Viel Geld fließt bereits seit geraumer Zeit aus den Schwellenländern ab. Wer einen Blick auf die Währungskurse der Region wirft, erkennt das sich eben jene Entwicklung auch in den meisten Kursverläufen dieser Währungen wiederspiegelt. Viele Beobachter stellen sich die Frage, ob die Federal Reserve in diesem Umfeld ihren Leitzins tatsächlich noch in diesem Jahr anhebt oder dies überhaupt können wird. Denn steigende Zinsen in den USA werden den Kapitalabzug aus den Schwellenländern zusätzlich befeuern und intensivieren. Am dicken Ende könnte es in diesem Zuge zu einer neuen Asien- und/oder Lateinamerikakrise kommen.

Es ist leicht prognostizierbar, dass steigende Zinsen in den Vereinigten Staaten noch mehr Kapital aus den Emerging Markets abfließen lassen werden, als dies ohnehin schon seit einiger Zeit der Fall ist. Die Währungen der Schwellenländer dürften in diesem Fall auch weiterhin unter Abgabedruck bleiben.

Folge wäre sehr wahrscheinlich der Ausbruch einer regionalen Schuldenkrise, was vor allem für Länder gilt, deren Regierungen, Banken und Unternehmen sich vornehmlich auf Basis von Fremdwährungen und dem US-Dollar verschulden. Seitdem China den Renminbi abgewertet hat, wurden die Karten im Asien-Pazifik Raum nochmals neu gemischt und verteilt.

Pekings Ankündigung zeigt den Ernst der Lage

Denn die Ankündigung Pekings zeigt, wie Ernst der Abschwung der heimischen Wirtschaft bei gleichzeitig sinkendem Exportgeschäft genommen wird. So werden sich die Chinesen nun also an dem gefährlichen Abwertungswettlauf beteiligen, um sich ihrerseits auf Kosten von anderen Ländern Exportvorteile im internationalen Handel zu verschaffen.

Eines ist in den letzten Tagen bereits deutlich geworden. Die am Rande eines Abschwungs stehenden Ökonomien, die im direkten Wettbewerb mit China stehen, werden jeden auch nur erdenklichen Versuch unternehmen, um sich gegen die „chinesische Herausforderung“ zu verteidigen. Eine Intensivierung des globalen Währungskriegs wird die Folge sein.

Währungsabwertungen von Russland und China, ist ein Dorn im Auge für Kasachstan

Ein Blick nach Kasachstan zeigt, was damit gemeint ist. Nicht nur, dass Rohöl und Erdgas die Hauptausfuhrprodukte des zentralasiatischen Landes sind. Auch die Währungsabwertungen in Russland und China sind der Regierung Kasachstans ein großer Dorn im Auge, da es sich bei den beiden Staaten, um die beiden Haupthandelspartner Kasachstans handelt.

Lässt sich die bisherige Abwertung des Renminbi in einem Umfang von rund 3% noch als relativ gering bezeichnen, so zeigt sich im Hinblick auf den russischen Rubel ein gänzlich anderes Bild. Schon vor einiger Zeit hat sich die Moskauer Regierung dazu entschlossen, den Rubel mit dem sinkenden Ölpreis abwerten zu lassen (ich berichtete).

In diesem Zeitraum ist der Rubel gegenüber dem US-Dollar um etwa 15% gesunken. Mit Blick auf die vergangenen zwölf Monate beläuft sich der Rückgang des Rubel-Außenwerts gegenüber dem US-Dollar gar auf 45%. Die kasachische Regierung reagierte gestern Morgen, indem sie die heimische Währung Tenge um 4,5% auf 197 Tenge pro US-Dollar im Wert herabsetzte.

Währungsabwertung in der Türkei

Beobachter und Analysten sind sich in ihrer Prognose einig, dass es bei dieser Ankündigung nicht alleine bleiben wird. Vielmehr wird mit weiteren Maßnahmen – auch seitens anderer zentralasiatischer Länder – zur Abwertung von deren Währungen gerechnet. Auch die türkische Lira büßte im gestrigen Handel erneut um 1,3% gegenüber dem US-Dollar ein.

Damit sank die türkische Währung auf ein neues Rekordtief von 2,925 gegenüber dem US-Dollar. Seit der Bekanntgabe zur Abwertung des Renminbi, hat die türkische Lira insgesamt 4,5% an Wert eingebüßt. Auch in Vietnam hat die Ankündigung Pekings zu Reaktionen geführt. Vietnams Zentralbank senkte ihren Leitzins auf nur noch 1% und lässt die heimische Währung ab sofort in einem größeren Wechselkursband floaten.

Daraufhin fiel der vietnamesische Dong um 1,35%. Nachdem es bereits zu Beginn dieses Jahres und im Frühjahr zu ähnlichen Abwertungsbekanntgaben gekommen war, büßte der Dong im Laufe dieses Jahres rund 5% gegenüber dem US-Dollar ein. In Japan haben die durch Premierminister Shinzo Abe durchgedrückten Maßnahmen in den letzten Monaten zu einer Abwertung des japanischen Yen von 36% gegenüber dem US-Dollar geführt.

