Zahl neuer Fonds seit Jahren rückläufig – Aber: Zahl der Fonds langfristig immer gewachsen – In letzten fünf Jahren 3576 Fonds aufgelegt, aber „nur“ 1964 Fonds geschlossen – BVI-Statistik

Der Witz ist nicht neu, keiner Statistik zu trauen, die man nicht selbst gefälscht hat. Ähnliches gilt auch für die kürzlich vom Bundesverband Investment und Asset Management e.V. BVI vorgelegten Zahlen zur Anzahl der Fonds bzw. der Zahl der Fondsschließungen und Fonds-Neugründungen in den letzten Jahren. „Im Jahr 2011 haben die Kapitalanlagegesellschaften mehr Publikumsfonds aufgelöst als neue an den Markt gebracht wurden. 419 neuen Produkten standen 436 Auflösungen gegenüber.....Seit Jahren ist die Zahl der neu aufgelegten Fonds rückläufig. So starteten die Gesellschaften beispielsweise 2007 mit 1113 neuen Produkten mehr als doppelt so viele Fonds wie 2011“.

Zahl der Fonds ist stetig gestiegen

Die Zahlen sind natürlich richtig, erwecken jedoch sofort den falschen Eindruck. Nämlich den, dass sich die Gesamtzahl der von den Gesellschaften angebotenen Fonds ständig vermindert und damit für den Anleger die Übersichtlichkeit im Fondsdschungel zunimmt. Langfristig ist die Anzahl der von den Gesellschaften angebotenen Fonds noch immer gestiegen. Dazu muss nämlich ein Blick auch auf die Zahl der aufgelösten Fonds geworfen werden. Und hier zeigt sich bei einem Blick auf die vom BVI gelieferte Statistik, dass nur in drei der aufgelisteten 11 Jahre die Anzahl der aufgelösten Fonds leicht größer war als die Zahl der neu aufgelegten Fonds: Das war 2003(aufgelöst 285 Fonds, neu aufgelegt 266 Fonds), 2009 (neu 512, aufgelöst 595) und eben im Jahre 2011 (neu 419, aufgelöst 436 Fonds).

Die Hektik an den Finanzmärkten mit teilweise kräftigen Kurseinbußen bei Aktien hat vor allem im Bereich der Aktienfonds in den letzten drei Jahren zu deutlich mehr Fondsauflösungen als Fondsneuauflagen geführt. Aber die Fondsgesellschaften haben den Trend erkannt und dementsprechend mehr solche Fondstypen an den Markt gebracht, die ein geringeres Anlagerisiko beinhalten. So wurden in den letzten fünf Jahren 653 Rentenfonds aufgelegt, wohingegen in diesem Zeitraum nur 486 Rentenfonds aufgelöst wurden. Noch stärker ausgeprägt war diese Tendenz bei den Mischfonds: aufgelöst wurden 396 Fonds, neue aufgelegt jedoch 1197 Fonds. Dazu der BVI: “Der stärkere Wunsch der Anleger nach einer risikosenkenden Streuung über verschieden Assetklassen hat die Gesellschaften dazu bewogen, mehr Mischfonds anzubieten.“

Fondsauflösungen im Anlegerinteresse?

Von einer wirklichen Bereinigung der angebotenen Fondspalette, um diese für Anleger übersichtlicher zu gestalten, kann bisher also keineswegs gesprochen werden. Und lt. BVI ist die Auflösung bzw. Verschmelzung eines Fonds im Anlegerinteresse, weil dadurch das Fondsvolumen verbleibender, vergleichbarer Fonds steigt und damit feste Kosten auf eine größere Basis verteilt werden. „ Die Auflösung eines Fonds ist also keineswegs eine negative Qualitätsaussage, sondern ein wirtschaftlich sinnvoller Prozess.“ Stimmt, zumindest für die Fondsgesellschaft, aber nicht unbedingt für die betroffenen Anleger.

Ein neuer Fonds für jede neue Anlagemode?

Allerdings sprechen andere Branchenbeobachter bei den Fondsschließungen von gescheiterten Fonds, eben weil ihre Anlagephilosophie und Anlagestrategie nicht erfolgreich waren und sich nicht genügend Anleger fanden, die dieser Strategie folgen wollten. Weshalb müssen auch Fondsgesellschaften, so fragen Kritiker, auf jeden modischen Anlagetrend, der an den Märkten gespielt wird, noch aufspringen mit der zeitaufwendigen Gründung eines Fonds. Oft genug war dann der Anlagetrend schon wieder vorbei und mancher kleine, und damit für die Fondsgesellschaft sicher unrentable Fonds, musste aus- bzw. umgebucht werden auf eines der alten Flagschiffe der Fondsgesellschaft.

Die immer noch stattliche Liste der jeweiligen Fondsneugründungen lässt vermuten, dass dieses Spielchen immer noch weiter geht. Offensichtlich will keine Gesellschaft einen möglichen neuen Anlagetrend verpassen oder ein Feld kampflos, bzw. „fondslos“, der Konkurrenz überlassen. Wenn sich der Trend als Eintagsfliege herausstellt wird der Fonds eben geschlossen und der Anleger in eines der alten Flagships hineinkomplimentiert. Natürlich geschieht dies dann alles im Interesse der wenigen Anleger, die dort zugegriffen hatten.

Der betroffene Anleger steht bei derartigen Fondsauflösungen oder angebotenen Fondsfusionen vor grundsätzlichen anlagestrategischen und auch steuerlichen Problemen, die in einem zweiten Teil behandelt werden sollen.