Wer schon einmal die Wüste erlebt hat, weiß wie faszinierend sie sein kann. Unser diesjähriger Sporturlaub führte meine Springerkollegen und mich auf die arabische Halbinsel Qatar am persischen Golf. Ein überaus interessantes Land mit einzigartigen  Sitten, Gebräuchen und Gesetzen, aus dem ich viele außerordentlich beflügelnde Eindrücke mit nach Hause genommen habe.

Am vorletzten Tag des Urlaubs gab es auf dem Rückweg von der Innenstadt Dohas zum Hotel kaum ein Durchkommen. Die Menschen, - unter ihnen viele ägyptische Gastarbeiter - tanzten und feierten auf den Straßen der Hauptstadt Qatars. Sie bejubelten den Sturz des ägyptischen Präsidenten Mubaraks, ... oder hätte ich jetzt das Wort „Diktator“ verwenden müssen? Ist es nicht erstaunlich, wie schnell unsere Presse sich anpasst und aus einer Regierung ein „Regime“ und aus einem Regierungspräsidenten einen „Diktator“ und „Despoten“ macht? Dabei hat man sich vor gar nicht allzu langer Zeit doch noch ganz gut verstanden.

Ob nun die USA und deren Geheimdienste die derzeitigen Volksaufstände in der arabischen Welt inszeniert haben (siehe: Die Revolution in Ägypten: Schöpferische Zerstörung für einen „Greater Middle East“? (Teil 1 von F. William Engdahl)

muss meiner Meinung nach nicht unbedingt stimmen, denn wer schon einmal Kairo besucht hat, wird sich sicherlich – genau wie ich - gewundert haben, wie leidensfähig Menschen doch sein können, die in Dreck und bitterster Armut leben.

Das man seit geraumer Zeit immer wieder von Facebook- und Twitterrevolutionen redet, halte ich schlichtweg für Humbug. Ich glaube nicht an die Macht, die diesen sozialen Netzwerken angedichtet wird. Meiner Meinung nach werden sie völlig überschätzt, hinsichtlich ihrer Bedeutung in Bezug auf die derzeitigen Volksaufstände. Ansonsten hätten wir wahrscheinlich in Deutschland schon längst eine Hartz-4-Revolution erlebt und die Internetgemeinde hätte es geschafft, einen Baustopp des Bahnhofs in Stuttgart zu erwirken. Genauso wenig, wie die Erfindung des (mobilen) Telefons, des Faxgerätes oder des Fotokopierers zur preiswerten Herstellung von Flugblättern Aufstände ausgelöst haben, so wenig spielen heutzutage neue Internetmedien eine bedeutende Rolle bei gesellschaftlichen Umbrüchen.

Ich für meinen Teil glaube, das die Revolutionen in diesen Ländern eine natürliche Reaktion auf die Lebensumstände der breiten Bevölkerung sind, - bedingt durch die stetig anwachsende Armut und systembedingte ungleiche Vermögensverteilung. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das, was zur Zeit in den arabischen Ländern passiert, schon vor Jahren prognostiziert und vorhergesagt wurde:

- Auszug GEAB N°26 (17. Juni 2008) -

Arabische Staaten: Die pro-westlichen Regierungen am Rande des Abgrunds / Risiko für eine politische und soziale Explosion von Ägypten bis Marokko bei 60%"

Nach unserer Auffassung trägt die umfassende weltweite Krise bereits im jetztigen Stadium dazu bei, die pro-westlichen Regierungen in den arabischen Staaten zu schwächen : Hungeraufstände, religiöser Fanatismus (der von dem erstarkenden Iran, Syrien, der Hisbollah und Hamas geschürt wird), westliche Verbündete (Washington und die europäischen Staaten), die sich auf eine Politik beschränken, die sich ausschließlich an ihren Sicherheitsinteressen ausrichtet... (1) In Ägypten geht die Herrschaft Mubaraks allmählich zu Ende, das Land befindet sich innenpolitisch in einer Sackgasse, und die Unfähigkeit der Regierung, den Menschen bessere soziale und wirtschaftliche Bedingungen zu schaffen, radikalisiert immer größere Teile der Bevölkerung (2). Nach unserer Auffassung wird das pro-westliche Regime Ägyptens unter den Schockwellen der Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise politisch zusammen brechen (3). Dessen Repressionsapparat wird es nicht vermögen, die sozialen Spannungen unter Kontrolle zu halten.

http://www.leap2020.eu/GEAB-schrieb-es-im-Juni-2008-Arabische-Staaten-Die-pro-westlichen-Regierungen-am-Rande-des-Abgrunds-Risiko-f%C3%BCr-eine_a5852.html

Nun, gut, kommen wir zu meinen ganz persönlichen Reiseeindrücken aus dem Wüstenstaat Qatar, das als eines der (rohstoff-)reichsten Länder der Welt gilt. Seit 1995 wird das Land vom Emir Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani regiert und er scheint sehr populär zu sein, denn anders ist es nicht erklärbar, das man im Straßenverkehr nicht selten Autos sieht, die mit einem Foto des Herrschers geschmückt sind. Seine Popularität dürfte darin begründet sein, dass in Qatar Dinge  umgesetzt werden, die ich mir in meinem Cashkurs-Artikel “Feuer, Erde, Luft und Wasser” vom 24.01.2011 gewünscht hatte. 