Natürlich hatte diese Entwicklung nicht nur zu einer relativ zurückhaltenden Erregung in China geführt. In Südkorea ging das Temperament mit vielen Beobachtern durch, die ihre Regierung dazu drängten, den Japanern durch die Verabschiedung von eigenen Maßnahmen endlich Einhalt zu gebieten. Denn Japan und Südkorea konkurrieren in vielen Weltregionen direkt miteinander.

Koreansiche Won, um ca. 15 % gesunken in den letzten 12 Monaten

Im letzten Jahr folgte dann die Verabschiedung von diversen Maßnahmen, woraufhin der koreanische Won in den vergangenen zwölf Monaten um rund 15% gegenüber dem US-Dollar nachgab. Seit dem Eintritt Chinas in den globalen Währungskrieg hat sich diese Abwärtsspirale intensiviert. Allein über den letzten Monat hat der Won nochmals 3% an Wert gegenüber dem US-Dollar eingebüßt.

Auch die indische Rupie steht nach einem länger anhaltenden technischen Turnaround nun wieder deutlich unter Abgabedruck. Wer es nicht zu glauben bereit ist, sollte einmal einen Blick auf den entsprechenden Währungschart werfen. Hier lässt sich schön erkennen, dass die indische Rupie abermals auf dem kritischen Niveau von 65 pro US-Dollar aufgesetzt hat. Seit der Renminbi-Abwertung büßte die indische Rupie etwa 2% ein.

Auch in Taiwan gehen die Uhren nicht anders. So sank der Taiwan Dollar, seit der Pekinger Abwertung des Renminbi, um rund 1,5%. Malaysias Ringgit büßte seitdem um 2,7% im Wert ein. Allein im Laufe der letzten dreißig Tage hat der Ringgit knapp 6,5% an Wert eingebüßt. Mit Blick auf die letzten zwölf Monate steht unter dem Strich ein Wertverlust von 15%.

Die indonesische Rupie verlor in den letzten zwei Wochen 1,5%. Seit Beginn dieses Jahres büßte die indonesische Rupie gar um 11,6% ein. Auch in Georgien und Aserbaidschan befinden sich die heimischen Währungen gegenüber dem US-Dollar auf dem Rückzug. Doch wer glaubt, dass in der Devaluation von Währungen ein Allheilmittel zur Aufrechterhaltung des Exportgeschäfts und der heimischen Wirtschaften liegt, sollte lieber zweimal nachdenken.

Währungsabwertungen zerstören Löhne und Gehälter

Währungsabwertungen gleichen vielmehr verzweifelte Maßnahmen, durch die nicht nur der heimische Konsum, sondern auch Löhne und Gehälter sowie Geschäftsinvestitionen zerstört werden. Japan ist hierfür das beste aller Beispiele. Für viele der asiatischen Schwellenländer stellt sich die Situation seit eh und je so dar, dass sich deren Banken und Unternehmen in Fremdwährungen verschulden, um sich Zugang zu zinsgünstigeren Krediten zu verschaffen.

Und eben jene in Fremdwährungen aufgenommenen Schulden können währungstechnisch nicht abgewertet oder weg inflationiert werden. Anstelle dessen geschieht das Gegenteil. Die angeschlagenen Wirtschaften der Region müssen die aufgenommenen Schulden in diversen Fremdwährungen mit ihren eigenen im Außenwert abgewerteten Währungen zurückbezahlen.

Fremdwährungsschulden türmen sich auf, durch den Druck der niederen Rohstoffpreise

Viele dieser Länder gehören zu den Rohstoffexporteuren, die sich durch die stark gesunkenen Rohstoffpreise zusätzlich unter Druck sehen. Folge ist, dass sich die Fremdwährungsschulden auftürmen und unbezahlbar werden. Dies gilt insbesondere für den Fall, wenn Sorgen unter Investoren zu einem verstärkten Kapitalabzug aus der Region führen, der die Abwertung der jeweiligen Währungen dann noch einmal beschleunigt.

Dies ist der Punkt, an dem eine Schuldenkrise in vielen Schwellenländern ausbrechen dürfte. Nicht nur Banken, sondern auch Investoren, Konzerne, Unternehmen wie auch ganze Staaten könnten daran zugrunde gehen. Nicht auszuschließen, dass der IWF zu einem bestimmten Zeitpunkt einmal mehr als rettende Feuerwehr daherkommen müsste, um Staatsbankrotte durch den Einsatz von hauptsächlich westlichen Steuermitteln zu verhindern.

Es ist eigentlich immer wieder dieselbe Geschichte. Doch diesmal soll doch alles anders sein, nicht? Nach Jahren horrender QE-Programme auf globaler Ebene, rekordniedrigen Zinsen und dem daraus resultierenden billigen Geld, das Anlagerenditen rund um den Globus nachjagt, sind die im Feuer stehenden Kapitalbeträge heutzutage nicht nur ungleich größer, sondern die Risiken und Gefahren auch größer als jemals in der Vergangenheit zuvor.