Vor rund 28 Jahren, am 15. Februar 1989, vollzog sich der sowjetische Rückzug aus Afghanistan. 10 Jahre zuvor, als die UdSSR noch eine Supermacht war, begann die Invasion der “ruhmreichen Roten Armee” im südlichen Nachbarland.

Eine Dekade später lag das kommunistische Weltreich, welches Helmut Schmidt einmal als Obervolta mit Atomwaffen, also als eine Nuklearmacht auf Drittwelt-Niveau, tiuliert hatte, im Todeskampf. Es hatten sich Risse im Roten Imperium gebildet.

Nach zehnjähriger Okkupation - durch 130.000 Sowjetsoldaten - mitsamt einem Aufgebot von Hunderten, vielleicht Tausenden von Panzern,waren sie dem Zermürbungskrieg der Mudschahidin erlegen.    
In Moskau hoffte man damals, einem Übergreifen des islamischen Flächenbrandes auf das eigene Territorium, bzw. auf die eigenen muslimischen Ethnien, durch diesen Rückzug, entgegenwirken zu können.

Das Gegenteil war der Fall. Vom Nordkaukasus bis nach Zentralasien kam es, trotz jahrzehntelanger atheistischer Indoktrination und kommunistischer Propaganda, zu einer “Wiedergeburt des Islams”, die den Niedergang des “gottlosen” Imperiums beschleunigte.

Die muslimischen Völker - des zerfallenen Eurasischen Riesenreiches - betrachteten die "Höllenfahrt” ihrer entmachteten kommunistischen Kolonialherren mit Verwunderung und fassungslosem Staunen. In das  hinte bliebene ideologische Vakuum und die katastrophalen ökonomischen und ökologischen Hinterlassenschaften des Sowjetsozialismus, fielen die Koranverse, demzufolge Allah den Geduldigen, den Standhaften  beisteht, auf einen fruchtbaren Boden.

Die sowjetische Soldateska hinterließ ein zerstörtes Afghanistan und kehrte in eine Heimat zurück, die gerade dabei war zugrunde zu gehen.

15.000 sowjetische Soldaten blieben auf den Schlachtfeldern zurück, mehr als 1,5 Millionen Afghanen waren ums Leben gekommen.  

Einige Monate später sollten die kommunistischen Marionetten-Regime in Mitteleuropa, von Warschau bis Sofia, stürzen, beziehungsweise die Mauer in Berlin fallen. 1991 kam es dann zur Auflösung der Sowjetunion selbst.

Machtübernahme der Taliban

“1996, nach der Einnahme Kabuls durch die Steinzeit-Islamisten der Taliban, fiel Nadschibulla, der sowjetische Stadthalter in Kabul, auch als Stalin von Afghanistan bekannt, einer blutigen Abrechnung  zum Opfer. Wie ein Stück Vieh ließen ihn die Taleban durch die Straßen von Kabul schleifen.
Die sunnitischen Steinzeit-Islamisten der Taliban übernahmen die Macht in Afghanistan.
Nur Shah Massoud, der wahre Vater Afghanistans, hielt ihnen, bis zu seiner Ermordung durch die Schergen Bin Ladens, tapfer stand. Sha Massud starb 2 Tage vor dem 11. September 2001.

Massouds Aufstieg begann mit dem Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan. Zeitweise war er Verteidigungsminister der Regierung Rabbani. Zu diesem Zeitpunkt hatten auch die Amerikaner ihr geostrategisches Interesse an Afghanistan verloren, nicht aber Pakistan. Die pakistanische Regierung hatte das Ziel Hekmatyar in Kabul als Marionette zu installieren und startete einen blutigen Bürgerkrieg, der schließlich zur Machtergreifung durch die Taliban, die ebenfalls durch Pakistan unterstützt wurde, führte.

Ahmad Shah Massoud gelang es, eine Allianz gegen die Taliban zu schmieden, aus Vertretern aller von diesen Steinzeitislamisten verfolgten Afghanen. Der Bürgerkrieg zog sich hin, Afghanistan versank erneut in Blut und Tränen. Die Macht der Taliban weitete sich aus, zum Schluss beherrschten sie fast das ganze Land, bis auf einen schmalen Streifen im Norden. Die Taliban errichteten eine Gewaltherrschaft und verwandelten Afghanistan in einen Stützpunkt des dschihadistischen Terrors. Noch im Frühjahr 2001 warnte Massoud bei einem Besuch des Europaparlaments seine Gesprächspartner vor Osama Bin Laden bzw. dessen Terrorplänen. Er fand nur wenig Gehör.

Die amerikanische Hilfe für die Nordallianz blieb lau. Im amerikanischen Außenministerium hegte man starke Vorbehalte gegenüber Massoud aufgrund seiner Verbindungen zum Iran und zu Russland. Dabei stand Massoud zu diesem Zeitpunkt vor dem Sprung zur wichtigsten Führungspersönlichkeit Afghanistans aufzusteigen. Er hatte seine Beziehungen zur Muslim-Bruderschaft längst aufgegeben und sich zu  einem afghanischen Patrioten gewandelt. In seiner Nordallianz vereinte er alle von den Taliban verfolgten Gruppen und Ethnien. Massoud war es gelungen eine Vision für eine friedliche Zukunft Afghanistans zu entwickeln, jenseits des Taliban-Terrors und der heutigen Fremdherrschaft.

