Guten Tag meine Damen und Herren,

eine recht ruhige Woche mit relativ geringen Marktbewegungen liegt hinter uns. Der Dax notiert weiterhin in der alten Range unter der 13.000er Marke, die Unterstützungen und Widerstände sind eng gestaffelt. Erst bei einem Unterschreiten der 12.600 läge die nächste größere Unterstützung bei rund 12.300 Punkten etwas weiter weg.

Das italienische Damoklesschwert schwebt weiter über uns

Die grundsätzlich berechtigte Aufregung um die Italienwahl und die Forderungen der italienischen Regierung an die EZB, ist inzwischen wieder etwas abgeflaut. All die in diesem Zuge diskutierten Schwierigkeiten sind uns ja auch schon hinlänglich bekannt. Wir wissen um die Probleme in der dortigen Bankenlandschaft, die hohe Verschuldungsquote des Landes ist ebenfalls nichts Neues, genau wie die Tatsache, dass es bei Beibehaltung des Euro zu mehr Schulden-Vergemeinschaftung wird kommen müssen.

Diese gesamte Thematik wird uns sicherlich noch viele Monate beschäftigen und bei neuen Verlautbarungen irgendwelcher Protagonisten immer mal wieder laut hochkochen. Die Unsicherheit an dieser Front bleibt uns also erhalten - und trotz aller Gewöhnung an die Sachlage bleibt die Situation weiter brandgefährlich. Denn eins ist völlig klar: Wenn Italien kippt, dann kippt der Euro!

Selbstverständlich wird man genau das nicht zulassen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern suchen. Man kann also davon ausgehen, dass die EZB entsprechende Zugeständnisse macht und unser Schuldgeldsystem weiter aufgebläht wird. Die aktuelle Diskussion über auslaufende Anleihekäufe und die Straffung der Geldpolitik soll wohl die Glaubwürdigkeit der EZB gegenüber Italien unter Beweis stellen und das Erpressungspotential nicht allzu offensichtlich werden lassen…

Vollgeld und bedingungsloses Grundeinkommen – das Zukunftsmodell für die EU?

Doch völlig alternativlos ist unser Schuldgeldsystem natürlich nicht! An diesem Wochenende findet in der Schweiz eine Volksabstimmung über die Einführung eines Vollgeldsystems statt. Wir werden sehen, wie das Ergebnis ausfällt, doch allein dass die Diskussion hierüber in solch großem Rahmen angestoßen wird, ist äußerst interessant und könnte auch für uns noch spannende Folgen nach sich ziehen.

In einem Vollgeldsystem wird den privaten Geschäftsbanken das häufig kritisierte Recht zur „Geldschöpfung aus dem Nichts“ entzogen. Ausschließlich die Zentralbanken wären dann dazu befugt, Geld zu schöpfen und zur Verfügung zu stellen.

Die Banken fungieren in einem solchen System tatsächlich nur als Vermittler und ihnen kommt die Rolle und Funktion zu, von der immer noch viele Menschen glauben, dass dies bereits heute schon der Fall sei. Also dass Geschäftsbanken nur das Geld weiterverleihen, welches andere Kunden eingelegt haben – und dieses nicht nur mit einer Minimaldeckung bei den Notenbanken per Bilanzverlängerung erschaffen.

Jetzt wird auch schon darüber diskutiert, ob das nicht sogar ein Modell für die Europäische Union wäre, das Geldsystem derartig umzubauen. Die Banken müssten dann alles Geld bei der Notenbank ausleihen. Hierdurch würde die Zentralbank, die ja den Staaten gehört, sehr viel einnehmen, da ihr die sogenannte Seigniorage, also der Geldschöpfungsgewinn zufiele. Und jetzt kommt der Clou: Hierdurch könnten alle europäischen Staaten mit einem Streich ihre überbordenden Staatsschulden loswerden! Darüber wird sicher so mancher ins Grübeln kommen!

Wenn man jetzt noch die Diskussionen um die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens miteinbezieht, wobei die Menschen dieses in einem Vollgeldsystem direkt von den Notenbanken ausgezahlt bekämen, könnte das zu einem Thema werden, von dem wir in den nächsten Monaten und Jahren eventuell noch häufiger etwas hören werden… 

Diese Zukunftsperspektive klingt doch wahnsinnig spannend – oder?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein wunderschönes und entspannendes Wochenende weitab vom Politzirkus, der jeden Tag durch die Weltmanege trampelt.

Ihr

Dirk Müller