Die Ermittlungen nach dem Anschlag von St. Petersburg haben die flüchtige mediale Aufmerksamkeit auf die legendäre und geheimnisumwitterte Stadt Osch im Süden Kirgisistans gelenkt, dem Geburtsort des mutmaßlichen Attentäters. Nach Angaben des kirgisischen Geheimdienstes ist der Name des Attentäters Akbarschon Dschalilow. Der Russe mit kirgisischer Abstammung sei 1995 in der Stadt Osch geboren worden. Derweil läuft die Suche nach möglichen Mittätern weiter auf Hochtouren. Aus dem muslimisch geprägten Teil der früheren Sowjetunion haben sich viele junge Männer islamistischen Extremisten in Syrien oder dem Irak angeschlossen. Die zentralasiatischen Staaten und Russland fürchten radikalisierte Rückkehrer.
 
Ferner ist Osch seit Jahren einer massiven Missionierung wahhabitischer und salafistischer Prediger ausgesetzt, deren finanzielle Unterstützung direkt aus Saudi-Arabien stammt, eines der engen Verbündeten des Westens.

“Leuchtturm der Demokratie” - Eines von vielen (gescheiterten) Projekten

In Kirgisistan an diesem geostrategischen Knotenpunkt der Welt, in dem sich die geopolitischen Interessen Chinas, Russlands, der USA, der Türkei, Saudi-Arabiens und des Irans, im weitesten Sinne auch die der EU, überschneiden und überlappen, sollte im Jahr 2005 ein “Leuchtturm der Demokratie” errichtet werden, mit verführerischer Ausstrahlungskraft auf die Nachbarstaaten. Da diese Utopie schon in Afghanistan gescheitert war, im Irak ebenso, wurden nun die zentralasiatischen Staaten im Umfeld der legendären Seidenstrasse, von den neokonservativen Strategen in Washington D.C., als Experimentierfeld und Aufmarschgebiet - dieser grotesken ideologischen Zwangsvorstellung - auserkoren. Damals begeisterte sich die mediale Öffentlichkeit des Westens an der sogenannten “Tulpenrevolution” in Kirgisistan, durch die  angeblich eine Diktatur von einer demokratischen Bewegung gestürzt wurde

Zu jener Zeit wurden die diversen Nachfolgestaaten der UdSSR, besonders diejenigen mit pro-russischer Ausrichtung, von einem wahren Tsunami  angeblicher Revolutionen und Volkserhebungen erschüttert.

Diesen vom Westen unterstützen Machtwechseln und Staatstreichen, war allerdings keine lange Lebenszeit beschienen.

Sowohl die “Orangene Revolution” in der Ukraine, als auch die “Rosenrevolution” in Georgien, galten inzwischen als gescheitert.

Georgien hat sich unter dem hitzköpfigen Präsidenten Saakaschwili, mit dem Krieg um Ossetien, selbst ins Abseits manövriert. Von einer EU- oder NATO-Mitgliedschaft dieser uralten kaukasischen Nation, sprach in Brüssel oder Washington niemand mehr.

Bei genauem Hinsehen haben sich diese vom Westen unterstützten “Demokraten” nicht besser aufgeführt, als ihre Vorgänger, teilweise sogar schlimmer.

NATO-Expansion und das "Great Game"

Das Ziel, die NATO bis in die unendlichen Weiten Zentralasiens auszudehnen, an die Grenzen der Volksrepublik China, war kläglich gescheitert und demonstrierte das Scheitern eines strategischen Entwurfs, dessen Sinn und Zweck selbst hohen Militärs des Westens rätselhaft erschien.

Fünf Jahre später, im April 2010 war in Kirgisistan ein weiteres Scheitern dieses tollkühnen geostrategischen Projektes zu beobachten. Präsident Bakijew, der infolge der erwähnten Tulpenrevolution 2005 an die Macht geschwemmt wurde, flüchtete damals aus der Hauptstadt Bischkek. Ein Großteil der Bevölkerung, wahrscheinlich flankiert von der Unterstützung des russischen Geheimdienstes, hatte den angeblichen Demokraten gestürzt.

In Wirklichkeit geht es hierbei auch um die gewaltigen Öl- und Gasressourcen Zentralasiens, die von der Quantität her nur von denen der Golfregion übertroffen werden. Das einzige Problem bestand darin, das Öl und Gas aus den Ursprungsländern heraus zu befördern. Das “Great Game” hat gerade erst begonnen, unter der Beteiligung der USA, Russlands, des Irans und Chinas.

Wenig später wurde die Stadt Osch von blutigen Pogromen und grauenvollen Massakern an der dort starken usbekischen Minderheit erschüttert. Die Usbeken beherrschen den Handel, sind in der Regel deutlich wohlhabendender als die Kirgisen, dafür aber kaum im Staatssektor präsent. Usbeken leben ja nicht nur in Usbekistan oder als Minderheit in Kirgisistan, sondern sind fast über alle zentralasiatischen Staaten verstreut. Mit über 25 Millionen Einwohnern stellen die Usbeken die bevölkerungsreichste  Ethnie in Zentralasien. Akbarschon Dschalilow, der potentielle Attentäter von St. Petersburg, gehörte auch der usbekischen Minderheit von Osch an.