Agenda 2020? Auf den ersten Blick ließe sich vermuten, es ginge um ein neues Reformpaket der Bundesregierung. Das ist nicht der Fall. Es handelt sich um IHRE Agenda - für Ihr eigenes Depot im kommenden Jahrzehnt. Ein Jahrzehnt, das in wenigen Wochen anbrechen wird, und dem Börsenanleger enorme Gewinnmöglichkeiten in Aussicht stellt. Um darauf vorbereitet zu sein, sollte der Anleger schon vorzeitig einen Plan entwickeln. Doch worauf ist zu achten, wenn man sein persönliches Strategiepapier konzipiert? Nach welchen Chancen sollte man Ausschau halten und welche Risiken im Auge behalten? Und vor allem: welche Fehler gilt es zu vermeiden?

Die Chancen

Bevor wir den Blick in die Zukunft für die nächsten zehn Jahre wagen, lassen Sie uns zunächst zurückschauen. In der Aktieneuphorie vor zehn Jahren vermochten Schlagwörter wie Internet, Mobilfunk oder Multimedia blinde Kaufwut auszulösen. Die Technologien haben sich in rasantem Tempo in unserem Alltag etabliert, und im Vergleich zu damals ist die gegenwärtige Börsenlage geradezu langweilig. Nichtsdestotrotz gibt es zahlreiche Trends und Branchen, die das Potential in sich bergen, einen ähnlichen Siegeszug wie das Internet anzutreten. Zu den landläufig bekannten Zukunftsmärkten hierbei zählen etwa die Biotechnologie, Regenerative Energien oder die Nanotechnologie. Doch es gibt auch Zukunftsbranchen, die noch nicht derart im Fokus der breiten Anlegerschaft liegen. Ingenieure tüfteln zum Beispiel an bahnbrechenden Innovationen in den Bereichen der Lasertechnik oder in der Robotersparte. Insbesondere der Geschäftszweig für Heim- und Serviceroboter könnte sich in den nächsten Jahren zu einem ungeahnten Megatrend entwickeln. Wer sich dessen bewusst ist und gezielt Ausschau nach derartigen Investitionsmöglichkeiten hält, kann lukrative Trends bzw. Aktien früher als andere aufspüren und exorbitant davon profitieren. Ebenfalls große Renditemöglichkeiten bieten die Emerging- und Frontier-Markets, falls der Investor eher auf regional ausgerichtete Investments setzt.

Die Risiken

Die Lehman-Pleite im Herbst letzten Jahres hat weltweite Schockwellen an den Finanzmärkten ausgelöst. Laut makroökonomischen Daten und Statistiken ist das Schlimmste schon überstanden, und die Rezession ist vorbei. Doch was ist mit den warnenden Stimmen, die einen weiteren Crash für die kommenden Monate bzw. Jahre voraussagen? Sie verweisen beispielsweise auf die hohe Arbeitslosigkeit in den USA und das Auslaufen der Kurzarbeit in Deutschland. Selbst der IWF und die Weltbank haben noch Ende Oktober vor dem Platzen einer Spekulationsblase in Asien gewarnt. Es gibt zahlreiche Unsicherheitsfaktoren, die die Weltwirtschaft erneut heftig belasten könnten. An dieser Stelle möchte ich indes zwei besonders wichtige herausgreifen – die sich weiter aufblähende Blase bei den US-Staatsanleihen und die Inflationsgefahren beim Dollar.

Die Haushaltskassen vieler Staaten sind tief im Minus. Speziell die Lage der USA ist von besonderer Brisanz. Die Folgen der Finanzkrise machen sich bemerkbar. Die Amerikaner finanzieren sich vorwiegend an den Renten-Märkten, indem sie Staatsanleihen ausgeben. Die Problematik: Das Angebot übersteigt die Nachfrage, und ein Überangebot sorgt für steigende Zinssätze. Deswegen kauft die FED auch ihre eigenen Papiere zurück. Dadurch heizt sie die Inflationsgefahren, die durch die Geldüberflutung der Märkte ohnehin schon gegeben sind, zusätzlich an; und Inflation scheint auf lange Sicht der einzige Ausweg. Dadurch könnten sie ihre Schulden „senken“, was die Gläubiger in Mitleidenschaft zöge. Das Reich der Mitte dreht indes noch an vielen anderen Stellschrauben seiner Geldpolitik, die darauf abzielen, Chinas Währung international, schleichend und schrittweise, zu etablieren. Keine guten Aussichten für den US-Dollar und die amerikanische Wirtschaft… Schon über hundert Banken sind dieses Jahr gestorben, und selbst die offiziellen Arbeitslosenzahlen liegen über zehn Prozent. Die Nachwehen sollten die Weltwirtschaft noch über Jahre belasten.

