zum Beten, wie Willy Wimmer, möchten wir an dieser Stelle also noch nicht aufrufen, schaden kann es aber keinesfalls.

Für die Börsen gilt trotz aller Abwägung das von Oliver Roth genannte Zitat: Der Crash ist ein Ereignis – der Boom eine Entwicklung. Wir bleiben wachsam!

An dieser Stelle wünschen wir Ihnen – trotz aller Turbulenzen- ein schönes und erholsames Wochenende. Es kann nicht schaden, für die kommenden Wochen etwas Kraft zu tanken.

Ihre

Cashkurs Redaktion