Wer im Geld schwimmt, hält einen

Rettungsring  für eine Zumutung.

(Ernst R. Hauschka)

Banken sind gefährlicher als stehende Armeen.

(Thomas Jefferson)

Fortsetzung von:

Zentralbanken und Zentralbankgeld

Münzgeld – Schlagschatz - Seignorage

Geldschöpfung in früheren Zeiten: Die Geldmenge M1 und der Wechsel

Geldschöpfung heute: Die Ausweitung der Geldmenge M1 durch die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken

Das zweistufige Geldsystem: Bar- und Giralgeld

QE – Quantitative Easing

Die Geldmenge M (Mmax) und ihre Untermengen M1, M2, M3

Veränderungen der Geldmengen früher und heute

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Auswirkungen des bestehenden Geldsystems auf die Zusammensetzung und Veränderungen der verschiedenen Geldmengen. Zur Erinnerung hier noch einmal die Geldmengen und ihre Definitionen.

Tab. 1: Geldmengendefinitionen (MFI = Monetäres Finanzinstitut)

Ausgehend von der Erkenntnis, dass sich die Geldmenge Mmax durch Geldanlagen nicht verändert, die Statistiken jedoch permanente Veränderungen aufweisen, wird nun im Einzelnen untersucht und dargestellt, durch welche Vorgänge sich die Geldmengen im heutigen Geldsystem verändern.

Die Gesamtgeldmenge Mmax bleibt unverändert, wenn Geldanlagen bis zu 2 Jahren Laufzeit (siehe Tab. 1) getätigt werden oder auslaufen und dieses Geld wieder als Zahlungsmittel in der Geldmenge M1 zur Verfügung steht. Bargeldeinzahlungen und Bargeldauszahlungen verhalten sich ebenfalls neutral, da nur eine Änderung innerhalb der Geldmenge M1 vorgenommen wird, welche die Menge Mmax nicht verändert.

Ein- und Auszahlungen von Bargeld verändern weder die Geldmengen M1 bis Mmax noch die Geldmenge M0, da Bargeld Bestandteil aller Geldmengen ist. Dennoch müssen die Geldmengen M0 und Mmax differenziert betrachtet werden, da sie unterschiedliche Funktionen zu erfüllen haben.

Die Geldmenge M0 wird auch als Bankengeld bezeichnet, da es für Zahlungen zwischen den verschiedenen Geschäftsbanken und auch zwischen Banken und Zentralbank benötigt wird. Die Geldmenge Mmax ist die Menge, über die Nichtbanken verfügen können, wobei die Geldmenge M1 zum Bezahlen verwendet werden kann und die Menge M ohne M1 ein laufzeitgebundenes Potential an liquidem Geld darstellt.

Vorgänge, welche die Geldmenge Mmax erhöhen

Verkauf eines Vermögenswert von einer Nichtbank an eine Bank

Es gibt nur wenige Vorgänge, welche die Geldmenge Mmax erhöhen. Betrachten wir als erste Möglichkeit den Verkauf eines Vermögenswertes von einer Nichtbank an eine Bank. Dieser Vorgang findet statt, wenn zum Beispiel eine Staatsanleihe aus Privatbesitz in das Eigentum einer Bank wechselt. Die Bank bezahlt mit Giralgeld, das zum Zeitpunkt des Kaufes gebucht wird.

Abb. 24: Ankauf von Vermögenswerten durch eine Bank (M = Mmax)

Der Ankauf erhöht die Geldmenge Mmax. Der Zuwachs bedingt sich durch eine Erhöhung der Giralgeldmenge in M1.

Erhöhung der Geldmenge Mmax durch Buchung von Guthabenzinsen

Ein weiterer Vorgang, der die Geldmenge Mmax erhöht, ist das Buchen von Zinsen für Geldanlagen. Die Zinsbuchung erhöht entweder die Geldanlage selbst oder wird bei einer sogenannten Barauszahlung auf das Girokonto des Empfängers gebucht.

Durch die Zinsbuchung vermindert sich gleichzeitig das Eigenkapital der Bank. Die Buchungen finden auf den Ertrags- und Aufwandskonten statt. Erstellt man vor und nach dem Vorgang eine Bilanz, wird deutlich, dass auf der einen Seite das Eigenkapital gesunken ist und auf der anderen Seite die Geldanlagen (Abb. 25) oder bei Barauszahlung der Zinsen das Giralgeld (Abb. 26) angewachsen ist.

Abb. 26: Geldmengenerhöhung bei einer Zinsauszahlung (M = Mmax)

Geldmengenveränderungen durch Kreditvergabe

Jede Kreditvergabe und Kredittilgung hat eine Veränderung der Geldmenge Mmax zur Folge. Bei Vergabe eines Kredites finden innerhalb der Bankbuchhaltung zwei Buchungen statt. Einerseits erhöht sich in der Bankbilanz der Posten Kreditforderung, andererseits wächst die Menge an Giralgeld (M1). Mit Anstieg von M1 wächst folglich auch die Gesamtgeldmenge Mmax.

