Es wurde gewiss Zeit dafür. Nach den in den letzten Wochen und Monaten aus den Vereinigten Staaten eingehenden Wirtschafts- und Konjunkturdaten beginnt eine wachsende Anzahl von Analysten und Ökonomen damit, die vermeintliche „Stärke“ der amerikanischen Wirtschaft auf den Prüfstand zu stellen. Interne Prognosen der Fed of Atlanta sehen im 1. Quartal nur noch ein mickriges Wachstum von gerade einmal 0,3% vor. Doch es gibt auch gute Gründe dafür, weswegen die Angst vor dem Ausbruch einer neuen Finanzkrise an den Finanzmärkten am Wachsen ist.

Ernüchterung nach Jubelanfällen

So auch die beiden Analysten Robert Johnson und Roland Czerniawski von der Firma Morningstar. Wie die beiden Analysten auf der Seite von Morningstar ausführen, mache sich an den Finanzmärkten langsam aber sicher Ernüchterung breit, nachdem es zuvor noch zu Jubelanfällen in Bezug auf eine Abwärtsrevision zu den ökonomischen Wachstumsprognosen durch die Federal Reserve gekommen war.

Selbstverständlich ging mit dieser Freude die Hoffnung auf eine zeitliche Verschiebung von Zinserhöhungen durch die Fed einher. Doch nun gerät – gerade auch unter Bezugnahme auf eine tendenziell abwärts gerichtete Gewinnentwicklung im amerikanischen Konzernsektor – die Realität im Hinblick auf die ökonomischen Aktivitäten in den USA verstärkt in den Fokus vieler Marktakteure. 

Die teils viel zu hohen Erwartungen an das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft im 1. Quartal wurden unter anderem durch einen miesen Bericht zu den Auftragseingängen für langlebige Wirtschaftsgüter, die in der Periode um 1,4% sanken, beeinträchtigt. Gleichzeitig kletterten die Verkäufe bestehender Häuser im Februar lediglich um 1,2% gegenüber dem Vormonat.

Alles in allem seien die eingehenden Daten, die nicht selten mit dem Winterwetter in Verbindung gebracht wurden, als Warnschuss zu betrachten. Gleiches gelte im Hinblick auf die amerikanische Energieindustrie, in der sich die Auswirkungen aus den deutlich gefallenen Öl- und Gaspreisen in Form von Massenentlassungen im Sektor abzuzeichnen beginnen, wie es bei Morningstar heißt.

Fed-Prognosen: Abschwächung des Wachstums auf 0,3%

Im 4. Quartal verzeichnete die amerikanische Wirtschaft ein Wachstum von 2,2%. Interne Prognosen der Fed of Atlanta deuten auf eine Abschwächung dieses Wachstums auf nur noch 0,3% im 1. Quartal dieses Jahres hin. Doch weiterhin wird unter vielen Banken von einem Erstquartalswachstum von zwischen 2% bis 3% ausgegangen. Es könnte also bald zu herben Enttäuschungen kommen.

Wie schon im Jahr 2014, so dürften sich die eingehenden Daten ab dem 2. Quartal dieses Jahres aufgrund wegfallender Wetterumstände ein wenig verbessern. Trotz allem zeichne sich laut der beiden Analysten von Morningstar ab, dass ein potenziell sehr schwaches Wachstum im 1. Quartal nicht ausreichen dürfte, um Hoffnungen auf ein Wachstum von 3% der US-Wirtschaft im Gesamtjahr 2015 zu erfüllen.

Dazu gesellten sich wachsende Sorgen um den möglichen Ausbruch einer neuen Finanzkrise unter vielen Beobachtern und Marktakteuren hinzu. Immer mehr Akteure kommen in diesen Tagen – wie auch die französische Großbank Societe Generale – aus der Deckung, um darauf hinzuweisen, dass die globalen Finanzmarktakteure aus den Lektionen in den Jahren 2008 und 2009 nichts gelernt hätten.

Gleiches gelte im Hinblick auf Griechenlands oder Argentiniens massive Staatsschuldenkrise. Wer die Ereignisse aufmerksam verfolgt habe, erkenne, dass Gerichte in aller Welt noch immer mit der Argentiniens Staatspleite im Jahr 2001 einsetzenden Schuldenrestrukturierung des Landes hochgradig befasst seien.

Vielerorts wird auch der rasante Anstieg des US-Dollars an den globalen Devisenmärkte heute weitaus ernster genommen als noch vor einigen Quartalen. Gleiches gilt für die stark gesunkenen Ölpreise, die durch viele Analysten noch vor gar nicht langer Zeit als massive Konjunkturspritze für die amerikanischen Wirtschaft besungen wurden.

Davon ist weit und breit nichts zu sehen. Man braucht sich dazu nur die letzten Daten zu den Einzelhandelsabsätzen in den Vereinigten Staaten anschauen, die nun seit drei Monaten in Folge am Sinken sind. Ob es sich die Federal Reserve in diesem Umfeld tatsächlich wird leisten können, ihren Leitzins anzuheben, ist und bleibt zweifelhaft. 

Starker US-Dollar führt zu Problemen in anderen Ländern

Der Ausbruch einer neuen Finanzkrise dürfte heutzutage auch von ganz anderen Risikofaktoren ausgehen als seinerzeit vor sieben Jahren. Immer mehr Akteure richten ihr Augenmerk in diesen Tagen unter anderem auch auf die Entwicklungen in Brasilien (ich berichtete in den letzten Wochen mehrfach), dessen Wirtschaft sich bereits in Turbulenzen befindet.

Ein guter Teil dieser Turbulenzen rührt von den Ereignissen an den globalen Devisenmärkten her, an denen der US-Dollar im Außenwert sehr stark gegenüber dem brasilianischen Real zugelegt hat. Gleiches lässt sich im Hinblick auf den großen Rohstoffexporteur Südafrika feststellen. Auch das in den letzten Jahren durch Wachstum verwöhnte Malaysia gerät nun plötzlich ins Stottern.

Eine wachsende Anzahl von Analysten kommt zu der Einsicht, dass wir uns in der Welt gerade wieder dorthin bewegen, wo wir nach Verabschiedung von massiven Konjunktur- und Wirtschaftsstimulierungspaketen herkamen. Dies würde im Umkehrschluss nichts anderes bedeuten, als dass auch die Maßnahmen der Notenbanken versagt haben, langfristig auf Basis des Grenznutzenfaktors von QE, gar versagen mussten!