Liebe Leserinnen und Leser,

der Dax kannte in dieser Woche nur eine Richtung und hangelte sich fleißig an die große 13000er Marke heran. Auch die Wirtschaftsdaten zeigten sich durchgehend positiv, es herrscht purer Optimismus wohin man auch blickt: In der Eurozone befindet sich der Einkaufsmanagerindex auf dem höchsten Stand seit sechs Jahren, der entsprechende US- Index notiert gar auf einem 14-Jahreshoch, die Stimmung in der japanischen Industrie war seit zehn Jahren nicht so gut und auch in China scheint die vorläufige Wende geglückt. Die Hoffnung auf eine ordentliche Jahresendrallye ist überall zu spüren und zu hören.

Bei soviel eitel Sonnenschein sollten zumindest im Hinterkopf die Warnleuchten aktiv bleiben, denn wir wissen um die großen systemischen Risiken und die Unart schwarzer Schwäne plötzlich und unerwartet aufzutauchen – dafür aber mächtig mit den Flügeln zu schlagen. Nichtsdestotrotz fließt das Börsenwasser weiter und die Strömung will genutzt werden, solange sich die gegebene Überhitzungsgefahr nicht Bahn bricht.

Nächste Zielmarken, Euro und Gold

Die Unterstützungen im Markt sind eng gestaffelt, bei 12.550 findet sich die nächste größere Unterstützung, darunter bei 12.400 Punkten. Nach oben bietet die 13.000 einen Widerstand, bei baldig zu erwartendem Überschreiten sind charttechnisch die Zielmarken der nächsten Monate dann bei 13.600 und weiter bei 14.600 Punkten zu sehen.

Während es an den Aktienmärkten munter bergauf geht, haben Gold und der Euro die andere Richtung eingeschlagen. Nachdem es in den letzten Wochen abwärts ging, pendelt der  Goldpreis um die aktuellen Notierungen und versucht sich an einer Bodenbildung. Zwar verbessern sich hier die Indikatoren aktuell, doch Edelmetall-Freunde müssen sich wohl zunächst weiter in Geduld üben.

Spanien Austragungsort des Spannungsfeldes Globalisierung vs. Nationalisierung

Einen gewissen Anteil an der Schwäche des Euro trägt sicherlich auch die aktuelle Situation in Spanien bei, auch wenn die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens für die Märkte als eher regionales Problem gelten. Die Situation zeigt jedoch einmal mehr auf, dass es angesichts der weltweit zunehmenden Zentralisierung und der Schaffung immer größerer Verwaltungseinheiten dringend einer Grundsatzdiskussion darüber bedarf, wie die ureigenen Bedürfnisse der Menschen in solchen Systemen Berücksichtigung finden können. Wird dies nicht zufriedenstellend gelöst, wird das Aufbegehren der Bevölkerung weltweit immer weiter wachsen – und Revolten zunehmen.

Der eigentliche Gedanke des Föderalismus mit dem zugrundeliegenden Prinzip der Subsidiarität muss wieder mehr zu Tage treten. Nur wenn lokale Selbstbestimmtheit gegeben ist, können vor Ort die jeweils gebotenen Maßnahmen ergriffen werden. Hierbei dürfen jedoch keine künstlich gezogenen Grenzen eine Rolle spielen, sondern die tatsächliche Zusammengehörigkeit der Menschen aufgrund von historisch gewachsenen Beziehungen oder Identitäten. Für unseren Kontinent könnte dies ein Europa der Regionen sein, in dem die regionalen Kulturen erhalten bleiben und lokale Selbstbestimmung wieder möglich wird. Die Brutalität mit der heute gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen vorgegangen wird, zeigt auf, dass der aktuelle Weg nicht der richtige sein kann.

Mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Totalitarismus

Auch die Ausgestaltung des nun gültigen Netzwerkdurchsetzungsgesetzes weist in die falsche Richtung. Während gegen „Fake News“ vorgegangen werden soll, bleibt der Jugendschutz auf der Strecke und der Gesetzgeber verbeugt sich vor dem mächtigen Google-Konzern. Wie sonst lässt es sich deuten, dass jede unbillige Meinung zensiert werden kann, Kinder beispielsweise auf youtube jedoch weiterhin ungehindert Zugang zu Gewalt- und Drogenwerbung gewährt wird!? Im gleichen Zuge wird in Großbritannien darüber nachgedacht, hohe Haftstrafen für all diejenigen zu verhängen, die auf den „falschen“ Internetseiten surfen. Der Minority-Report lässt grüßen, wir sind wohl schon im Zeitalter der Gedankenverbrechen angelangt.

Zumindest alle Yahoo-Kunden können sich seit dieser Woche sicher sein, nicht mehr sicher zu sein, denn hier wurde nun klar, dass im Jahr 2013 sämtliche Kundendaten gehackt wurden. Herzlichen Glückwunsch! Da nun auch bewiesen ist, dass es mit der Anonymität bei Kryptowährungen nicht weit her ist und die US-Steuerbehörden mittels Tracking-Tools bereits den Steuersündern auf der Spur sind, sehen wir einmal mehr: In der digitalen Welt gibt es nun mal keine Sicherheit! Das ist dafür aber sicher!

An dieser Stelle wünschen wir Ihnen viel Spaß und Erkenntnisgewinn beim Lesen unserer Beiträge und ein angenehmes und erholsames Wochenende – vielleicht sogar auch mit einem schönen Ausflug in die alte, analoge Welt.

Ihre

Cashkurs-Redaktion