Abb. 27: Mmax (M) erhöht sich durch Kreditvergabe

Banken vergeben Kredite in der Regel nur, wenn der Kreditnehmer über Sicherheiten verfügt, auf die im Falle einer Nichtbedienung der Schulden zugegriffen werden kann. Als Beispiele für solche Sicherheiten seien bei einem Automobilkredit der Fahrzeugbrief und bei einem Immobiliendarlehen die Grundschuld genannt. Die Sicherheiten gehen zwar nicht in das Eigentum der Bank über, doch können sie im Falle eines Kreditplatzers von dieser verwertet werden. Wird der Kredit vertragsgemäß bedient, geht das Besitzrecht an der Sicherheit am Ende der Laufzeit zum Kreditnehmer zurück. Konsumentenkredite werden häufig durch die laufenden Einkommen des Kreditnehmers abgesichert. Die Bank räumt sich das Recht ein, bei ausstehenden Ratenzahlungen Lohnpfändungen durchführen zu dürfen.

Vorgänge, welche die Geldmenge Mmax reduzieren

Nachdem wir betrachtet haben, welche Vorgänge eine Geldmengenerhöhung zur Folge haben, schauen wir nun auf die Fälle, die eine Reduzierung der Geldmenge Mmax verursachen. Eine der wenigen Möglichkeiten, Mmax zu reduzieren besteht, wenn Banken Vermögenswerte an Nichtbanken verkaufen.

Der Verkauf einer Immobilie, einer Staatsanleihe, einer Aktie oder eines Vermögensgegenstands, das der Bank gehört wird mit dem Giralgeld der kaufenden Nichtbank bezahlt und reduziert somit die Geldmenge M1 als Untermenge von Mmax.

Die Ansicht vieler Experten, dass der Verkauf eines Bankvermögenswertes eine erhöhende Auswirkung auf die Geldmenge hat, da die Bank Geld für den Verkauf erhält, kann bei einer vertiefenden Untersuchung  nicht bestätigt werden. Das Gegenteil ist der Fall! Verkauft die Bank einen Vermögensgegenstand aus ihrem Vermögen, reduziert sie ihre Verbindlichkeiten. Die Geldmenge M1 sinkt.

Reduzierung der Geldmenge Mmax durch Kredittilgung

Bei jeder Kredittilgung wird auf der einen Seite eine Kreditforderung ausgebucht und auf der anderen Seite das Giralgeld (Sichtguthaben) reduziert.

Abb. 29: Geldmengenveränderung durch Kredittilgung (M = Mmax)

Reduzierung der Geldmenge Mmax durch Zahlung von Kreditzinsen

Die Zahlung von Kreditzinsen reduziert ebenfalls die Geldmenge Mmax. Eingenommene Kreditzinsen erhöhen das Vermögen und somit das Eigenkapital einer Bank, - gleichzeitig führt die Zahlung von Kreditzinsen durch den Kreditnehmer zu einer Verminderung des Giralgeldes. Die eingenommen Zinsen erhöhen also das Eigenkapital einer Bank bei gleichzeitiger Reduzierung des Giralgeldes. Das Eigenkapital einer Bank zählt zu keiner Geldmenge.

Abb. 30: Geldmengenveränderung durch Einnahme von Kreditzinsen (M = Mmax)

Vorgänge, welche die Geldmenge nicht verändern

Kreditvergabe zwischen Nichtbanken

Gewährt eine Nichtbank einer anderen Nichtbank einen Kredit, - z.B. in Form von Inhaberschuldverschreibungen, die von Unternehmen angeboten werden - hat diese Kreditvergabe keine Auswirkung auf die Geldmenge Mmax. Das Giralgeld wechselt nur seinen Eigentümer.

Genauso verhält es sich beim Kauf und Verkauf jeglicher Vermögensgegenstände, Konsum- oder Investitionsgüter. Solange keine Bank als Käufer oder Verkäufer in Erscheinung tritt, sind diese Vorgänge hinsichtlich der Geldmenge als neutral zu bewerten. (Abb. 31)

Abb. 31: Kauf/Verkauf zwischen Nichtbanken verändern die Geldmenge nicht (M = Mmax)

Die Auswirkungen des Sparens hinsichtlich der Geldmenge Mmax

Sparen verhält sich ebenfalls neutral zur Geldmenge, allerdings bewirkt es eine Veränderung hinsichtlich der Verteilung der verschiedenen Geldmengen. Ob klassische Geldanlage auf dem Sparbuch, Termingeld oder Bankschuldverschreibung, - für alle diese Geldanlagen lässt sich das gleiche Bild zeichnen.

Abb 32: Geldmengenänderung durch Geldanlagen (M = Mmax)

Langfristige Geldanlagen mit einer Laufzeit von mehr als zwei Jahren reduzieren die Geldmenge M3, haben jedoch auch keine Auswirkung auf die Höhe der Geldmenge Mmax.

Bei Aktien, Lebensversicherungen, Investmentfonds, Zertifikate, Edelmetalle, etc. handelt es sich nicht um Geld im Sinne der Geldmengendefinition. Der Kauf und Verkauf dieser Finanzanlagen hat nur Auswirkungen auf die Geldmenge, wenn Banken an einer Transaktion beteiligt sind und als Käufer oder Verkäufer auftreten.

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