Bisher hieß es in offiziellen Verlautbarungen der britischen Zentralbanker unisono, dass es im Jahr 2016 wohl zu ersten Zinsanhebungen in Großbritannien kommen werde. Davon kann nach heute getätigten Aussagen von Andy Haldane, Chefökonom der britischen Notenbank, mit großer Wahrscheinlichkeit keine Rede mehr sein. Wer auf die Entwicklung des britischen Pfunds gegenüber dem US-Dollar schaut, erkennt, was mit Blick auf die Zinspolitik auf der Insel demnächst wohl geschehen wird.

Wie Andy Haldane heute im Rahmen seiner Rede ausführte, sei es notwendig, die nächsten Schritte der Bank of England vom jeweils herrschenden Umfeld in der globalen Wirtschaft abhängig zu machen. Sollten es die Umstände erforderlich machen, müssten auch weitere Zinssenkungen mit in die Überlegungen einbezogen werden.

Haldane wies darauf hin, dass seine Aussagen rein persönlicher Natur gewesen seien. Trotz allem waren seine Ausführungen dazu angetan, das britische Pfund im heutigen Handel sofort wieder auf Talfahrt zu schicken gegenüber dem US-Dollar. Dabei wurde die Marke von 1,50 nachhaltig nach unten durchbrochen. 

Wohl kaum ein Wunder, denn im Angesicht der verfolgten Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wird es natürlich auch in Großbritannien zu einer Wiederbelebung der Debatten kommen, ob die Insel eine länger anhaltende Ära ultraniedriger Zinsen durchleben könnte.

Schon im Februar dieses Jahres nahm die Bank of England Änderungen im Hinblick auf ihren Ausblick vor. Es sei keine ausgemachte Sache, dass der zurzeit bei 0,5% liegende Leitzins einen finalen Boden bezüglich der Zinsentwicklung in Großbritannien darstelle, wie es seitens des geldpolitischen Komitees der BoE hieß.

Im Gegenteil wurde damals schon explizit darauf hingewiesen, dass der Leitzins auch unter die Schwelle von 0,5% sinken könnte, falls die britische Wirtschaft im Angesicht der weltwirtschaftlichen Entwicklungen zusätzliche Anreize benötigen würde.

Tja, nicht nur in den USA, sondern auch in U.K. zeichnet sich immer stärker ab, dass es keinen Ausweg aus der Nullzinspolitik mehr gibt, wenn es nicht sofort zu heftigen und kaum vorhersehbaren Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen soll.

Diese Turbulenzen werden sich zu einem gewissen Zeitpunkt allerdings auf andere Weise einstellen: nämlich über die Währungs- und Devisenmärkte. Jetzt, wo der Währungskrieg in der ganzen Welt so richtig in Fahrt gekommen ist, zeichnet sich bereits ab, auf welche Weise die gegenüber dem US-Dollar teils stark taumelnden Währungen zu einem deutlichen Anstieg der Importpreise beigetragen haben.  

Das Pfund ist von dieser Entwicklung keineswegs ausgenommen. Während die britische Währung gegenüber dem Euro zuletzt auf ein 7-Jahres-Hoch kletterte, markierte es gegenüber dem amerikanischen Greenback ein 5-Jahres-Tief. Im heutigen Handel setzte sich die Talfahrt nach den Aussagen von Handel fort.

Haldane ging in seiner Rede noch einen Schritt weiter. Wenn die Geldpolitik der Bank of England an einen Algorithmus geknüpft wäre, so Haldane, und die Zinsentscheidungen nicht durch die Mitglieder des geldpolitischen Komitees der Notenbank getroffen würden, mache das bei der BoE zum Einsatz kommende Prognosemodell zum aktuellen Zeitpunkt darauf aufmerksam, dass der Leitzins der BoE schon bald auf 0% gesenkt werden sollte, um dort für mindestens 1 Jahr zu verharren.

Nun, wie lange wird es wohl noch dauern, bis die BoE selbst abermals an der Zinsschraube nach unten drehen wird? Ein Blick auf das britische Pfund gibt sehr wahrscheinlich den Takt vor!