Im September 2001 war eine Rede Massouds vor der UN-Vollversammlung in New York geplant. Dazu kam es nicht mehr. In seinem Buch "Sturz ins Chaos" beschreibt der pakistanische Journalist eine Begegnung mit Massoud, kurz vor dessen Ermordung: "Er war über Pakistan zutiefst verärgert. Er fragte mich wiederholt warum Pakistans Präsident und Armeechef Pervez Musharraf, der 1999 per Staatstreich an die Macht gekommen war, eine selbstmörderische Politik der Unterstützung von Terroristen betreibe, wie er es nannte. Und noch ärgerlicher über die Vereinigten Staaten und die internationale Gemeinschaft, die Pakistans Hilfe für die Taliban nicht stoppen. Er berichte mir, wie CIA-Agenten ihn in seiner Festung im Pandschir-Tal besucht und nach Hilfe bei der Ergreifung Bin Ladens gefragt hatten, aber er hatte über sie gelacht, als sie ihm sagten, dass sie ihm keine Waffen liefern oder sonstige Hilfe leisten könnten."
Massoud war sicherlich kein Demokrat "westlichen Typus", er war ein Krieger aus dem rauen Hochland von Afghanistan. Man muss ihn eher zu einer "der größten Führer der Widerstandsbewegungen im 20. Jahrhundert zählen", wie es der amerikanische Schriftsteller Robert D. Kaplan in seinem Buch "The Soldiers of God" ausdrückte.

„Krieg gegen den Terror“ und die Ignoranz des Westens

Der „Krieg gegen den Terror“, welcher unmittelbar nachdem 11. September 2001 ausgerufen wurde, hat eine ganze Region ins Chaos gestürzt, ca. 1,3 Millionen Menschenleben gefordert und einen verheerenden Anstieg von Fluchtbewegungen ausgelöst. Statt den Terror zu besiegen, hat er sich global verbreitet. Den Friedhof der Imperien” nennt man Afghanistan schon seit den Tagen Alexander des Großen. Afghanistan zu erobern ist leicht, es zu beherrschen ist unmöglich.

Diese Weisheit hat der Westen seit 2002 konsequent ignoriert.

Dabei hätten es  die Briten wissen, dass man keinen Krieg in Afghanistan gewinnt.

Gewiss, das Desaster von 1842, als die aus Kabul ausbrechende Garnision Ihrer Majestät mitsamt Familien und Hilfskräften in den Schluchten des Hindukusch durch Stammesangehörige massakriert wurde, gehört einer anderen Epoche an. Aber wie heiß es doch so treffend. ”Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht begreifen und die Zukunft nicht meistern.”

Das damalige Ereignis war immerhin so sensationell, dass Theodor Fontane dem einzigen Überlebenden, einem Militärarzt, der bis Jalalabad gelangte, eine Ballade widmete:”Mit Dreizehntausend der Zug begann; einer kam heim aus Afghanistan”.

Bei ihren Expeditionen ist den Soldaten der Bundeswehr die Vielzahl der zerstörten sowjetischen Tanks - im Norden Afghanistans - aufgefallen. Dieses ausgebrannte Kriegsgerät, eines Imperiums, vor dem vor 20 Jahren die Welt noch erzitterte, beziehungsweise dessen Ideologie ein Fünftel der Menschheit - von Ost-Berlin-bis Pyöngjang - beherrschte, ist dort wie eine historische Mahnung anzusehen. Als eine Mahnung für das Scheitern von Supermächten, in der rauhen Gebirgslandschaft von Afghanistan.

Afghanistan ist heute kein sicheres Herkunftsland, wie die Bundesregierung aus politischem Kalkül heraus schwadroniert. die eine nicht unerhebliche Verantwortung trägt, für die Situation am Hindukusch. Im Gegenteil, die Afghanen sind bis heute Opfer der geopolitischen Schachzüge, die mit dem Einmarsch der Roten Armee 1979 begann, sich mit der Aufrüstung diverser Gotteskrieger,durch die Amerikaner, fortsetze und bis heute anhält.

Die saudische Außenpolitik in den 1980er und 1990er Jahren hatte einen unglaublich negativen Einfluss auf die Stabilität in der gesamten Region. Der Wohlstand der Saudis beziehungsweise die Art, wie dieser Wohlstand verwendet wurde, um radikalislamisches Gedankengut zu verbreiten, hat viele der heutigen Konflikte mitverursacht. Die Verbreitung des Wahhabismus, der saudischen puritanischen Form des Islams, in der jüngeren Vergangenheit hat die Saat gelegt für die heutigen Probleme. Nicht nur in Afghanistan und nicht nur in Pakistan. Die USA haben ihrerseits die Mudschaheddin in Afghanistan gegen die einfallende Rote Sowjet-Armee aufgerüstet. Die Chance zur Befriedung der Region wurde somit von beiden Seiten vertan. Die NATO hat nach ihrem Abzug 2014 eine öffentliche Niederlage in Afghanistan natürlich nicht eingestanden, stattdessen arbeitete man mit einem geschickten wording, indem man  erklärte, dass man seine Pflicht erfüllt habe und Afghanistan jetzt auf eigenen Füßen stehen könne. Somit wurde das totale Scheitern des sogenannten "WAR on Terror" kaschiert.