Es bleibt fragwürdig, auf welche Art und Weise die Zentralbanken gedenken, die Inflation einzudämmen. Kann es überhaupt gelingen die enormen Geldmengen (rechtzeitig) in den Griff zu bekommen? Und wann die Mega-Blase der Staatsanleihen letztendlich platzen wird, weiß niemand genau. Die Gefahren werfen ihre Schatten voraus, und der Anleger sollte die Entwicklungen genauestens und kritisch beobachten. Gleichzeitig sollten diese Risiken nicht seinen Blick vernebeln, da sonst Chancen ungenutzt bleiben. Für den Fall der Fälle gehört in jedes Portfolio physisches (!) Gold und Silber. Zehn bis 20 Prozent sind sicher nicht übertrieben.

Defensive Anlagen 2.0

Wenn die Konjunktur lahmt und das Investitionsklima schlecht ist, haben es Aktien kleiner und mittelgroßer High-Tech-Unternehmen schwer. Denn die Risikoaversion nimmt in einem schwierigen Wirtschaftsumfeld zu. Zuviel Unsicherheit scheint den Geschäftsmodellen der Zukunftsunternehmen anzuhaften. Substanzwerte, wie konjunkturunabhängige Blue Chips, sind in solchen Zeiten Trumpf! Egal, ob eine Krise herrscht oder nicht: Strom, Nahrungsmittel oder lebenswichtige Medikamente werden schließlich immer benötigt. Doch man kann sich nur wundern! In vielen Beiträgen zum Thema kommen die Versorger, die Pharmaunternehmen oder die Nahrungsmittelindustrie vor. Doch wo bleibt der Blick auf Branchen wie Telekommunikation und Informationstechnologie? Kündigt die Kundschaft etwa ihren Internetzugang in Scharen, wenn eine schwierige Wirtschaftssituation herrscht? Wohl kaum! Auch wenn das Internet nicht zu unseren elementaren Grundbedürfnissen zählt, spielt es dennoch eine fundamentale Rolle in unserem Alltagsleben. Was solch technologieorientierten Geschäftsbereiche angeht, haben die letzten Jahre sogar gezeigt, dass auch sie während einer Finanzkrise boomen können. Folgende Beispiele verdeutlichen dies:

Die Abteilung des FBI namens „Internet Crime Complaint Center“ hat im Jahresbericht für 2008 einen Anstieg der Internetkriminalität von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr festgestellt. Die Hackerangriffe auf Privatcomputer und Behördennetze nehmen stetig zu. Aktien von Unternehmen, die Internetsicherheit anbieten, können unter diesen Gesichtspunkten einen Blick wert sein.

Durch die Finanzkrise sahen sich viele Unternehmen gezwungen, einen harten Kurs in punkto Kosteneinsparung zu fahren. Video-Conferencing spart Reisekosten und liegt im Trend. Vermehrt erkennen auch Privatleute, dass clevere Internetnutzung ihre Kommunikationskosten senken können.

Als ein letztes Beispiel sei der „Cocooning-Effekt“ genannt. Cocooning bedeutet, dass die Menschen weniger ausgehen, sich also wie ein „Kokon“ in Ihrem eigenen Heim „einspinnen“. Das spart Geld. Stattdessen wird in den Spaß- oder Wohlfühlfaktor im eigenen Heim investiert. Etwa das Computerspiel „Call of Duty: Modern Warfare 2“, das am 10. November erschienen ist, wurde in den ersten 24 Stunden knapp fünf Millionen Mal verkauft und spielte 310 Millionen Dollar ein. Damit wurden Rekorde von Hollywood-Blockbustern gebrochen!

Diese Exempel aus der IT- und Softwarebranche zeigen, dass wachstumsorientierte Anlagestrategien keineswegs im Gegensatz zur defensiven Depotausrichtung stehen müssen. Beide Ansätze lassen sich in einem intelligent zusammengestellten Portfolio durchaus integrieren.

Behavioral Finance-Strategien

Lukrative Trends erkannt zu haben ist das Eine, richtiges Timing das Andere. Ungünstig gewählte Ein- und Ausstiegszeitpunkte können die Rendite verhageln. Gleiches gilt für eine unausgewogene Depotzusammensetzung. Risiko- und Money-Managemet sind mindestens genauso wichtig. Der durchdachte Umgang mit Risiken und die Strategie der Wertsicherung bzw. der Substanzerhaltung gelten hierbei als oberstes Gebot. Bei der praktischen Umsetzung dieser Prinzipien – so rational sie auch sind – stehen wir uns jedoch meist selbst im Weg. Unsere eigene Psyche macht uns dabei einen Strich durch die Rechnung. Mit diesen typischen, psychologisch bedingten Anlagefehlern befasst sich der Forschungszweig Behavioral Finance, die verhaltenswissenschaftliche Kapitalmarktforschung. In meinen kommenden Beiträgen werde ich besonders auf die irrationalen Verhaltensanomalien eingehen und aufzeigen, mit welchen Maßnahmen Sie gegensteuern können. Die Grundlage für Ihre ganz persönliche Agenda 2020.

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