Das Erfolgsrezept des Emirs ist recht einfach. Die innenpolitische Stabilität und den  Machterhalt seines Familienclans sichert er ganz einfach durch eine Beteiligung der breiten Bevölkerung am Wohlstand des Öl- und Gaslandes. Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität sind weitestgehend unbekannt und das Land gilt daher als innenpolitisch stabil und gehört zweifelsfrei zu einem der sichersten Länder der Welt.

Außenpolitisch schlug Qatars Emir in der Vergangenheit einen recht klugen Weg ein. Nach seiner Thronbesteigung, brach er ein unter den Golfstaaten bestehendes Tabu und begann die Unterhaltung diplomatischer Beziehungen zu Israel. Des Weiteren profilierte sich das Land als Mediator in verschiedenen regionalen Konflikten und vermittelte beispielsweise einen Waffenstillstand zwischen den Huthi-Rebellen und der Regierung des Jemen in 2010. In 2008 war Qatar durch Vermittlung zwischen den Konfliktparteien im Libanon maßgeblich an der Verhinderung einer Gewalteskalation beteiligt und sichert sich dadurch Ansehen und Respekt bei seinen Nachbarn.

Bevölkerungsstruktur

Die bunt gemischte Bevölkerung Qatars besteht aus nur 340.000 einheimischen Qataris und 1.360.000 Ausländern, die die Halbinsel bewohnen. 34 Prozent der Menschen kommen aus Indien und Pakistan, 25 Prozent sind Staatsbürger anderer arabischer Staaten, 16 Prozent iranischer und 5 Prozent sonstiger Abstammung.

Steuern in Qatar

Der vor einigen Jahren in Deutschland demontierte Professor aus Heidelberg hätte sicherlich seine helle Freude am Steuersystem in Qatar. Verbrauchs- und Umsatzsteuern existieren nicht, statt dessen gibt es seit der Steuerreform vom 1. Januar 2010 eine Flat Tax in Höhe von 10 Prozent und eine Quellensteuer in Höhe von 5 oder 7 Prozent auf ausländische Dienstleistungen, wobei diese bei allen Zahlungen an nicht in Katar ansässige Unternehmen greift. Auf Einnahmen aus Lizenzen, Patenten und technischen Gebühren (Management- und Beratungsdienstleistungen sowie technische Dienstleistungen wie zum Beispiel Montagearbeiten) werden 5 Prozent erhoben. Der Satz von 7 Prozent greift bei Zinserträgen, Provisionen, Maklergebühren, Tantiemen, Teilnahmegebühren und andere Zahlungen für Dienstleistungen.

Leben in Qatar

Das Leben in Qatar ist für die Bevölkerung überaus angenehm. Qatarische Männer sind von Haus aus Staatsbeamte mit entsprechendem Einkommen. Ausländer, die eine eigene Firma in Qatar gründen wollen, benötigen dafür einen Einheimischen, dem man allerdings eine Beteiligung von 51 Prozent an der Firma zugestehen muss. Wie man sieht, lässt man sich in diesem Land die Butter nicht so leicht vom Brot nehmen. Ebenso befinden sich sämtliche Öl- und Gasfirmen in staatlicher Hand, wobei man auf den drittgrößten Gasvorkommen der Welt sitzt und Qatar mittlerweile weltweit führender Flüssiggashersteller ist.

Trotz eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt sind die Lebenshaltungskosten gering. Lebensmittel, Restaurantbesuche und Dinge des alltäglichen Bedarfs wie z.B. Kleidung können günstig erworben werden und ein besonderes Erlebnis stellte für uns spritpreis-geschädigte-Deutsche der erste Stopp an einer Tankstelle dar:

25 Qatar Riyals entsprechen ca. fünf Euro für fast 30 l SuperPlus. Zugegeben macht das Tanken hier noch Spaß, obwohl es natürlich auch dazu führt, dass man spritsparende Kleinwagen auf den Straßen Qatars im Gegensatz zu Audi Q7, Dodge Ram und anderen Spritfressern recht selten sieht, wobei Dieselkraftstoff erst gar nicht angeboten wird.

... wird in Teil 2 fortgesetzt

Beitrag senden Beitrag drucken